Sensationsfund Heinrich-Heine-Manuskript entdeckt

Mehr als 170 Jahre ist er alt, über hundert Jahre galt er als verschollen - doch jetzt ist ein Text Heinrich Heines pünktlich zur Frankfurter Buchmesse wieder aufgetaucht. Der charmanteste Systemkritiker der deutschen Geistesgeschichte mokiert sich darin über den Adel.


Hamburg - Ein später Vertreter der Romantik war er und dennoch so geistreich, spitzzüngig und politisch wie kaum ein anderer deutscher Dichter: Heinrich Heine. Jetzt ist unter bislang unbekannten Umständen ein 40 Seiten starkes, handgeschriebenes Manuskript von Heine (1797 bis 1856) wiederentdeckt worden. Der Verlag Hoffmann und Campe stellte den im Juni 1832 geschriebenen Artikel am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse vor.

Dichter Heine: "Gewürzt mit kräftiger Adelskritik"
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Dichter Heine: "Gewürzt mit kräftiger Adelskritik"

Der Text galt seit über hundert Jahren als verschollen, wie Verlagschef Günter Berg berichtete.

Heine hatte den Artikel für die Serie "Französische Zustände" geschrieben, die in der damals größten deutschsprachigen Tageszeitung "Allgemeine Zeitung" erschien. Der neunte und letzte Teil beschäftigt sich mit politischen Unruhen in England, dem blutigen Pariser Juni-Aufstand und dem Hambacher Fest, "gewürzt mit kräftiger Adelskritik", so Berg.

Aus Angst vor der Zensur habe der damalige Verlag auf den Abdruck verzichtet, berichtete der Verleger. Was danach mit dem Manuskript passierte, liege weitgehend im Dunkeln. Ende des 19. Jahrhunderts befand sich der Text in Besitz des Industriellen und Sammlers Carl Meinert. Dort konnte ihn der Heine-Forscher Ernst Elster einsehen und für seine Heine-Gesamtausgabe verwenden.

Welchen Weg das Manuskript dann nahm, will der Verlag in den kommenden Monaten recherchieren. Danach soll der Text als Faksimile veröffentlicht werden, ergänzt um wissenschaftliche Anmerkungen und die Geschichte der Aufzeichnungen.

tdo/ dpa



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