Literatur Wichtigste französische Literaturpreise für Bücher über die Nazizeit

Beide haben Bücher über Nazigrößen geschrieben und sind nun in Frankreich mit Literaturpreisen ausgezeichnet worden: Der Prix Goncourt geht an Éric Vuillard und der Prix Renaudot an Olivier Guez.

Éric Vuillard
AFP

Éric Vuillard


Der renommierte französische Literaturpreis Prix Goncourt geht in diesem Jahr an den Autor Éric Vuillard. Der 49-Jährige erhält Frankreichs begehrte Literaturauszeichnung für "L'ordre du jour" (Tagesordnung), wie die Jury am Montag in Paris mitteilte.

Der Roman handelt vom "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 und den Aufstieg Hitlers. Ein Hauptaugenmerk wird dabei auf die politischen und psychologischen Mechanismen gerichtet, die Hitler zur Macht verholfen haben. Eine zentrale Rolle spielt das Geheimtreffen Hitlers mit den Industriebossen Deutschlands am 20. Februar 1933.

Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller und Filmemacher Éric Vuillard, geboren 1968 in Lyon, befasst sich in seinen Werken bevorzugt mit bedeutsamen Momenten der Weltgeschichte. Auf Deutsch sind von ihm "Traurigkeit der Erde", "Ballade vom Abendland" und "Kongo" im Verlag Matthes & Seitz Berlin erschienen.

In Frankreich erscheinen seine Werke im Verlag Actes Sud, der von Françoise Nyssen, der Kulturministerin Frankreichs unter Emmanuel Macron, geleitet wird. Macron, der sich mehrfach als Fan der letztjährigen Preisträgerin Leïla Slimani geoutet hatte (sie bekam den Prix Goncourt 2016 für "Dann schlaf auch du") hat Slimani soeben zur Botschafterin für französische Sprache ernannt.

Éric Vuillard zeigte sich überrascht und erfreut über die hohe Auszeichnung für sein Werk. Sein Buch war als einziges in der Auswahl schon im Frühjahr erschienen und nicht - wie in Frankreich üblich - nach den Sommerferien. Der Prix Goncourt, der mit symbolischen 10 Euro dotiert ist, kurbelt vor allem die Verkaufszahlen an. Er wird seit 1903 vergeben.

Literaturpreis Renaudot für Olivier Guez

Der Autor Olivier Guez erhielt ebenfalls einen Preis für sein Buch über die Nazizeit, den Prix Renaudot: Er befasst sich in seinem Roman "La disparition de Josef Mengele" (Das Verschwinden des Josef Mengele) mit dem Abtauchen des SS-Mediziners in Südamerika - zunächst in Argentinien, später in Paraguay und Brasilien.

Mengele hatte in Auschwitz Menschenversuche unter anderem an Zwillingen und Behinderten durchgeführt, um die angebliche Überlegenheit der "arischen Rasse" nachzuweisen. In seinem Buch überblendet Guez in nüchterner Sprache die historischen Ereignisse mit der Vorstellungswelt Mengeles. Eine zentrale Rolle spielt die Furcht des Arztes vor dem israelischen Geheimdienst Mossad und bundesdeutschen Ermittlern wie Generalstaatsanwalt Fritz Bauer.

bsc/dpa

Mehr zum Thema
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps


insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Edgard 07.11.2017
1. "L'ordre du jour"...
... wird auch mit "Tagesbefehl" übersetzt. Dies ergibt in diesem Zusammenhang mehr Sinn - so wurde es ebenfalls gestern im DLF bei der Besprechung der Buchpreise angeführt. Es ist schon positiv bemerkenswert daß sich die französische Literatur mit der deutschen Geschichte - die sich ja dann auch auf Frankreich ausgewirkt hat befasst.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.