Schöpfer von "St. Trinian's" Karikaturist Ronald Searle gestorben

Mit schwarzem Humor zeichnete er die Schülerinnen des fiktiven Mädcheninternats St. Trinian's, erfreute seine Leser mit Katzencartoons, porträtierte aber auch Adolf Eichmann vor Gericht: Der Karikaturist und Autor Ronald Searle ist in Südfrankreich gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

Serienende mit Knalleffekt: Ronald Searle 1956, nach Abschluss der "St.-Trinian's"-Reihe
Corbis

Serienende mit Knalleffekt: Ronald Searle 1956, nach Abschluss der "St.-Trinian's"-Reihe


Draguignan/Hamburg - In Hannover lagert ein großer Teil seines Lebenswerkes: Ronald Searle hatte es noch zu Lebzeiten dem Wilhelm-Busch-Museum in der niedersächsischen Landeshauptstadt vermacht, weil er einerseits zufrieden war mit dem Umgang einer Sammlung, die er dem Museum früher schon verkauft hatte. Andererseits aber auch, weil er unglücklich darüber war, wie er in seiner britischen Heimat auf ein einziges seiner Werke reduziert wurde: Auch jetzt, da Ronald Searle mit 91 Jahren gestorben ist, bezeichnen ihn die britischen Medien als den "Schöpfer von St. Trinian's".

Schon 1941 hatte Searle erstmals Szenen aus dem fiktiven Mädcheninternat St. Trinian's gezeichnet; nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die boshaften Schulmädchen und ihre sadistischen Lehrerinnen in England "ebenso bekannt wie Max und Moritz in Deutschland", wie der SPIEGEL 1952 schrieb. Die kleinen, hässlichen Mädchen mit den insektenhaft dünnen Beinen bringen sich gegenseitig um, quälen einander, trinken, rauchen - und eine Moral von der Geschichte gibt es nicht. 1953 schloss er das Internat - er ließ es durch eine Atomexplosion im Physiksaal in die Luft fliegen. Die Geschichten aus St. Trinian's wurden mehrmals verfilmt, unter anderem 2007 mit dem späteren Oscar-Preisträger Colin Firth und Rupert Everett in Hauptrollen.

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Zeichner Ronald Searle: Böse Mädchen und Kriegsverbrecher
Im deutschsprachigen Raum wurde Searle dank eines jungen Verlegers bekannt, der einen Verlag gründete, um Searles bissige Karikaturen zu veröffentlichen: Der Schweizer Daniel Keel startete den Diogenes-Verlag mit einem Band von Searles Zeichnungen. Und Friedrich Dürrenmatt nannte Searle einen "Jonathan Swift an der Feder". Zahlreiche weitere Bücher mit seinen Zeichnungen erschienen auch hierzulande, darunter das "Große Katzenbuch" oder die "Illustrierte Weinsprache". Die "FAZ" bezeichnete Searle als einen Zeichner, "der in seiner Themen- und Stilvielfalt mit Picasso vergleichbar ist - und genau wie dieser doch in jedem Bild erkennbar".

Der stolze Linkshänder Searle arbeitete unter anderem für "Punch", "Life" und den "New Yorker"; noch als 75-Jähriger unterschrieb er einen Vertrag als politischer Karikaturist für die französische Zeitung "Le Monde", der er bis 2008 bittere gezeichnete Kommentare zum Weltgeschehen schickte. In früheren Jahren hatte er auch oft auf Reisen gearbeitet, so begleitete er auch 1961 den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann in Jerusalem.

Selbst hatte Ronald Searle im Zweiten Weltkrieg traumatische Erfahrungen gemacht. Als junger Soldat sollte er das damals britische Singapur verteidigen, wurde aber von den Japanern gefangengenommen. Als Zwangsarbeiter musste er an der Siam-Burma-Bahn mitbauen, unter anderem auch die berüchtigte "Brücke am Kwai". Seine Erlebnisse verarbeitete er mit Zeichnungen, die er unter abenteuerlichen Umständen verstecken und retten konnte - er schenkte sie später dem Imperial War Museum in London.

1961 hatte der in Cambridge geborene Searle Großbritannien schon verlassen, er lebte fortan in Paris und schließlich in einem kleinen Dorf in der südfranzösischen Provence. Dort, im Krankenhaus von Draguignan, starb Ronald Searle am 30. Dezember, "friedlich im Schlaf, nach einer kurzen Krankheit", wie seine Familie am Dienstag mitteilte.

feb/Reuters/dpa

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Seite 1
throatwobblermangrove 04.01.2012
1. ...
Zitat von sysopMit schwarzem Humor zeichnete er die Schülerinnen des fiktiven Mädcheninternats St. Trinian's, erfreute seine Leser mit Katzencartoons, porträtierte aber auch Adolf Eichmann vor Gericht: Der Karikaturist und Autor Ronald Searle ist in Südfrankreich gestorben. Er wurde 91 Jahre alt. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,806940,00.html
Ronald Searle - britischer schwarzer Humor at its best. RIP.
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