Satirisches Kinderbuch Der Whippet macht Kasse

Wenn für den Nachwuchs ein Tier angeschafft werden soll, fällt die Wahl manchmal auf einen Hund. Das Bilderbuch "Papa, ich will einen Hund!" des Satirikerduos Ernst Kahl und Eva Muggenthaler gibt Entscheidungshilfen in Reimform.

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Irgendwann kommt die Bitte immer: Ich möchte einen Hamster, ein Meerschweinchen, ein Kaninchen, eine Katze, einen Hund haben! Eltern, die diesem Kinderwunsch nicht gleich entsprechen, müssen sich auf Wochen der Quengelei einlassen. Oft endet es damit, dass dann doch ein Tier angeschafft wird, und man sich die Nerverei eigentlich hätte sparen können.

Hundebuch: Kompetente Entscheidungshilfen

Hundebuch: Kompetente Entscheidungshilfen

Falls nun also der Beschluss gefasst ist, einen Hund in die Familie aufzunehmen, so muss anschließend die zweitwichtigste Entscheidung getroffen werden: Was für einen? Einen vom Schicksal gebeutelten Mischling, der abgeschoben im Tierheim sitzt und auf bessere Zeiten hofft? Oder doch einen jungen Reinrassigen mit Abstammungsurkunde, der vielleicht mal einen Schönheitspreis gewinnt? Und wie kann man sich sicher sein, welchen Charakter so ein Tier hat?

Wer den Rassehund bevorzugt, der findet jetzt im Kinderbuch "Papa, ich will einen Hund!" kompetente Entscheidungshilfen des Vielseitigkeitssatirikers Ernst Kahl und der Zeichnerin Eva Muggenthaler. Die beiden haben eine auch für Kinder gut verständliche Typologie der Hunderassen verfasst, einen Ratgeber in Form von Reimen und Zeichnungen. Die Charaktere der Hunde werden darin trefflich (wenn auch nicht immer ganz zutreffend) beschrieben: "Die Dogge große Sprünge wagt. Der Spitz macht Sitz, wenn man es sagt."

Zwar ist manche Information nur für den absoluten Hundelaien noch neu ("Aus Bern kommt der Berner Sennenhund."), andere Reime eröffnen aber interessante Perspektiven, was man mit Hunden, gerade in Zeiten der Finanzkrise, Sinnvolles anfangen kann ("Bei Rennen macht der Whippet Kasse."). Die kunstvoll krakeligen Zeichnungen sind, nun gut, nicht naturalistisch, aber sie sollen ja vor allem Charakter und Verhalten kindgerecht illustrieren. Auch auf echte Spezialitäten nicht so populärer Rassen, die noch nicht Teil des Allgemeinwissens sind, gehen die Autoren ein, zum Beispiel, wenn ein kleiner Hund den Postboten mit einem Luftstoß aus dem Darm aus den Latschen kippen lässt ("Der Shi Ba Inu pubst und macht die Augen zu."). Manche Hunderasse wird vom Autoren-Duo rehabilitiert, über den als Kampfhund eingestuften und deshalb trotz Maulkorbs oft ängstlich von der anderen Straßenseite betrachteten Staffordshire Bullterrier ist zu lesen, er kämpfe "verbissen, aber fair".

Das Bilderbuch "Papa, ich will einen Hund!" liefert zudem einen kleinen Einblick in Zierfischarten und ist somit ebenfalls lohnenswerte Lektüre für alle, die ihren Kindern am Ende doch ein Meerschweinchen schenken. Kahl und Muggenthaler selbst sind am Ende des Buches mit ihrem schwarzen Pudel abgebildet. Sie haben ihre Erfahrungen mit dieser Rasse auch in ihr fröhliches Gemeinschaftswerk eingearbeitet: Der Pudel pinkelt respektlos gegen ein Reiterdenkmal.

Pudel sollen ja zu den intelligentesten Hunden zählen.


Kinderbuch Ernst Kahl (Verse), Eva Muggenthaler (Bilder): "Papa, ich will einen HUND!". Verlag Kein & Aber, Zürich; 48 Seiten; 16,90 Euro.



insgesamt 2 Beiträge
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Moonshine42 27.10.2008
1. Kompetent?
Ich hoffe, dass auch der SPON-Artikel satirisch gemeint ist, vor allem die Behauptung,das Buch biete "kompetente Entscheidungshilfen". Jedenfalls kann ich bei den gewählten Beispielen von "Rassebeschreibungen" keinerlei Kompetenz erkennen.
Kinderreimer 27.10.2008
2. Kinderreime über Hunde
So neu ist die Idee lustiger Kinderreime mit Hunden und Tieren auch nicht. Wenn man bei Google z.B. "Reim Schäferhund" eingibt, findet man ein schönes Beispiel für einen entsprechenden Kinderreim - gar nicht satirisch, sondern kindgerecht.
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