Science-Fiction-Legende US-Autor Harry Harrison ist tot

Comic-Zeichner, Science-Fiction-Autor, Antikriegsliterat: Harry Harrison wurde mit der Romanvorlage des Films "Soylent Green" berühmt, Fans und Freunde lieben seine ebenso zwielichtigen wie liebenswerten Charaktere. Jetzt ist der legendäre US-Schriftsteller im Alter von 87 Jahren gestorben.

Porträt des Autors Harry Harrison auf dessen Website: "Verdammt gute Fiktion"
harryharrison.com

Porträt des Autors Harry Harrison auf dessen Website: "Verdammt gute Fiktion"


New York/Hamburg - Mit düsteren Zukunftsvisionen aber auch mit satirischen Genre-Parodien prägte der Schriftsteller Harry Harrison die Science-Fiction-Literatur. In Dutzenden Büchern setzte sich der Autor und Comic-Zeichner mit außerirdischen und künftigen Welten auseinander. Harrisons größter Erfolg war das Endzeitdrama "Make Room! Make Room!", hierzulande erschienen unter dem Titel "New York 1999". Cineasten kennen das Werk in seiner Leinwandversion: "Soylent Green", zu deutsch: "Jahr 2022 - Die überleben wollen".

Der Roman wurde sieben Jahre nach seinem Erscheinen unter anderem mit Charlton Heston verfilmt. Wie in diesem, seinem wohl bekanntesten Text, warnte Harrison immer wieder vor drohender Überbevölkerung: "Soylent Green" ist in der Dystopie der Name der fast einzigen verbliebenen Nahrungsquelle in der Stadt New York. Zum Ende kommt heraus, dass die grünen Chips aus Menschenfleisch bestehen.

Bei Harrison spielt die Handlung im Jahr 1999. In New York leben 35 Millionen Einwohner, in den USA insgesamt 344 Millionen. Essen können sich in der Metropole nur die Reichen leisten. Harrison schrieb das Buch 1966. Damals hatten die USA nicht einmal 200 Millionen Einwohner. Mittlerweile sind es rund 312 Millionen, New York ist aber 2012 nur knapp ein Viertel so groß wie Harrison für das Jahr 1999 voraussagte.

In seinen Büchern um den Charakter "Bill the Galactic Hero" rechnete Harrison mit dem Militarismus ab und parodierte das Science-Fiction-Genre: Der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge betrachtete er selber seine Werke vor allem als Antikriegsliteratur. Einen schnellen, ersten Überblick über viele Titel findet man in der nicht autorisierten Bibliographie von Harry Harrison auf der Plattform "ISFDB".

Ruf mich an, George Lucas!

Vor seiner Karriere als Schriftsteller schlug sich Harrison mit Jobs als Comic-Zeichner durch und wurde zunächst mit 25 Dollar Lohn pro Seite abgespeist, wie er einst in einem Interview beim Science-Fiction-Branchentreffen Octogon erzählte. Später illustrierte er Science-Fiction-Magazine, bevor er selber erste Texte einreichte. Erfolg feierte er mit der Kurzgeschichte "The Stainless Steel Rat", die er später zum Roman weiterentwickelte.

Mit dem Antihelden Jim DiGriz, der "Rat", erfand Harrison einen kriminellen Schurken und Schmuggler, nicht unähnlich dem Charakter Han Solo aus den "Krieg der Sterne"-Geschichten. Auch Harrison war den "Star Wars"-Filmen nicht abgeneigt. George Lucas habe Ideen an den richtigen Orten entliehen, sagte Harrison im genannten Interview, und er wäre durchaus bereit, gemeinsame Projekte mit dem Regisseur zu machen: "Ruf mich an, George, ich würde mich freuen, mit dir zu arbeiten!"

Lucas hatte seinerseits zuvor einmal in einem Interview erwähnt, er sei als Kind mit Science-Fiction-Geschichten aufgewachsen - und habe sich insbesondere für Harry Harrison interessiert, dessen Geschichten seien "eine fantastische und surreale Annäherung an das Genre".

Am Mittwoch ist der amerikanische Science-Fiction-Schriftsteller Harry Harrison im Alter von 87 Jahren gestorben. Er wurde am 12. März 1925 in Stamford im US-Staat Connecticut geboren, zog später immer wieder um und lebte zwischen den USA, Mexiko, Großbritannien, Dänemark und Irland.

Der Webmaster seiner Homepage, auf der ein gezeichnetes Porträt von Harrison zu sehen ist, ehrt ihn in einem kurzen Nachruf. Harrison habe die Leben von Millionen Menschen "mit seinen spannenden Abenteuern" berührt, seine Charaktere seien ebenso zwielichtig wie liebenswert: "Und, weißt Du, Deine Fiktion war schon verdammt gut!"

bos/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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Elfsilbler 15.08.2012
1. optional
Traurig, traurig, traurig... ich liebte die "Stahlratte" seit vielen Jahren heiß und innig.. Ein spezieller Tip: die "Hammer und Kreuz"-Trilogie, alternative Geschichte im England der Wikingerzeit. Erwähnenswert ist auch sein unermüdlicher Einsatz für Esperanto.
Vier 16.08.2012
2. Ich hatte viele unterhaltsame Stunden mit seinen Büchern
Vielen Dank für Deine Bücher!
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