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Streit um "Schwarzbuch WWF": Umweltorganisation und Kritiker vor Einigung

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Film- und Buchautor Huismann: Außergerichtliche Einigung mit dem WWF Zur Großansicht
DPA / Roderick Aichinger

Film- und Buchautor Huismann: Außergerichtliche Einigung mit dem WWF

Der World Wide Fund for Nature (WWF) und sein wohl schärfster Kritiker stehen vor einer außergerichtlichen Einigung. Das "Schwarzbuch WWF" wird überarbeitet. Richtig grün sind sich Autor und Umweltschützer deswegen aber noch lange nicht.

Berlin - Die Frage ist delikat, die Antwort nicht einfach: Wie viel Industrienähe verträgt der Umweltschutz? Das "Schwarzbuch WWF" des Filmemachers Wilfried Huismann geht hart mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) ins Gericht: Durch Kuschelei mit den Konzernen verrate die Organisation ihre eigenen Ziele. Schon die Unterzeile des im Gütersloher Verlagshaus (Verlagsgruppe Random House) erschienenen Buches beklagt "Dunkle Geschäfte im Namen des Panda".

Die auf die Veröffentlichung folgende Diskussion bewegte nicht nur die mehr als 400.000 regelmäßigen Spender der Organisation in Deutschland, sondern das Land: Aktuell steht das Buch auf Platz 18 der SPIEGEL-Bestseller-Liste für Sachbücher. Dabei hatte der WWF nach der Veröffentlichung im April mit aller Macht versucht, gegen Huismanns Werk vorzugehen - unter Verweis auf "falsche Tatsachenbehauptungen". Nun stehen Verlag und Umweltschützer vor einer außergerichtlichen Einigung.

In der Neuauflage des Buches sollen nach Angaben des WWF mehr als 20 Stellen überarbeitet werden. Außerdem würden einige Passagen ersatzlos gestrichen. Dabei werde in Zukunft klargestellt, dass man keine Kooperation mit dem Palmölproduzenten Wilmar pflege und von diesem auch kein Geld bekomme, so die Organisation. Auch mit der Gentechnikfirma Monsanto arbeite man nicht zusammen.

Der WWF hatte die Nachricht von der bevorstehenden Einigung bereits vergangene Woche an ausgewählte Medien geschickt - versehen mit einer sogenannten Sperrfrist. Das heißt, dass erst nach einer Freigabe darüber hätte berichtet werden dürfen. Beim Gütersloher Verlagshaus sorgte das Vorgehen trotzdem für Verstimmung.

Die Gespräche lagen anschließend erst einmal auf Eis. Nun scheint der Erfolg wieder nahe zu sein: "Gegenwärtig läuft die Abstimmung über die letzten Formalien des zu schließenden Vergleichs", heißt es aus dem Verlag. Zur Zahl der zu ändernden Passagen will man sich nicht äußern. Man werde "einige Details modifizieren", sagt Verlagssprecherin Renate Hofmann: "Die Grundaussage des Buchs bleibt erhalten."

"Auch die Neuauflage wird sicher keine differenzierte Auseinandersetzung mit der Arbeit des WWF liefern", hatte bereits in der vergangenen Marco Vollmar aus der Geschäftsleitung des WWF Deutschland erklärt. Huismann zeichne "ein Zerrbild aus falschen Aussagen, Diffamierungen und Übertreibungen, aber das werden wir als Meinungsäußerungen hinnehmen."

Streit auch um Dokumentarfilm

Wegen solcher Äußerungen im Vorfeld der geplanten Einigung war der Verlag vergangene Woche ungehalten. Jetzt äußert man sich in Gütersloh dagegen "zuversichtlich", bis zu einem für den 17. August angesetzten Gerichtstermin "alle noch offenen Fragen" mit dem WWF zu klären.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Huismann mit einem Dokumentarfilm unter dem Titel "Pakt mit dem Panda - was uns der WWF verschweigt" gegen die Organisation Front gemacht. Darin beklagte er vor allem die Nähe zur Agrarindustrie. Problematisch sei unter anderem, dass der WWF zusammen mit großen Agrarkonzernen wie Monsanto an sogenannten Runden Tischen für Soja- (RTRS) und Palmölproduzenten (RSPO) sitzt. Auch der SPIEGEL hatte kritisch über die Soja- und Palmöl-Politik des WWF berichtet.

Die Organisation sieht sich dagegen als "kritischer Beobachter", der nur "nur unter engen Voraussetzungen" mit der Industrie zusammenarbeite. Gegen den Film hatte der WWF im April 2012 beim Landgericht Köln drei einstweilige Verfügungen gegen den WDR und den SWR erwirkt, bei denen es um insgesamt elf im Film angesprochene Punkte ging.

