Ungelesene Bestseller Nur jeder Vierte schafft "Shades of Grey"

Ob SM-Roman oder Endzeit-Thriller: Werden Bestseller eigentlich nur gekauft oder auch gelesen? Ein Wissenschaftler hat das nun erforscht. Auf dem letzten Platz landete das meistdiskutierte Buch des Frühjahrs 2014.

Corbis

Das berühmte Buch ist gekauft, das erste Kapitel auch zügig durchgelesen, doch dann... Keine Zeit, keine Lust, Roman zu anstrengend, Sachbuch zu kompliziert. Das berühmte Buch verstaubt auf dem Nachttisch, und der gescheiterte Leser hat ein schlechtes Gewissen. Die hoffnungsvolle Vermutung, dass man mit diesem unsteten Leseverhalten nicht allein sei, wurde jetzt von einem Mathematiker bestätigt.

Jordan Ellenberg von der Universität Wisconsin hat für einige der Bestseller Amazons errechnet, wie viel Prozent der Käufer tatsächlich bis zum Ende durchhalten. Der Sieger: Rund 98 Prozent aller Leser von Donna Tartts "Der Distelfink" schafften es bis zur letzten Seite. Beim zweiten Teil der Hunger-Games-Reihe, "Catching Fire", waren es immerhin 43 Prozent, bei "Fifty Shades of Grey" 26 Prozent und bei "Eine kurze Geschichte der Zeit" von Stephen Hawking nur noch knapp 7 Prozent. Das Schlusslicht: Thomas Pikettys "Das Kapital im 21. Jahrhundert", immerhin eines der meist diskutierten Bücher des Frühjahrs 2014, erzielte nur eine Leserate von 2,4 Prozent.

Der amerikanische Mathematiker errechnete seine Zahlen aus einer Statistik, die Amazon herausgibt: Das Unternehmen veröffentlicht, welche Textpassagen einiger Bestseller am häufigsten von Lesern auf den Kindle-Geräten markiert werden. Ellenberg hat sich angesehen, in welchen Teilen der Bücher die Leser am häufigsten Sätze unterstreichen. Lagen die Passagen eher am Ende eines Werkes, sprach dies dafür, dass die meisten Leser den Text auch bis zur letzten Seite gelesen hatten. Fanden sich die Stellen ausschließlich in den vorderen Kapiteln, lag der Schluss nahe, dass die Wenigsten dieses Buch auch beendet hatten. Mithilfe seiner Rechnung bestimmt Ellenberg den scherzhaft so genannten Hawking-Index, der angibt, wie viel Prozent der Leser ein Werk vermutlich ganz durchgearbeitet haben. Die Zahl erhielt Ihren Namen, weil die Texte des Physikers Stephen Hawking häufig zu denjenigen gehören, die viele interessierte Käufer, aber nur wenige motivierte Leser finden.

Der Sieger der Rechnung, also das Buch mit dem höchsten Hawking-Index ist der Roman "Distelfink". Dem Prosawerk der Dichterin Donna Tartt hätte man diesen Erfolg gar nicht zugetraut: denn es ist ziemlich lang und ziemlich komplex. Ein Verlierer der Berechnungen ist Hillary Clintons Schrift "Hard Choices": Die Leser markerten hier nach Seite 33 kaum noch Zitate an - was dafür spricht, dass ein Großteil der Käufer auch nicht weiter las.

Die von Ellenberg verwendete Amazon-Statistik lässt auch noch andere Einblicke zu. So zeigt sie, welcher Satz von allen Kindle-Besitzern am häufigsten markiert wurde: "Manchmal passieren Leuten Dinge, auf die sie nicht vorbereitet sind". Die Worte stammen aus "Catching Fire", dem zweiten Teil der "Hunger Games".

cri

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insgesamt 104 Beiträge
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Annabelle1811 16.07.2014
1. Shades of Grey
Ich fand das Buch langweilig, wie das Tagebuch eines Teenagers. Ich habe es nicht fertig gelesen. Ich fand es nicht lesenswert. Aber nachdem ich es geschenkt bekommenhatte, mußte ich einen gewissen Teil lesen. Aber - bei aller Liebe - dieses Buch ist ein Schmarrn. Da empfehle ich noch eher das Buch der Dame, die im hohen Alter von 80 Jahren Gefallen an Sex fand, und zwar "Nacktbadestrand". Kurz und bündig... ;DDD und zum Nachvollziehen.
Phil2302 16.07.2014
2.
Kann ich verstehen. Ich lese 9 von 10 Büchern zu Ende die ich beginne. Shades of Grey war nicht dabei, ich fand den Stil einfach nicht gut, und das ganze wirkte für mich als Mann irgendwie zu künstlich. Die Tribute von Panem habe ich wegen meiner Freundin allesamt gelesen, Teil 1 war ganz ok, Teil 2 furchtbar, und Teil 3 das wohl schlechteste Buch, welche sich je zu Ende gelesen habe. Da passte hinten und vorne gar nichts, der Stil war grottig, die Beschreibungen schlecht, mit dem Hauptcharakter und ihrem ewigen "Peter, ach ne doch Gale, ach ne doch der andere", ich könnte weiter machen, aber ich denke es ist klar geworden was ich meine.
mindphuk 16.07.2014
3. Warum wird sowas wohl meist von Frauen gelesen?
Die SM-Foren sind voll von Frauen, die Shades of Grey gelesen haben, oder klassische Literatur wie etwa "Die Geschichte der O" (die so heftig war, dass das Buch damals verboten wurde und von Feministen beschimpft - bis sich heraus stellte, dass es von einer Frau unter einem Pseudonym geschrieben wurde), in Gor-Rollenspielen (eine Romanserie, in der es um einen Planeten geht, auf dem Frauen sich den Männern unterzuordnen haben) wimmelt es auch so von weiblichen Sklavinnen. Je emanzipierter Frauen werden, desto mehr scheinen sie sich das Recht zu nehmen, sich dem Mann, den sie lieben zu unterwerfen. Ich war jahrelang in der Szene unterwegs und am schwierigsten haben es dort submissive Männer, da die meisten Frauen keine Lust haben, Dominanz auszuüben. Allerdings muss man dazu sagen, dass die meisten Frauen eher das psychologische Spiel und die Hingabe vorziehen und SM, also die reine Lust am Schmerz eher beiläufig ist, bei Männern ist es oft umgekehrt.
iglobsne 16.07.2014
4. überbewerteter Main-Stream
das Ranking ist gleichbedeutend mit dem Maß der Überbewertung! Denn merke: nicht alles, worüber sich überbezahlte und unterbelichtete Kritiker maßlos auslassen ist wirklich gut! Gute Literatur hält sich meist im Verborgenen!
stelzenlaeufer 16.07.2014
5. Ja nee is klar
Aufgrund von Kindle Daten wird hier also gesagt wie weit welches Buch gelesen wurde. Zur Klarstellung, Bücher bestehen aus Papier! Das auf dem Kindle sind einfach nur Texte.
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