Preismarathon auf der Buchmesse Von goldenen Lettern und edlen Federn

Am zweiten Tag der Leipziger Buchmesse wurden zahlreiche Literaturpreise verliehen. "FAZ"-Journalist Hubert Spiegel wurde mit dem Alfred-Kerr-Preis geehrt, der Japaner Mitsou Katsui erhielt die "Goldene Letter" der Stiftung Buchkunst. In einem Festakt würdigte Außenminister Fischer die deutsch-israelischen Beziehungen.


Redner Stein, Fischer: "Literatur kann Verständnis wecken"
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Redner Stein, Fischer: "Literatur kann Verständnis wecken"

Leipzig - Am Freitagvormittag sprach Fischer im Bundesverwaltungsgericht zum Thema 40 Jahre deutsch-israelische Beziehungen. Der Festakt war Teil der vom Club Bertelsmann seit 14 Jahren auf der Buchmesse veranstalteten Reihe "Jüdische Lebenswelten".

Der Bundesaußenminister sowie der israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, unterstrichen am Freitag die Bedeutung der Literatur und des Kulturaustauschs für die Beziehungen beider Länder. Tausende von Veranstaltungen hätten bisher ihren Beitrag zum Abbau von Vorurteilen geleistet: "Literatur kann Verständnis wecken", sagte Stein. Es sei erfreulich, dass israelische Schriftsteller so erfolgreich in Deutschland seien. In keine andere Sprache würde das Hebräische häufiger übersetzt als ins Deutsche. Fischer fügte hinzu, das Interesse an den Literaten des jeweils anderen Landes sei in Deutschland wie in Israel nach wie vor sehr groß.

Für den 50. Deutschen Jugendliteraturpreis wurden am Freitag in Leipzig unter anderen Tamara Bach mit "Busfahrt mit Kuhn" sowie Haruki Murakamis "Kafka am Strand", Deborah Froeses für "In meiner Haut" und Anne C. Voorhoeves für "Lilly unter den Linden" nominiert. Insgesamt gehen 30 Titel ins Rennen. Die Preisträger werden am 20. Oktober 2005 von Familienministerin Renate Schmidt (SPD) auf der Frankfurter Buchmesse verkündet.

Für seine Buchgestaltungskunst ist dem japanischen Schriftsteller Mitsou Katsui die "Goldene Letter" der Stiftung Buchkunst zuerkannt worden. Sein Werk "Nihon no Kindai Katsuji" besteche durch die spannungsvolle Komposition zwischen Bild und Text, begründete die Jury. Die Goldmedaille des Wettbewerbs "Schönste Bücher aus aller Welt" ging an den Schweizer Christian Waldvogel für sein Werk "Globus Cassus".

Den diesjährigen Gutenbergpreis der Stadt Leipzig erhielt am Abend im Neuen Rathaus der Venezolaner Alvaro Sotillo. Dem 59-Jährigen sei es auf respektvolle Art gelungen, Text, Bild und Gestaltung zu verbinden, erklärte die Jury. Dabei bleibe die Lesbarkeit des Textes stets das Maß aller Dinge. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird seit 1993 alternierend mit der Stadt Mainz vergeben.

Sotillo, der in Caracas lebt, ist in der internationalen Literaturszene bereits seit 1975 ein Begriff. Er hat mehr als 20 Buchkunst-Preise gewonnen, darunter bereits zwei Mal die "Goldene Letter".

Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2005 wurde an den Journalisten Hubert Spiegel von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vergeben. Der Leiter der Literaturredaktion des Blattes verbinde in seinen Kritiken fundiertes Wissen "mit ganz eigener Eleganz und Prägnanz" und komme so "zu begründeten und nachvollziehbaren Urteilen", begründete die Jury ihre Entscheidung. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird vom Wochenmagazin für den Deutschen Buchhandel, "Börsenblatt", verliehen.

Der Bonner Weidle Verlag erhielt den mit 26.000 Euro dotierten Kurt-Wolff-Preis der gleichnamigen Stiftung. Das Haus sei ein vorbildhaftes Beispiel für unabhängige Verlage in Deutschland, hieß es in der Begründung.

Den mit 8000 Euro dotierten "Preis der Literaturhäuser" bekam der in Berlin lebende Autor und Vortragskünstler Michael Lentz. Dem Bachmann-Preisträger gelinge es wie keinem zweiten Autor der Gegenwart, die Möglichkeiten der Lesung und des öffentlichen Auftritts auszuloten und zu erweitern, begründete das Netzwerk der Literaturhäuser die Entscheidung. Die acht Einrichtungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz prämieren jährlich Autoren, die sowohl mit ihrem literarischen Werk als auch mit ihrem Vortragsstil ästhetische Maßstäbe setzen. Verbunden mit der Vergabe ist eine Lesereise.

Insgesamt zählte die Buchmesse an den ersten beiden Tagen nach eigenen Angaben 46.000 Besucher, genau so viele wie im Vorjahr. Bis Sonntag werden mehr als 100.000 Gäste erwartet. "Die Stimmung ist überaus positiv", urteilte der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann.



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