Shakespeare-Forschung: Hieß Ophelia eigentlich Jane?

Beim Blumenpflücken in einen Brunnen gefallen und ertrunken: Hat William Shakespeare 1569 vom traurigen Tod des kleinen Mädchens Jane Shaxspere gehört und sich davon vierzig Jahre später zu seinem Drama "Hamlet" inspirieren lassen? Das glauben britische Forscher.

Dramatiker Shakespeare (in einem 2009 aufgetauchten Porträt): Kindliche Prägung? Zur Großansicht
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Dramatiker Shakespeare (in einem 2009 aufgetauchten Porträt): Kindliche Prägung?

London - Die Namen klingen ähnlich, die Wohnorte lagen nur 30 Kilometer von einander entfernt: William Shakespeare, der später zum größten Dramatiker aller Zeiten heranwachsen sollte, war etwa fünf Jahre alt, als gar nicht weit entfernt die nur zweieinhalbjährige Jane Shaxspere am 16. Juni 1569 beim Blumenpflücken ausrutschte, in einen Brunnen fiel und ertrank.

Shakespeare-Forscher der Universität von Oxford vermuten nun einen Zusammenhang dieses Unfalls mit der Gestaltung von Shakespeares Figur Ophelia aus dem Drama "Hamlet". Diese fiktive Edeldame, obschon bereits erwachsen, erleidet im Stück ein ähnliches Schicksal wie die kleine Jane: auch sie ertrinkt (allerdings in einem Bach), nachdem sie beim Hantieren mit Blumen das Gleichgewicht verloren hat.

Vielleicht sogar eine Verwandte

Die erstaunliche Parallele zwischen Realität und Theaterstück fiel Historikern auf, als sie alte Berichte von Gerichtsmedizinern untersuchten. Die Ähnlichkeit der Nachnamen lasse gar eine Verwandtschaft zwischen William und Jane vermuten - genau fixierte Schreibweisen gab es zu Shakespeares Zeiten nicht.

Für Emma Smith von der Fakultät für englische Literatur der Universität von Oxford ist dieses Detail aber nicht entscheidend: "Selbst wenn sie nicht verwandt gewesen sind, hat der Gleichklang der Namen die Geschichte vielleicht in Shakespeares Kopf verankert", sagte sie dem "Guardian". Neben historischen Grundlagen seien Shakespeares Stücke häufig auch von Klatsch und Tratschgeschichten beeinflusst worden - wie jener über den Tod der kleinen Jane.

kuz/AFP

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insgesamt 27 Beiträge
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1. Größter Dramatiker aller Zeiten?
Pinky42 08.06.2011
Mal wieder ein echter Spiegel-Brüller! Wer sagt denn bzw. stellt fest, das Shakespeare der größte Dramatiker aller Zeiten ist? Mir scheint dies doch ein wenig übertrieben. Oder war er 1 Meter 95 gro0?
2. Ophelia
Monark™ 08.06.2011
---Zitat von SPON:--- Auch sie ertrinkt (allerdings in einem Bach), nachdem sie beim Hantieren mit Blumen das Gleichgewicht verloren hat. ---Zitatende--- "Das Gleichgewicht verloren"? Die allgemeine Lesart lautet doch, Ophelia habe sich selbst getötet, weil Hamlet sie zurückgewiesen hatte - oder irre ich?
3. Sensationell
sam clemens 08.06.2011
Wer hätte gedacht, dass es Parallelen zwischen Shakespeares Werk und der wirklichen Welt gibt? Oder dass sich der Dichter sogar von wirklichen Ereignissen inspirieren ließ?
4. Der größte
Extremophile 08.06.2011
Zitat von Pinky42Mal wieder ein echter Spiegel-Brüller! Wer sagt denn bzw. stellt fest, das Shakespeare der größte Dramatiker aller Zeiten ist? Mir scheint dies doch ein wenig übertrieben. Oder war er 1 Meter 95 gro0?
Shakespeare hat die englische Rechtsprechung dramatisch verändert: Auf seinen "Kaufmann von Venedig" geht das Verbot von Vertragsstrafen zurück; bei uns ein alltägliches Element von Geschäftsverträgen, in UK, Irland, USA, Indien, Australien etc. dagegen vor Gericht nicht durchsetzbar. Ich kenne keinen anderen Dramatiker, der da mitkann. Shakespeare ist die Nummer 1, auch wenn ich persönlich mit Schiller und Goethe mehr anfange.
5. Klassiker ja
Pinky42 08.06.2011
Zitat von ExtremophileShakespeare hat die englische Rechtsprechung dramatisch verändert: Auf seinen "Kaufmann von Venedig" geht das Verbot von Vertragsstrafen zurück; bei uns ein alltägliches Element von Geschäftsverträgen, in UK, Irland, USA, Indien, Australien etc. dagegen vor Gericht nicht durchsetzbar. Ich kenne keinen anderen Dramatiker, der da mitkann. Shakespeare ist die Nummer 1, auch wenn ich persönlich mit Schiller und Goethe mehr anfange.
Stimmt, und den Wortschatz des Englischen. Aber dennoch war er in England lange lange Zeit vergessen und ist erst durch die vielen Übersetzungen, nicht zuletzt auch ins Deutsche, auch in England wieder bekannt geworden. "Dritter Deutscher Klassiker" wurde er ja deswegen im 19. Jahrhundert auch genannt. Aber der Faust ist ja wohl doch eine andere Liga als Shakespeare, das müssen Sie und alle anderen doch wohl zugeben.
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