Seitenwechsel Adolf Muschg verlässt Suhrkamp-Verlag

Erste Reaktion auf den Suhrkamp-Umzug nach Berlin? Der Autor Adolf Muschg verlässt den Verlag und geht zum Münchner Verlagshaus C.H. Beck. Grund dafür sei vor allem die Führungspolitik von Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz.


Frankfurt am Main/Hamburg - Er habe sich nach 35 Jahren "nicht mehr zu Hause gefühlt" sagte der Schriftsteller Adolf Muschg am Montag der dpa. Sein neues Buch werde deshalb voraussichtlich 2010 beim Münchner Verlag C.H. Beck erscheinen, bestätigte der Verlag am Montag.

Autor Muschg: Nach 35 Jahren bei Suhrkamp nicht mehr "zu Hause gefühlt"
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Autor Muschg: Nach 35 Jahren bei Suhrkamp nicht mehr "zu Hause gefühlt"

Muschg, von 2003 bis 2006 Präsident der Akademie der Künste zu Berlin, hatte zuvor zahlreiche Werke bei Suhrkamp veröffentlicht. Er gehörte bis November vergangenen Jahres als einziger Autor dem Stiftungsrat an. Dieser berät die Unseld-Familienstiftung, den Mehrheitseigner des Suhrkamp Verlags.

Jahrelang galt der Schweizer Autor als enger Verbündeter der Verlagschefin. Nach der Machtübernahme im Verlag durch Ulla Unseld-Berkéwicz, der Witwe von Verlagspatriarch Siegfried Unseld, war der alte Stiftungsrat 2003 aus Protest zurückgetreten. Er sei dann auf Wunsch der Verlegerin als einziger Autor auch in den neuen Stiftungsrat eingetreten, sagte Muschg. Seine Ablösung von Suhrkamp bezeichnete er als "langen schmerzhaften Prozess ohne Eklat".

Auch die inzwischen beschlossene Übersiedlung des Verlags von Frankfurt am Main nach Berlin sei nicht ein einziges Mal Thema im Beirat gewesen. Suhrkamp hatte am Freitag angekündigt, dass der Verlag mit seinen 130 Beschäftigten nach 60 Jahren Anfang 2010 nach Berlin umziehen werde.

Muschg gehört in seiner Heimat zu den bedeutendsten lebenden Autoren. Er schrieb zahlreiche Romane und Erzählungen und erhielt für seine Arbeit diverse Preise, darunter 1974 den Hermann-Hesse-Preis und 1994 den Georg-Büchner-Preis.

sta/dpa



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