Schwedische Medien Akademie erwägt, auf Vergabe des Literaturnobelpreises zu verzichten

Nur sieben Mal wurde der Literaturnobelpreis bisher nicht vergeben, zuletzt zwischen 1940 und 1943. Nun könnte die Vergabe 2018 wegen des Belästigungs- und Korruptionsskandals im Gremium um ein Jahr verschoben werden.

Mitglieder der Schwedischen Akademie bei ihrem jährlichen öffentlichen Abendessen (Archiv)
REUTERS

Mitglieder der Schwedischen Akademie bei ihrem jährlichen öffentlichen Abendessen (Archiv)


Die krisengeplagte Schwedische Akademie erwägt Medienberichten zufolge, in diesem Jahr keinen Literaturnobelpreis zu vergeben. Das Gremium führe entsprechende Diskussionen, bestätigte der Sprecher der Nobelpreisstiftung, Carl-Henrik Heldin, dem Sender SVT. Beschlossen sei aber noch nichts, betonten Akademie-Mitglieder demnach auch.

Der aus der Jury zurückgetretene Peter Englund schrieb dem Schwedischen Radio: "Mit Gedanken an die Situation der Akademie und den Preis selbst ist es vielleicht das Beste, die Vergabe ein Jahr zu verschieben."

Die Schwedische Akademie wählt seit 1901 den Träger des Literaturnobelpreises aus. Sieben Mal wurde er seitdem nicht vergeben, zuletzt von 1940 bis 1943.

Umgang mit Belästigung und Korruption

Die Schwedische Akademie wird derzeit von einem Belästigungs- und Korruptionsskandal erschüttert, in dessen Folge mehrere ihrer 18 Mitglieder zurücktraten. Mitglieder hatten ihre Arbeit niedergelegt, weil die Akademie keine ausreichenden, auch personellen Konsequenzen aus der Affäre habe ziehen wollen.

Im Mittelpunkt des Skandals stand das Akademie-Mitglied Katarina Frostenson und ihr Mann. Sie soll jahrelang über Subventionen der Akademie für den Kulturverein ihres Mannes mitentschieden haben, ohne dass die anderen Mitglieder davon wussten. Außerdem soll sie die Namen von sieben Nobelpreisträgern vorzeitig ausgeplaudert haben. Dem Mann warfen 18 Frauen im vergangenen Herbst sexuelle Belästigung vor.

Zuletzt hatte das Gremium beteuert, die Arbeit für den Nobelpreis 2018 gehe trotz des Skandals weiter. Zugleich hieß es: "Das Ansehen des Literaturnobelpreises hat großen Schaden genommen durch die Aufmerksamkeit um die Krise der Akademie."

Die Schwedische Akademie befasst sich neben der Vergabe des Nobelpreises für Literatur mit der Pflege und Förderung der schwedischen Sprache und Literatur.

cop/dpa



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