Alles muss besser werden. Neu werden. Unbedingt und ohne jede Frage muss alles irgendwie jung werden. Und wenn das aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert, dann muss es zumindest anders werden. Wir starten noch einmal durch, wir erfinden uns, wir verändern uns, verändern Sie sich mit, wachsen wir gemeinsam, los, schnell, jetzt, sofort!
Die Welt hat ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und erzeugt ein Tempo, für das es früher einer neuen Generation bedurft hätte. Nun wird alle zehn Jahre in Kultur und Medieninstitutionen der westlichen Welt die Revolution ausgerufen. Gegen alles. Die Jungen gegen die Alten, jeder gegen jeden, denn die Erde ist zu voll geworden.
Erneuerung im Theater bedeutet meist, dass gespart werden muss. Es bedeutet Dinge wie integrativ, performativ, spartenübergreifend, Regietheater, Musik und Experiment der freien Szene. Verdichtung, Verschlankung. Irgendwas. Eben neu. Und billiger. Wenn möglich. Und dann wird erst einmal das Personal ausgetauscht.
Staatlich subventionierte Verwaltungswut
Die alten Patriarchen verschwinden aus den Staatstheatern. Die eitlen, die schrien: "So kann ich nicht arbeiten!" Es verschwinden die, vor denen die Mitarbeiter sich fürchteten. Das ist unbedingt zu begrüßen, die Zeit der Patriarchen ist dann auch irgendwann einmal vorbei. Hoffentlich, werden die erneuerten Intendanten - es sind immer noch mehrheitlich Männer - nicht irgendwann alt, schreien, und müssen in Folge erneuert werden. Replaced sagen wir in unserer Unit.
Die Welt bedarf ständiger Weiterentwicklung, um besser zu werden. Das Theater bedarf ständiger Erneuerung, damit es nicht stirbt. Es wäre nicht auszuhalten, wenn das Theater stürbe, so wie alles, was etwas mehr Geduld des Konsumenten erfordert. Nicht auszudenken, wenn das Theater stürbe und es nur mehr Musicals mit Katzen gäbe.
Meist wird, was einer Erneuerung unterzogen wurde, nur effektiver.
Effektiv ist das Theater nicht. Eine Inszenierung, an der ich vor ein paar Jahren in Zürich mitgearbeitet habe, war ein prächtiges Beispiel für Ineffizienz. Es ging um irgendetwas. Ungefähr 50 Techniker standen auf der Bühne und wollten wissen, wann und wo das irgendwas hinzustellen wäre. Welches Licht auf wen, und warum und wie jetzt genau. Ober- und Unterassistenten, erster Meister, zweiter Meister, Licht, Ton, Bau. Am Boden saß der Künstler, Hauptbestandteil der Inszenierung, und betrachtete verängstigt seine unendlich klein wirkende Kunst.
Die fünfzig Männer ließen pünktlich zum Feierabend den Hammer fallen. Nichts war beendet, aber Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Die Macht der staatlich subventionierten, apparatisierten Verwaltungswut, der sich ein künstlerischer Prozess unterzuordnen hat. Das Gefälle zwischen Gehältern der Betriebsdirektoren, Verwaltungsräte, technischen Direktoren gegenüber denen der Künstler.
Das Erstarrtsein durch Vorschriften, Auflagen, gesetzlich vorgeschriebene Dienstzeiten, die Angst, die viele Kreative im Theaterbereich vor der technischen Abteilung haben, das wäre eine erneuerungswürdige Sache. Dass alle großen Bühnen mit einigen Star-Regisseuren ein fast austauschbares Programm an immer wieder polierten Klassikern anbieten aus Angst, die Abonnenten zu verlieren und dann die Führungsriege am Theater nicht mehr bezahlen zu können. Auch darüber könnte man reden. Aber nicht hier. Nicht heute. Hier geht es um eine Erneuerung, ohne die das Theater vielleicht stürbe.
Das wäre furchtbar, denn nicht die besten, aber so viele gute Momente meines Lebens fanden im Theater statt. Was vielleicht nicht für mein Leben spricht. Das Theater wird erneuert. An die neue Zeit angepasst, die neuen Bedürfnisse, alles neu, am Ende bleibt das Theater doch immer ein Gebäude mit einer Bühne, mit Schauspielern, Bühnenbild, Texten mit Technikern und Regisseuren, die ab und zu zu etwas Großem werden. Zu etwas, das man nie mehr vergisst.
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