Romanserien-Relaunch Perry Rhodan startet in eine neue Zukunft

Neue Leser gefällig? Unter dem Titel "Perry Rhodan Neo" startet die weltweit älteste noch laufende Science-Fiction-Romanserie noch einmal komplett neu. Die Abenteuer des unsterblichen Astronauten Perry Rhodan werden modernisiert und wieder von vorne erzählt.

"Perry Rhodan"-Artwork: 2600 Hefte - und immer noch unsterblich
Pabel Moewig Verlag/ Johnny Bruck

"Perry Rhodan"-Artwork: 2600 Hefte - und immer noch unsterblich


Am 8. September 1961 erschien das allererste "Perry Rhodan"-Heft. Seither liegen die Abenteuer um den unsterblichen Titelhelden ununterbrochen am Kiosk, wöchentlich mit einer neuen Episode. Die Gesamtauflage beträgt längst mehr als eine Milliarde, jüngst kam das Heft Nr. 2600 heraus. Es ist die erfolgreichste und langlebigste Science-Fiction-Serie der Welt. Verfasst wird sie von einem deutschen Autorenteam.

Beinahe pünktlich zum 50. Geburtstag bekommt "Perry Rhodan" demnächst einen jüngeren Bruder - und der heißt "Perry Rhodan Neo". Unter diesem Titel soll ab dem 30 September der Anfang der Serie erneut erzählt werden. Es sind keine Nachdrucke: Sämtliche Hefte werden neu verfasst.

Der trotz Unsterblichkeit etwas in die Jahre gekommene Titelheld soll "in eine neue Zukunft" transportiert werden, wie die zuständige Redakteurin Elke Rohwer verspricht. Während in der Handlung der Originalserie Perry Rhodan im - damals noch in der Zukunft liegenden - Jahr 1971 zum Mond fliegt und dort als erster Mensch auf Aliens trifft, soll es diesmal das Jahr 2038 sein, in dem die schicksalsträchtige Begegnung auf dem Erdtrabanten stattfindet.

Nicht nur Zahlenkosmetik sei vorgesehen. Die Serie, so Rohwer, "interpretiert die klassischen Geschichten neu und führt zusätzliche Handlungsstränge ein".

Auch die alte Serie läuft weiter

Dabei soll "Perry Rhodan Neo" nicht die klassische Serie ersetzen, die weiterhin wöchentlich laufen soll, sondern parallel dazu erscheinen. Die neue Serie erscheint nicht im gewohnten Romanheft- , sondern im deutlich kleineren Taschenheft-Format, dafür mit mehr Seiten. Geschrieben soll sie von den gleichen Autoren werden, die auch die die Hauptserie verfassen.

Inhaltliche Überschneidungen zwischen beiden Titeln seien nicht geplant, "keine Vermischung, keine Übergriffe, keine Pararealitäten" verspricht "Rhodan"-Autor Marc A. Herren.

Die Unternehmung, die offensichtlich darauf abzielt, ein neues, jüngeres Publikum für eine Serie zu erobern, weist eine deutliche Ähnlichkeit zum Konzept der amerikanischen "Ultimate"-Comics auf. Unter diesem Titel startete Marvel Comics im Jahr 2000 eine Neuerzählung der "Spider-Man"-Serie. Der zumindest zeitweilig überaus erfolgreiche Titel, von dem inzwischen 160 Ausgaben erschienen sind, machte jüngst Schlagzeilen, weil der Titelheld aktuell durch einen Afro-Amerikaner ersetzt wurde.

Basierend auf dem Erfolg der "Ultimate Spider-Man"-Hefte existiert mittlerweile eine Vielzahl "Ultimate"-Titel. Auch die X-Men, die Fantastischen Vier, Thor, Captain America und viele andere wurden bereits im modernen Gewand erzählt. Dabei war keiner der klassischen Titel von den inhaltlichen Änderungen der neuen Serien betroffen.

Ob der rüstige Astronaut Rhodan diesen Erfolg wiederholen kann, bleibt abzuwarten. Die Fans der alten Serie zeigten sich nach Bekanntgabe des Neustarts skeptisch: "Warum aufgebackene Brötchen kaufen, wenn es frische gibt?", fragt einer im offiziellen Forum der Serie. "Wäre schon mal jemand auf die Idee gekommen, 'Herr der Ringe', oder den 'Wüstenplanet' neu zu schreiben?", ein anderer.

Der Bestseller-Autor und "Perry Rhodan"-Fan Andreas Eschbach zeigt sich in einem anderen Forum indes entspannt: "Ich hab' den ersten Band schon gelesen. Und es war wirklich wie damals."

