Skandal-Roman Maxim-Biller-Prozess erneut verschoben

Der Schadenersatzprozess um den gerichtlich gestoppten Roman "Esra" von Maxim Biller ist erneut verschoben worden. Der Grund: Man will eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten.


München - Neuer Verhandlungstermin ist der 5. Dezember. Ursprünglich war der Prozess gegen den Schriftsteller vor dem Landgericht München I für diesen Mittwoch angesetzt. Geklärt werden sollte die Höhe der Entschädigungen für Billers Ex-Freundin und deren Mutter.

Schriftsteller Maxim Biller: "Einschränkung des künstlerischen Ausdrucks"
DDP

Schriftsteller Maxim Biller: "Einschränkung des künstlerischen Ausdrucks"

Billers Ex-Freundin behauptet, der Roman verletze ihre Persönlichkeitsrechte. Der Schriftsteller habe sie und ihre Mutter in "Esra" zum Vorbild für Romanfiguren genommen. Die beiden Frauen fordern dafür mindestens 100.000 Euro Entschädigung.

Wie das Landgericht mitteilt, wurde der Prozess verschoben, weil beide Prozessparteien eine Beschwerde von Billers Verlag Kiepenheuer & Witsch beim Bundesverfassungsgericht abwarten wollen.

Dieser hatte im Juli 2005 das Erscheinen des Romans endgültig verboten. Kiepenheuer & Witsch erklärten den Prozess daraufhin zur Grundsatzdebatte: Man wende sich gegen die allgemeine Einschränkung des künstlerischen Ausdrucks, der "alle Schriftsteller und literarischen Verlage dieses Landes bedroht", hieß es damals.

Billers Roman handelt von der schwierigen Liebe zwischen Adam und Esra. Adam ist Schriftsteller wie Maxim Biller, Esra ist Schauspielerin und Bundesfilmpreisträgerin, so wie Billers Ex-Freundin im wahren Leben. Esras Mutter Lale hat im Buch den Alternativen Nobelpreis bekommen, genau wie die Mutter der realen Ex-Freundin.

Der Roman-Streit zieht sich schon über vier Jahre hin. Billers Ex-Freundin und ihre Mutter hatten 2003 eine einstweilige Verfügung erwirkt. Darauf hin gab es zwei geschwärzte Fassungen und eine geänderte Version des Romans. Doch auch diese wurden verboten: Im April 2004 urteilte das Münchner Oberlandesgericht, auch in diesen seien die beiden Frauen noch zu erkennen.

ssu/dpa/ddp



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