In Huismanns Buch werden neben den Industriepartnerschaften unter anderem auch der Umgang mit dem exklusiven Unterstützerkreis "Club der 1001" und der Umgang mit Kritik aus den eigenen Reihen thematisiert. Die Organisation beklagte auch hier falsche Darstellungen. Der Berliner Medienanwalt Christian Schertz forderte Buchhändler mit einem Schreiben deswegen auf, das Buch vorerst nicht zu verkaufen.

"Rechtlich zweifelhafte Einschüchterungsversuche"

Tatsächlich war das "Schwarzbuch" längere Zeit über Anbieter wie Amazon oder Thalia nicht zu beziehen - aus Angst vor Rechtsstreitigkeiten. "Selten wurde der Buchhandel nach der Veröffentlichung derart flächendeckend eingeschüchtert und vom Vertrieb des Buchs abgeschreckt", beklagte Random-House-Jusitiar Rainer Dresen. Auch die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) kritisierte in einer Erklärung die "rechtlich zweifelhaften Einschüchterungsversuche" der Umweltschützer und den "vorauseilenden Gehorsam" der Händler.

Inzwischen ist das Buch wieder zu haben. Ein Verbot sei auch nie das Ziel der Organisation gewesen, behauptet WWF-Mann Vollmar. "Falsche Tatsachenbehauptungen allerdings gehen vor allem auf Kosten von denen, die es zu schützen gilt: die bedrohte Natur und ihre Tierarten."

Der juristische Streit landete wieder beim Landgericht Köln. Dort tat man sich allerdings etwas schwer mit der komplexen Materie. Ein etwaiges Urteil wäre eines der längsten, das je in dieser Verfahrensart zu schreiben wäre, zitierte der Verlag aus der Verhandlung. Daher regten die Richter die außergerichtliche Einigung an, zu der es nun gekommen ist.

Huismanns Verkaufszahlen dürfte der Rechtsstreit geholfen haben. Dem WWF offenbar auch. Im Vergleich zum Vorjahr habe man die Zahl der Förderer erneut steigern können, berichten die Umweltschützer.

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Überzeugt
de vriend 20.07.2012
Mich hat der Film überzeugt, dass der WWF nicht ernstzunehmen ist. Und noch weniger ernstzunehmen ist der Slogan Mit 5 Euro rettest du seine Welt. Weder ist mein Gewissen mit den 5 Euro Ablass beruhigt, noch wird mit 5 Euro ein Tier gerettet
2. Lügner überführt
Ghost24 20.07.2012
Ich bin ein kritischer Mensch und bilde mir immer mein eigenes Urteil. Deshalb habe ich auch nach 10 Minuten Hintergrundrecherche gewusst, dass Herr Huismann nichts anderes ist als ein Lügner. Das er jetzt ganze Passagen seines Buches streichen muss ist der eindeutige Beweis. Der Rest fällt unter Pressefreiheit und der Klügere gibt ja bekanntlich nach, so dass der WWF ruhig erlauben kann, dass dieses Pamphlet auch weiter offen zugänglich ist. Wer sich hier eindeutig diskreditiert hat und jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat muss man nicht extra erwähnen.
3. Ghost 24 überführt
syssojew 20.07.2012
Der Autor Wilfried Huismann ist ein sehr aufrichtiger, tüchtiger Journalist, der es keineswegs nötig hat vor der WWF Clique einzuknicken.
4. gestrichen
schon,aber 20.07.2012
Zitat von Ghost24Ich bin ein kritischer Mensch und bilde mir immer mein eigenes Urteil. Deshalb habe ich auch nach 10 Minuten Hintergrundrecherche gewusst, dass Herr Huismann nichts anderes ist als ein Lügner. Das er jetzt ganze Passagen seines Buches streichen muss ist der eindeutige Beweis. Der Rest fällt unter Pressefreiheit und der Klügere gibt ja bekanntlich nach, so dass der WWF ruhig erlauben kann, dass dieses Pamphlet auch weiter offen zugänglich ist. Wer sich hier eindeutig diskreditiert hat und jegliche Glaubwürdigkeit verloren hat muss man nicht extra erwähnen.
Nach 10 Minuten – Weltrekord! DAS war für mich der entscheidende Fakt, den WWF von meiner Spendenliste zu streichen.
5. Die Machenschaften des WWF...
CitizenTM 20.07.2012
... und seiner scheinheiligen Profitmethoden sind nicht erst seit dem Schwarzbuch bekannt. Herr GHOST24 arbeitet wohl für die Werbeagentur des WWF - die übrigens ebensolche miesen Charakteren sind.
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