"Fahrenheit 451": Science-Fiction-Autor Ray Bradbury ist tot

Telepathische Marsbewohner und liebeskranke Seemonster machten ihn berühmt: Mit seinen phantasievollen Figuren gilt Ray Bradbury als Altmeister der Science-Fiction. Viele seiner Werke wurden verfilmt. Jetzt ist der Autor im Alter von 91 Jahren in Kalifornien gestorben.

Ray Bradbury: Gigant der amerikanischen Science Fiction Fotos
AP

Hamburg/Los Angeles - Der Science-Fiction-Schriftsteller Ray Bradbury ist tot. Er wurde 91 Jahre alt. Bradbury starb am Dienstagabend in Kalifornien, wie seine Tochter Alexandra mitteilte.

Bradbury wurde in den fünfziger Jahren mit Science-Fiction-, Horror- und Fantasy-Romanen bekannt. Er transformierte seine Kindheitsträume und die Ängste des Kalten Krieges in interplanetare Visionen. Der Durchbruch gelang ihm im Jahr 1950 mit dem Buch "Die Mars-Chroniken", das eine fiktive Kolonisierung des Planeten Mars in den Jahren 1999 bis 2026 beschreibt und in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde.

Als Science-Fiction-Schriftsteller wollte Bradbury eigenen Angaben zufolge nicht die Zukunft vorhersagen, aber er hätte sie wohl so manches Mal gern verhindert - wie die Zensur in totalitären Staatsformen: In Bradburys berühmtestem Roman, dem Endzeit-Drama "Fahrenheit 451" aus dem Jahr 1953, macht es sich die Feuerwehr zur Aufgabe, Bücher zu verbrennen. Der Titel bezieht sich auf die Temperatur, bei der sich Papier entzündet (451 Grad Fahrenheit entsprechen rund 230 Grad Celsius).

"Science Fiction hat überhaupt nicht das Geringste mit der Zukunft zu tun," sagte Bradbury dem SPIEGEL, "sie handelt nur von heute. Und das, womit man sich heute beschäftigt, das ändert das Morgen. Man kann die Zukunft nicht haben, wenn man nicht an ihr aktiv mit seiner Phantasie in der heutigen Welt arbeitet."

Für die jeweils jüngsten Entwicklungen der Technik hatte Bradbury als Visionär allerdings wenig übrig. Das Internet bezeichnete er laut Nachrichtenagentur Reuters als "scam" ("Betrug"). Videospiele hielt er demnach für "eine Zeitverschwendung für Männer, die nichts anderes zu tun haben."

Als Drehbuch-Autor schrieb Bradbury beispielsweise die Vorlage für die Filmversion von "Moby Dick" (1956) sowie ab den sechziger Jahren für die Fernsehserie "Twilight Zone". Bradbury veröffentlichte mehr als 500 Werke, darunter beliebte Bücher wie den Kurzgeschichtenband "Der illustrierte Mann" oder den Roman "Das Böse kommt auf leisen Sohlen".

Bradbury gilt als Meister schillernder Figuren und phantasievoller Wesen. In seiner Erzählung "Das Nebelhorn" aus dem Band "Die goldenen Äpfel der Sonne", zerstört ein liebeskrankes Meeresungeheuer wiederholt einen Leuchtturm, dessen Nebelhorn den Wehlauten des Monsters ähnelt.

bos/dapd/Reuters

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