Rezensionen "Zwei an einem Tag"

Zwanzigmal der 15. Juli - aus dieser strengen Konstruktion macht der Brite David Nicholls das Langzeitporträt einer Liebe.

Gregor Hohenberg

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Dass es in jedem Leben eines Menschen einen ganz besonderen Tag gibt, ist die Roman-Idee von David Nicholls, 42, und dieser ganz besondere Tag ist für Emma und Dexter der 15. Juli 1988: An diesem Tag haben sie ihre erste Nacht miteinander verbracht, angetrunken, euphorisiert von der Graduierungsfeier, und für ein paar Stunden spielt es keine Rolle, dass er der strahlend gut aussehende Sohn aus der Upperclass ist und sie die sehr politische Mittelschichtstochter, die auch toll aussehen könnte, wenn sie denn mehr Wert auf ihr Äußeres legen würde.

19 weitere 15. Julis schildert der Brite Nicholls in seinem dritten Roman "Zwei an einem Tag", er verfolgt die Leben der beiden Studienabsolventen und ihre Freundschaft, von der Emma sich erhofft, dass sie zur Beziehung wird, und die für Dexter die einzige Konstante in seinem Leben ist, was er aber leider nicht begreift. Denn zu beschäftigt ist er damit, als Moderator im Fernsehen Karriere zu machen, ausnehmend vorzeigbare Freundinnen zu haben und glamouröse Restaurants zu besuchen, als dass er sich mit einer Frau einlassen könnte, die ihr Leben mit dem Job in einem Tex-Mex-Restaurant verschwendet, weil niemand die Bücher drucken will, die sie schreibt.

Nicholls füllt die formal sehr statische Konstruktion seines Romans mit 20 Momentaufnahmen, "manche sind spektakulär, dramatisch, traurig, glücklich, andere scheinbar normal und durchschnittlich", sagt er. Dramatisch wie der Start von Dexters neuer Sendung, den er, völlig betrunken, versaut; durchschnittlich wie der Tag, an dem Emma, inzwischen Lehrerin, mal wieder unerfreulichen Sex mit dem verheirateten Schulleiter hat, von dem sie nicht weiß, was für ein Gesicht er unter seinem Vollbart versteckt.

Eigentlich ist Nicholls Spezialist für Komödien, denn er hat

mit "Keine weiteren Fragen" und "Ewig Zweiter" zwei wirklich sehr lustige Bücher über jene Menschen veröffentlicht, die zur Party des Lebens nicht eingeladen sind - oder denen es jedenfalls so vorkommt. Mit "Zwei an einem Tag" wollte er ein ernsthaftes Buch schreiben, "eine dunklere Geschichte", die Porträts von zwei Menschen zeichnet, die nach sich selbst suchen, aber leider an der falschen Stelle - und ein Buch, das nebenbei auch die Zeitstimmung einfängt, ohne sich plattfüßig mit der Aufzählung von Pop-Hits oder ähnlich simplen Referenzen zu behelfen. "Zwei an einem Tag" verbindet nachdenklich das Politische mit dem Privaten: wie zum Beispiel die Bedeutung der Klassenzugehörigkeit über die Jahre schwindet, wie Medienprominenz eine neue Upperclass definiert und dass Erwachsenwerden auch bedeutet, sich von klischeehaften Vorstellungen zu lösen, die man selbst von sich hat.

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