"Dandy des Westens" Schriftsteller Rudolf Lorenzen gestorben

Einladungen zur Gruppe 47 hat er abgelehnt: Rudolf Lorenzen war ein Einzelgänger deutschsprachiger Literatur. Seine Romane wurden ebenso oft wiederentdeckt wie wieder vergessen. Im Alter von 91 Jahren ist Lorenzen nun gestorben.

Rudolf Lorenzen: Vorbild für Walter Kempowski und Jörg Fauser
Alexander Janetzko

Rudolf Lorenzen: Vorbild für Walter Kempowski und Jörg Fauser


Berlin - "Alles andere als ein Held" sei vielleicht der beste Roman eines lebenden deutschsprachigen Autors, schrieb Sebastian Haffner 1962 über Rudolf Lorenzens Debütroman. Allerdings war das Buch 1959 neben hochkarätiger Konkurrenz wie Günter Grass' "Blechtrommel" oder Uwe Johnsons "Mutmaßungen über Jakob" untergegangen und, als Haffners Eloge erschien, bereits nicht mehr erhältlich.

Mehrfach wurde "Alles andere als ein Held" in der Folge wieder aufgelegt, der autobiografische Roman über einen Deutschen, der sich durch das Jahrhundert schlägt, durch Hitlerjugend, Tanzstunde, Krieg. Doch der große Durchbruch blieb Lorenzen verwehrt - obwohl er von der Kritik immer wieder von neuem wiederentdeckt wurde.

Geboren wurde Rudolf Lorenzen 1922 in Lübeck. Nach einer Ausbildung zum Schiffsmakler wurde er eingezogen und kam 1944 bei Minsk in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Versehrt von der Zwangsarbeit in einem kasachischen Kohlebergwerk kehrte er im Dezember 1945 nach Bremen zurück, wo er 1949 ein Studium an der Kunsthochschule aufnahm. In Hamburg absolvierte er die Werbefachschule, in diesem Beruf arbeitete er auch, als er 1955 nach West-Berlin kam. Er wurde zum "Chronisten der Berliner Inseljahre" ("Der Tagesspiegel"), arbeitete für die Lokalpresse, Funk und Fernsehen.

In seinem zweiten Roman, dem satirischen "Die Beutelschneider" schrieb Lorenzen 1962: "Es gibt für den Schriftsteller heutzutage drei Probleme: Erstens: Wie kommt er zu Ruhm? Zweitens: Wie kommt er zu Geld? Drittens: Wie tarnt er seine Absichten, zu Ruhm und zu Geld zu kommen? Er erfand zur Lösung des Problems auch die literarische Verbindung." Eine Einladung der Gruppe 47 hatte er 1960 nicht wahrgenommen, er bezeichnete sich selbst als Einzelgänger.

Walter Kempowski und Jörg Fauser bezeichneten Rudolf Lorenzen als Vorbild, doch auch "Die Beutelschneider" wurde kein großer Verkaufserfolg, das Buch wurde 2007 wiederaufgelegt in einer Werkschau, die der Berliner Verbrecher Verlag für den Autor besorgt. Darin erschien unter anderem der Roman "Ohne Liebe geht es auch", aber auch Sammlungen kürzerer Werke.

Am Mittwoch ist der "Dandy des Westens" (so der "Tagesspiegel") in seiner West-Berliner Wohnung gestorben. Er wurde 91 Jahre alt.

feb

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
mikerol 28.11.2013
1. Vermisse dehn Uwe Johnson
Schade, dass der sich so frueh zu Tode gesoffen hat!
tick.tack 15.12.2013
2. Bravo!
Ich gratuliere dieser Zeitung, weil sie einen Abschnitt, der Kultur gewidmet hat. Diese Sache ist nicht gültig für die anderen Onlinezeitungen, die ich regelmäßig besuche. Herzlichen Glückwunsch!
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