Autor von "Der Liebeswunsch" Dieter Wellershoff ist tot

Er lebte für die Literatur: Dieter Wellershoff war zunächst Lektor, bevor er selbst zu einem der bekanntesten Schriftsteller Deutschlands wurde. Jetzt ist er mit 92 Jahren gestorben.

Dieter Wellershoff
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Dieter Wellershoff


Dieter Wellershoff war über mehr als 50 Jahre einer der produktivsten und schließlich auch bekanntesten Autoren Deutschlands. In Romanen wie "Einladung an Alle" und "Der Liebeswunsch" untersuchte er, wie der Mensch tickt, wie er psychologisch mit seinem Geworfensein in die Welt umgeht. Am Freitag starb Dieter Wellershoff mit 92 Jahren. Das teilte sein Verlag Kiepenheuer & Witsch mit.

Wellershoff wurde am 3. November 1925 geboren und wuchs in Grevenbroich am Niederrhein auf. 1943 meldete er sich freiwillig zum Kriegseinsatz und wurde ein Jahr später verwundet. Nach Kriegsende holte er das Abitur nach, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie und wurde Lektor bei dem Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln.

Dort betreute Wellershoff unter anderem Heinrich Böll. Ab Mitte der Sechzigerjahre begann Wellershoff, selbst zu schreiben: Mit seinem Debüt "Ein schöner Tag" etablierte er 1966 die "Kölner Schule des Neuen Realismus". Er wollte mit seinem eigenen Schreiben theoretische Überlegungen umsetzen, die stärker als in der deutschen Literatur der Zeit üblich den Menschen in seinem Alltag in den Fokus setzten.

Autor und Literaturtheoretiker

Berühmt wurde Wellershoff 1972 mit dem Roman "Einladung an Alle", die Schilderung einer Verbrecherjagd, eine Collage aus verschiedenen Textsorten, die sowohl dokumentarisch als auch psychologisch arbeitete und zugleich mit Genreelementen spielte.

Parallel zu seinem wachsenden literarischen Werk blieb Wellershoff in einem umfassenden Sinn an Literatur interessiert. Lange arbeitete er als Lektor weiter, daneben veröffentlichte er auch wissenschaftliche Studien. 2001 legte er etwa die Erörterung "Der verstörte Eros" vor, eine Literaturgeschichte des Begehrens von Goethe bis Houellebecq. Sein Werk "Der Roman und die Erfahrbarkeit der Welt" gilt als Standardwerk der Literaturtheorie.

Später Bestselller

Neben seiner liebsten literarischen Form, dem Roman, schrieb Dieter Wellershoff auch Hörspiele, Hörbücher, Bühnenstücke und Lyrik. Besonderen Widerhall fanden seine autobiografischen Arbeiten. In "Der Ernstfall. Innenansichten des Krieges" schrieb er 1995 über seine Erfahrungen als Soldat, ein Thema, das er 2010 in dem Hörbuch "Schau dir das an, das ist der Krieg" noch einmal aufgriff.

Zum Bestseller wurde im Jahr 2000 Wellershoffs Roman "Der Liebeswunsch" über das Beziehungsgeflecht zweier bürgerlicher Paare. Der Roman wurde 2007 mit Jessica Schwarz und Tobias Moretti verfilmt.

Dieter Wellershoff hinterlässt seine Frau Maria und drei Kinder. Seine Tochter Irene Wellershoff ist Redaktionsleiterin beim ZDF-Kinderprogramm, Marianne Wellershoff SPIEGEL-Autorin.

kae



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