Reaktionen zum Tode Rühmkorfs "Er konnte wirklich alles"

In Literatur- und Politikkreisen herrscht Trauer und Bestürzung über den Tod Peter Rühmkorfs. Bundespräsident Köhler, Kulturstaatsminister Neumann, SPD-Vorsitzender Beck und Schriftstellerkollegen drückten ihre Verehrung für den verstorbenen Lyriker aus.


Hamburg - Bundespräsident Horst Köhler stellte die Einzigartigkeit des verstorbenen Lyrikers Peter Rühmkorf heraus. Köhler erklärte in einem Kondolenzschreiben an die Witwe des Schriftstellers, Eva Rühmkorf: "Mit Peter Rühmkorf verliert die deutsche Literatur der Gegenwart einen ganz Großen. Seine Lyrik ist unverwechselbar."

Schriftsteller Rühmkorf: "Seine Lyrik ist unverwechselbar"
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Schriftsteller Rühmkorf: "Seine Lyrik ist unverwechselbar"

Rühmkorfs einzigartige Verbindung von Intelligenz und Humor, von Melancholie und Spielfreude, von privatesten Empfindungen und öffentlichen Anliegen habe die Leser immer wieder erstaunt und begeistert. "Seine hohe Kunst, sich buchstäblich auf alles einen Reim zu machen, bringt auch die Hoffnung zum Ausdruck, dass die Widersprüche des Lebens vielleicht doch versöhnbar sind", schrieb Köhler.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) äußerte sich bedauernd. Deutschland verliere "einen Schriftsteller von großer Lebensklugheit, einen Dichter von Rang und einen scharfzüngigen, politisch engagierten Chronisten". Rühmkorf habe mit seinem Werk "ein ebenso beeindruckendes wie schonungsloses Porträt unserer Zeit gezeichnet". Rühmkorfs Tod werde "eine große Lücke in der deutschen und internationalen Literaturlandschaft hinterlassen", betonte Neumann.

Auch der SPD-Vorsitzende Kurt Beck pries Rühmkorf als großen Schriftsteller und politisch engagierten Autor: "Seine Dichtung war von Idealen geprägt, doch an der Zeit und der Gesellschaft orientiert." Rühmkorf sei "ein sprachmächtiger Aufklärer" gewesen, sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident. "Eine Begegnung mit ihm bleibt in Erinnerung." Rühmkorfs Poesie habe stets polarisiert: "Er hatte Stil, Witz und Eigensinn."

Die Berliner Akademie der Künste trauert ebenfalls um ihr langjähriges Mitglied. "Mit Peter Rühmkorf haben die Akademie der Künste und ich selbst einen treuen und stets verlässlichen Freund verloren, der sich zeitlebens eingemischt hat, wenn er Unrecht witterte", sagte Akademie-Präsident Klaus Staeck. "Wie kein zweiter hat er Poesie und gesellschaftliches Engagement auf wunderbare Weise verbunden. Was er wollte, lässt sich in einer Zeile eines seiner Gedichte festhalten: 'Bleib erschütterbar'."

Auch aus der Literaturszene kamen Worte der Trauer und der Anerkennung für den Lyriker. Die Dichterin Ulla Hahn würdigte Rühmkorf mit den Worten: "Rühmkorf konnte wirklich alles. Er brauchte keine großen Themen, keine großen Worte, um große Gedichte zu schreiben." Hahn bezeichnete den verstorbenen Schriftsteller als großes Vorbild.

Der Sprecher der Hamburger Autorenvereinigung, Peter Schmidt, sagte, "die deutsche Literaturszene verliere nicht nur einen ihrer streitbarsten Köpfe, sondern auch einen der großen Lyriker der Nachkriegszeit, Hamburg einen seiner bedeutendsten Schriftsteller".

ibl/dpa/AP



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