Populäre Büchner-Preisträgerin: Dichterin Sarah Kirsch ist tot

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Sarah Kirsch (2006): "Drostes jüngere Schwester"

Sie gehörte zu den bekanntesten Lyrikerinnen deutscher Sprache, Marcel Reich-Ranicki pries die erotische Note ihrer Werke. Mit Naturgedichten erreichte Sarah Kirsch ein großes Publikum. 1977 verließ sie die DDR. Nun ist die Dichterin im Alter von 78 Jahren gestorben.

Hamburg - Abschied von einer populären Dichterin: Wie ihr Verlag, die Deutsche Verlags-Anstalt, am Mittwoch bekanntgab, ist die Lyrikerin Sarah Kirsch bereits am 5. Mai 2013 im Alter von 78 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit in Heide (Holstein) gestorben.

Sarah Kirsch, 1935 in Limlingerode im Harz geboren, studierte Biologie und Literatur und lebte bis zu ihrer Ausbürgerung 1977 im Osten Berlins. Im November 1976 hatte Kirsch zu den Mitunterzeichnern des Protestbriefs gegen die Ausbürgerung des Schriftstellers und Liedermachers Wolf Biermann gehört, was 1977 ihren Ausschluss aus der SED und aus dem Vorstand des DDR-Schriftstellerverbands zur Folge hatte. Sie siedelte 1977 zunächst in den Westen der Stadt über und lebte danach bis zu ihrem Tod als freie Schriftstellerin und Malerin in Schleswig-Holstein.

Für ihr dichterisches Werk wurde Kirsch mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter 1996 mit dem angesehenen Georg-Büchner-Preis - damals war sie erst die vierte Frau überhaupt, die mit der 1951 neu gestifteten Ehrung ausgezeichnet wurde.

"Erotisches Verhältnis zu Heimat und zur Natur"

Marcel Reich-Ranicki pries sie als "Drostes jüngere Schwester" und schrieb in der "FAZ": "Erotisch ist nicht nur ihr Verhältnis zu den Menschen, sondern auch zur Heimat und zur Natur, zum Geist und zur Literatur, ja sogar zur Politik."

Ihre ersten Gedichte veröffentlichte Kirsch mit dem Schriftsteller Rainer Kirsch, mit dem sie von 1960 bis 1968 verheiratet war. "Landaufenthalt" war 1967 die erste allein veröffentlichte Sammlung von Kirsch - die schon hier nach Kritikermeinung zu ihrem Thema gefunden hatte: dem ebenso gefährdeten wie ersehnten Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.

1973 erschien Kirschs erstes Hauptwerk: "Zaubersprüche". Der Schriftsteller Adolf Endler würdigte es als "den in sexueller oder erotischer Hinsicht freiesten Gedichtband aus der ganzen uns bekannten (und relevanten) deutschsprachigen Frauenlyrik".

Hohe Auflagen erreichten ihre "Wintergedichte" und der Auswahlband "Katzenkopfpflaster" (beide 1978) oder die Prosagedichte "La Pagerie" (1980). Die Literaturkritik ordnete Kirsch jenen Autoren zu, die auf die ästhetischen Defizite der im Zeichen der "neuen Subjektivität" entstandenen Alltagslyrik der siebziger Jahre mit einer eigenen Formensprache reagierten. Als typisch für den herben, mitunter sperrigen Schreibstil von Kirsch galt die Kopplung eines saloppen (zum Teil mundartlich eingefärbten) Tones mit "Stolpersteinen" aus absichtsvoll antiquierten Wörtern und Schreibweisen.

Über Kirschs Rang schrieb die "Neue Zürcher Zeitung" anlässlich von deren 70. Geburtstag: "Sie gilt als die große Lyrikerin unserer Zeit." Die womöglich noch größere Prosaistin bleibe angesichts des Prosabandes "Kommt der Schnee im Sturm geflogen" noch zu entdecken. Die "Frankfurter Rundschau" urteilte: "Die Natur ist bei Sarah Kirsch vor allem Folie. Dahinter liegen Phantasie und die Emotion."

Seit 2007 veröffentlichte Kirsch die Tagebuchbände "Regenkatze", "Krähengeschwätz" und "Märzveilchen".

sha

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