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
novoma 05.08.2011
1. Gucky
Dann gibt es auch hoffenlich ein Wiederlesen mit Gucky, dem Mausbiber.. ;-)
yoog, 05.08.2011
2. .
Zitat von novomaDann gibt es auch hoffenlich ein Wiederlesen mit Gucky, dem Mausbiber.. ;-)
Wieso? gibts den in der Originalserie nicht mehr? Was ist denn da passiert - hab seit ein paar Jahren nicht mehr in die Serie "reingelesen"...
leseratte59 05.08.2011
3. Zaichma Perso
Zitat von yoogWieso? gibts den in der Originalserie nicht mehr? Was ist denn da passiert - hab seit ein paar Jahren nicht mehr in die Serie "reingelesen"...
Ich auch nicht, aber ich halt mich damit auf dem Laufenden: http://www.perrypedia.proc.org/wiki/Hauptseite
mgaul 05.08.2011
4. Wie soll das funktionieren?
An sich macht ein Reboot der Serie durchaus Sinn. Die ersten paar hundert Hefte sind, nach heutigen Maßstäben beurteilt, unglaublich altbacken. Was 1961 für viele Leser noch ein hochinteressantes, buntes Zukunfts-Setting war, stellt sich heutigen lesern als seltsame Parallel-Welt dar, die ihnen nicht mehr viele Anknüpfpunkte zur eigenen Realität bietet. Beispiel: In "Perry Rhodan" findet 1971 die erste Mondlandung statt. Perry Rhodan ist einer der Astronauten und findet auf dem Mond neue Technologien (z.B. "Positronen-Computer"), mit Hilfe derer er die Erde eint. Wichtige Helfer auf diesem Weg sind zahlreiche "Mutanten" - Menschen mit psionischen Fähigkeiten, oft hervorgerufen durch Mutationen, die durch die atomare Strahlung rund um Hiroshima nach dem 2. Weltkrieg ausgelöst wurden. In den 60er Jahren war das eine Geschichte, die neue und spannende Technologien zu einem epischen Ganzen verwob. Die Mondlandung hatte noch nicht stattgefunden (aber das Rennen war im Gange), Computer waren ein großes Mysterium, auch Hiroshima war in den Köpfen vieler Leser noch sehr lebendig. Bei heutigen neuen lesern erzeugen diese Geschichten eher ein Gefühl, das irgendwo zwischen Belustigung und Befremden anzusiedeln ist. Der Mond ist heute ein alter Hut, und die Leser dürften wissen, dass die ersten Astronauten Armstrong und Aldrin hießen statt Rhodan und Bull. Hiroshima ist für heutige junge Leser ein gewschichtliches Ereignis wie viele andere, es weckt keine großen Emotionen mehr, weil sie teilweise zwei Generationen später geboren wurden (und "Mutanten" sind bisher ja auch nicht aufgetaucht). Computer sind ein Alltagsgegenstand, und in vielen Elementen wirkt die Realität heute deutlich technisierter als Rhodans "Zukunft", die z.B. keine Handys, Laptops oder iPods kennt, vom Internet ganz zu schweigen. Grundsätzlich macht ein Reboot also Sinn bzw. ist sogar nötig, um neue Leser für die Serie zu interessieren. Das Problem hierbei ist, dass ein solcher Reboot, damit er funktioniert, sehr radikal sein müsste. Und wenn die Autoren sagen, dass es "keine Vermischung, keine Übergriffe, keine Pararealitäten" geben werde und dass die Geschichten "neu interpretiert und ergänzt" würden, dann ist fraglich, ob tatsächlich mit der nötigen Radikalität vorgegangen wurde. Diese Formulierungen klingen eher danach, als sei versucht worden, einen Kompromiss zwischen nostalgischen Alt-Lesern und potentiellen Neu-Lesern zu schließen - was aber unmöglich sein dürfte, dafür sind die jeweiligen Wünsche und Bedürfnisse zu verschieden. Es ist aber natürlich möglich, dass der Reboot mit der notwendigen Radikalität vollzogen wurde, dass aber das Marketing dies den Alt-Lesern noch ein wenig vorenthält, um sie nicht gleich zu Beginn abzuschrecken.
metaller16 05.08.2011
5. Atlan
Alles noch mal neu schreiben ? Wozu ? Um mehr junge LeserInnen zu gewinnen ? Das wird nicht funktionieren aus 2 Gründen: 1. Wird heute bei jungen Leuten nicht mehr soviel gelesen wie früher (wg PC Spiele, Internet etc.) 2. Waren die Stories meiner Ansicht nach perfekt. Ich denke nur an den Zyklus Atlan König von Atlantis hach war das schön. Hab mich unlängst dabei ertappt wie ich mehrere Hefe wiedergelesen hab :) Eine Fortsetzung der Atlan Reihe wäre geil bleibt aber wahrscheinlich Wunschdenken.
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