Roman "Habenichtse" Deutscher Buchpreis für Katharina Hacker

Sie hat sich gegen Schwergewichte wie Martin Walser und Ingo Schulze durchgesetzt: Die 39-jährige Schriftstellerin Katharina Hacker hat den Deutschen Buchpreis für Ihren Roman "Die Habenichtse" gewonnen. Die seit 2005 verliehene Auszeichnung ist mit 25.000 Euro dotiert.


Frankfurt am Main - Leicht hatte es Katharina Hacker nicht. Die siebenköpfige Jury - bestehend aus SPIEGEL-Redakteur Volker Hage, dem Buchhändler Stephan Samtleben, den Literaturkritikern Elmar Krekeler, Denis Scheck und Pia Reinacher, sowie dem Dramatiker John von Düffel und der Schriftstellerin Terézia Mora - wählte ihren Roman "Die Habenichtse" aus insgesamt 120 Büchern aus, die von den Verlagen ins Rennen um den Deutschen Buchpreis geschickt worden waren.

Autorin Hacker: "Flirrende Sprache"
DPA

Autorin Hacker: "Flirrende Sprache"

"'Die Habenichtse' erzählt die Geschichte von Haben und Sein neu", begründet die Jury ihre Entscheidung. Die Qualität des Romans bestehe darin, diese Fragen in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufrieden geben. In ihrem sechsten Roman erzählt Hacker die Geschichte eines Mittdreißiger-Pärchens, das sich am 11. September 2001 kennenlernt und scheinbar alles hat, was ein junges, erfolgreiches Paar auszeichnet. Trotzdem stehen die beiden letztlich doch mit leeren Händen da. Rat- und tatenlos sehen sie zu, wie ihre Welt aus den Fugen gerät.

In einer "flirrenden, atmosphärisch dichten Sprache" führe Hacker ihre Helden durch "Geschichtsräume und in Problemfelder der unmittelbarsten Gegenwart", so die Jury. Die Fragen der Autorin seien "unsere Fragen: Wie willst du leben? Was sind deine Werte? Wie sollst und wie kannst du handeln?" Die Qualität des Romans bestehe darin, diese Fragen "in Geschichten aufzulösen, die sich mit den plakativen Antworten von Politik und Medien nicht zufriedengeben".

Hacker wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren, wo sie auch aufwuchs. Sie studierte Philosophie, Geschichte sowie Judaistik in Freiburg und Jerusalem. Mehrere Jahre arbeitete Hacker in Israel. Seit 1996 lebt sie als Autorin in Berlin. Sie hat sich gegen weitere fünf Finalisten durchgesetzt, die unterschiedlicher nicht sein könnten - darunter auch ein ganz alter Hase des Literaturbetriebs, Martin Walser, der mit seiner "Angstblüte" ins Rennen um den Deutschen Buchpreis ging. Über fünfzig Jahre jünger ist dagegen Saša Stanišic, der mit seinem Debüt "Wie der Soldat das Grammophon repariert" um den Titel kämpfte.

Thomas Hettche versuchte mit "Woraus wir gemacht sind", einem Porträt eines Helden, der in der Fremde zu begreifen beginnt, was bleibt, wenn nichts mehr sicher ist, sein Glück. Auch Ilja Trojanow ging mit seinem "Der Weltensammler" leer aus, erhielt für denselben Kandidaten aber bereits den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Ingo Schulze gibt sich mit seinem Roman "Neue Leben" - einem Panorama der der Wende 1989/90 ebenfalls mit dem Trostpreis von 2500 Euro zufrieden.

Katharina Hacker erhält nun 25.000 Euro Preisgeld, das vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem SPIEGEL-Verlag, Florian und Gabriele Langenscheidt, der Stadt Frankfurt und der Frankfurter Buchmesse gestiftet und verliehen wird.

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 als Auszeichnung für den besten deutschsprachigen Roman vergeben und gilt als Pendant zum englischen Man Booker Prize und dem französischen Prix Goncourt. Ziel des Preises ist es laut Satzung, über die Ländergrenzen hinaus Aufmerksamkeit für deutschsprachige Autoren und das Leitmedium Buch zu schaffen. "Die Verleihung des Deutschen Buchpreises hat das Vertrauen in die Qualität der deutschen Gegenwartsliteratur wachsen lassen, die Erwartung nach Fortsetzung geweckt und den Hunger auf literarische Neuentdeckungen gesteigert", sagte Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Vorsitzender der Akademie Deutscher Buchpreis, heute im Frankfurter Römer bei der Verleihung der Preise.

Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz konnten sich mit bis zu zwei Romanen bewerben- auch wenn sie sich noch in der Produktion befinden. 47 deutsche, neun österreichische und zehn Schweizer Verlage hatten an der Ausschreibung teilgenommen. Die ersten zwanzig in der engeren Auswahl wurden Mitte August auf der "Longlist" bekannt gegeben.

Im vergangenen Jahr gewann der junge österreichische Autor Arno Geiger mit seinem Roman "Es geht uns gut".

fho/dpa/AP/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.