Wichtigster französischer Literaturpreis Leïla Slimani mit Prix Goncourt ausgezeichnet

Er ist nur mit zehn Euro dotiert, aber sein Renommee ist groß: Die 35-jährige franko-marokkanische Autorin Leïla Slimani bekommt den Prix Goncourt, die wichtigste Literatur-Auszeichnung Frankreichs.

Preisträgerin Leïla Slimani
AFP

Preisträgerin Leïla Slimani


Der Prix Goncourt 2016 geht an Leïla Slimani. Die zehnköpfige Jury einigte sich bei ihrem traditionellen Mittagessen im Pariser Restaurant Drouant auf den zweiten Roman der 35-jährigen Autorin, "Chanson douce", - zu deutsch etwa: Wiegenlied - als bestes französischsprachiges Buch der Saison.

Slimani, die 1981 in Rabat geboren wurde und neben der französischen auch die marokkanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist erst die vierte weibliche Preisträgerin in den letzten 20 Jahren. Sie studierte in Paris Politik und Medien, versuchte sich als Schauspielerin und arbeitete als Journalistin für das Magazin "Jeune Afrique". Ihr Debütroman, "Dans le jardin de l'ogre", erschien 2014.

Ihr nun ausgezeichneter Roman "Chanson douce" beginnt mit dem Tod zweier Kinder. Er handelt von einem jungen Elternpaar, das sich nach langem Casting für eine Tagesmutter namens Louise entscheidet. Es entwickelt sich eine Art psychologischer Thriller um gegenseitige Abhängigkeit, der gesellschaftliche Fragen anschneidet: Wie denken wir heute Liebe und Bildung? Welche Rolle spielen Geld, Klasse, Kultur?

Der renommierteste Literaturpreis Frankreichs wird an ein Buch vergeben, das in französischer Sprache geschrieben und von einem frankophonen Verlag im laufenden Jahr veröffentlicht wurde. Er ist mit sage und schreibe 10 Euro dotiert - garantiert aber eine sprunghaft ansteigende Auflage.

Zu den Preisträgern der jüngeren Vergangenheit zählten Mathias Enard (2015 für "Kompass" ), Lydie Salvayre (2014 für "Weine nicht"), Pierre Lemaitre (2013 für"Wir sehen uns dort oben" ), Jérôme Ferrari (2012 für "Predigt auf den Untergang Roms" ), Michel Houellebecq (2010 für "Karte und Gebiet" ), Marie NDiaye (2009 für"Drei starke Frauen" ) und Jonathan Littell (2006 für "Die Wohlgesinnten" ).

Der Prix Goncourt wird seit 1903 vergeben. 1926 entschlossen sich auf die Entscheidung der Académie Goncourt wartende Journalisten, selbst einen Preis zu vergeben - den Prix Renaudot, der seither am selben Tag und im selben Restaurant wie der Goncourt vergeben wird. 2016 geht er an "Babylone", einen Roman der sonst besser für ihre Theaterstücke bekannten Autorin Yasmina Reza.

feb

Mehr zum Thema
Newsletter
Bücher: Bestseller und Lesetipps


zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.