Causa Rowohlt Einstweilige Verfügung gegen Holtzbrinck-Buchverlage-Chef

Rowohlt-Geschäftsführer Joerg Pfuhl hatte sich nach der Kündigung der Verlegerin Barbara Laugwitz zu einer vermeintlichen Kontaktsperre geäußert. Einige Behauptungen darf er nun vorläufig nicht wiederholen.

Barbara Laugwitz
Thorsten Wulff

Barbara Laugwitz


Das Berliner Landgericht hat eine einstweilige Verfügung gegen Aussagen des Geschäftsführers der Holtzbrinck Buchverlage, zu denen auch Rowohlt gehört, Joerg Pfuhl, erlassen. Nach der Entlassung der verlegerischen Geschäftsführerin Barbara Laugwitz hatte er unter anderem im SPIEGEL behauptet, es habe von Seiten des Verlages keine Kontaktsperre zu Mitarbeitern und Autoren des Hauses gegeben.

Diese Aussagen darf Pfuhl unter Androhung eines Ordnungsgeldes von bis zu 250.000 Euro nicht wiederholen. Unter anderem geht es um Sätze, mit denen der SPIEGEL Pfuhl zitiert: "Dass Barbara Laugwitz sich zu den Vorgängen nicht äußern darf, scheint mir ein Missverständnis zu sein. Wir hatten eine Vertraulichkeitsvereinbarung, bis die Pressemitteilung herausging. Das ist ja nicht ungewöhnlich bei so einer Personalie. Aber am Tag der Verkündung ist das ausgelaufen."

In Mails an Autoren und Mitarbeiter von Rowohlt hatte Pfuhl geschrieben: "Die Tatsache, dass Frau Laugwitz zunächst nicht erreichbar war, basiert vermutlich auf einem Missverständnis." Auch diese Aussage darf Pfuhl nicht wiederholen.

Die Berliner Kanzlei, die Barbara Laugwitz vertritt, betont, ihre Mandantin habe sich an eine Sperre gehalten, die Pfuhl ausdrücklich in einer E-Mail verhängt habe. Nach dessen öffentlicher Behauptung, dabei habe es sich um ein Missverständnis gehandelt, sah sich Laugwitz dem Statement zufolge gezwungen zu handeln, um ihre Glaubwürdigkeit gegenüber den Autoren des Verlags wiederherzustellen.

Pfuhl hatte Ende August bekannt gegeben, dass Florian Illies zum neuen Jahr Rowohlt-Verleger werden soll. Ilies sei "ein seltener Glücksfall für Rowohlt", sagte er in einer Pressemitteilung. Für dessen Vorgängerin Laugwitz, die seit 2014 im Amt war, fand Pfuhl nur dürre Worte: Sie habe "in einem schwierigen Markt immer wieder große Erfolge bei Rowohlt verwirklicht. Ich bin für ihr unermüdliches Engagement sehr dankbar."

Joerg Pfuhl hat gegen die Entscheidung des Landgerichts Berlin Widerspruch, eingelegt, sie ist damit nicht rechtskräftig. In einer Pressemitteilung heißt es dazu: "Die ehemalige Verlegerin des Rowohlt-Verlags und der Verlag interpretieren die vertraglich bestehende Verschwiegenheitsverpflichtung und eine im Zuge der Entlassung ausgesprochene Kontaktregelung unterschiedlich. Die Unternehmensleitung hat bereits vor Wochen gegenüber Frau Laugwitz deutlich gemacht, dass diese Regelung in keiner Weise als generelles Kontaktverbot mit den Autoren des Verlags gedacht war."

Anmerkung der Redaktion: Wir haben den Artikel um den Widerspruch von Joerg Pfuhl ergänzt.

kae



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