Trauerfeier für Roger Willemsen "Wie ein Lichtschein"

Hunderte Trauergäste haben Abschied von Roger Willemsen genommen. Der Autor und Intellektuelle wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.

Trauerfeier für Roger Willemsen: blühenden Ranunkeln am Fuß des Sarges
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Trauerfeier für Roger Willemsen: blühenden Ranunkeln am Fuß des Sarges


"Ich möchte die Menschen glücklicher verlassen, als ich sie angetroffen habe": Mit diesen Worten zitierte der Publizist Manfred Bissinger seinen verstorbenen Freund Roger Willemsen bei der Trauerfreier in Hamburg.

Zum emotionalen Abschied des Autors und Intellektuellen Willemsen, der am 7. Februar im Alter von 60 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben ist, waren mehrere Hundert Trauergäste auf den Ohlsdorfer Friedhof gekommen. Unter den Gästen waren Prominente wie die Grünen-Politkerin Claudia Roth, die Schauspieler Iris Berben, Katja Riemann und Matthias Brandt sowie Moderator Eckart von Hirschhausen.

Willemsens Lebensprinzip sei "die Liebe in der Wahrheit" gewesen, sagte Bissinger in seiner Trauerrede. In allen Ansprachen schienen die hohen analytischen Fähigkeiten des schier unermüdlichen Intellektuellen auf, aber auch seine große Empathie, seine Gabe zu zuverlässiger Freundschaft und Liebe sowie die stets den Horizont erweiternden Begegnungen mit ihm. Was seine Bereitschaft zu punktgenauer konstruktiver Kritik durchaus eingeschlossen habe.

Willemsen hatte Ansehen vor allem mit essayistischen Reisebüchern ("Die Enden der Welt") errungen. Zuletzt landete der Autor mit seinem Buch "Das Hohe Haus" (2014) über den Bundestag einen Bestseller. Im Fernsehen machte er sich vor allem in den Neunzigerjahren mit der ZDF-Talksendung "Willemsens Woche" einen Namen.

Willemsens Wirken in Afghanistan sei wie ein Lichtschein gewesen

Vor der Halle stand ein kleiner Tisch des Afghanischen Frauenvereins, drei Fotografien zeigten Willemsen bei seiner Arbeit in Afghanistan. In der Trauerannonce hatte die Familie um Spenden an den Verein gebeten.

Die Vorsitzende Nadia Nashir schilderte in ihrer Ansprache das leidenschaftliche Engagement Willemsens für den Bau von Brunnen und Krankenhäusern sowie für die Mädchenbildung. "Wie ein Lichtschein" sei sein Wirken für die Menschen in Afghanistan und für die Afghanen in Deutschland gewesen, erklärte Nashir.

Der Autor und Verleger Werner Köhler erinnerte an die letzten Monate des todkranken Willemsen, der sich bereits von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Der einstige Weltreisende habe da vom Leben auch Abschied genommen, indem er noch einmal ihm wichtige Stätten besuchte, berichtete Köhler. Dazu hätten Museen gehört, ein Zoo mit den von ihm geliebten Affen und eine Fahrt nach Norwegen, um an einem Fjord zu sitzen.

Stargeigerin Isabelle Faust spielte auf der eineinhalbstündigen Feier die Chaconne von Bach. Am Ende erklang vom Band Keith Jarretts Meditation "Blame It on My Youth". Und wer ging, durfte sich noch eine blühende Erinnerung an Willemsen vom Fuße des Sargs mit nach Hause nehmen: einen Topf mit Ranunkeln - Willemsens Lieblingsblumen.

sun/dpa



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