Skandalautor John Niven "Sie werden uns alle jagen!"

Jesus als Kiffer und Castingshow-Kandidat? Der US-Verlag lehnte ab, der britische wollte, dass John Niven alle Mohammed-Gags streicht: Die Religionssatire "Gott bewahre" wird viele Feinde finden. Im Interview spricht der Autor über die amerikanische Glaubensindustrie und debile Gameshows.

Jas Lehal

SPIEGEL ONLINE: Mr. Niven, glauben Sie an Gott?

Niven: Nein!

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie an irgendetwas?

Niven: Vielleicht an einen säkularen Humanismus mit etwas Sozialismus. Das fällt mir schwer genug.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem neuen Roman stellt Gott nach einem längeren Angelurlaub fest, dass die Welt verlottert ist. Er schickt deswegen Sohn Jesus zur Rettung der Menschheit - einen Kiffer und Hippie. Haben Ihnen gläubige Menschen wegen der Geschichte die Freundschaft gekündigt?

Niven: Nein, aber ich kenne auch nicht so viele religiöse Menschen. Skeptisch war nur die Mutter meiner Lebensgefährtin. Sie ist strenggläubige Katholikin und war von meiner Romanidee empört, befürchtete schlimmste Gotteslästerung, las das Buch dann doch - und mochte es. Sie hat sogar gesagt, dass es letztlich eine sehr positive Grundaussage habe. Nur mein US-Verlag hat mir die Freundschaft gekündigt und "Gott bewahre" abgelehnt.

SPIEGEL ONLINE: Mit welcher Begründung?

Niven: Gewäsch. Windiges Gefasel über gesunkene Erwartungshaltung für europäische Autoren in den USA. Die waren einfach zu feige, die wahren Gründe zu nennen. Ich führe bereits Gespräche mit mutigeren Verlagen, aber Vorbehalte haben die alle. Die Strenggläubigen sind eine starke politische Macht in den USA. Man mag sich kaum vorstellen, was passiert, sollte der Einfluss der Tea-Party-Bewegung in den USA noch zunehmen. Und das ist nicht ausgeschlossen, immerhin wurde sogar Ronald Reagan zweimal ins Präsidentenamt gewählt.

SPIEGEL ONLINE: Auch Mohammed kommt in Ihrer Geschichte vor. Haben Sie keine Angst vor humorfreien Islamisten?

Niven: Da muss ich mich tatsächlich zurückhalten, auch in diesem Gespräch. Hätte ich das über Mohammed geschrieben, was ich in meinem Buch über Jesus sage, würde ich wohl täglich Todesdrohungen bekommen. Wahrscheinlich wäre ich längst untergetaucht und müsste mich verstecken. Einen ersten Entwurf meiner Geschichte, in dem Mohammed prominenter besetzt war, präsentierte ich früh dem Verlag. Unter allen Anwesenden machte sich Panik breit: "Sie werden nicht nur dich jagen, sondern auch uns!" Also schrieb ich den Text um. Selbst meine Freundin bekam es mit der Angst zu tun. Wahnsinn. Für einen Autor ist es doch wirklich unvorstellbar, dass er seiner Phantasie Grenzen setzen muss, damit er keinen Ärger bekommt.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind bekannt geworden mit "Kill Your Friends", einem gehässigen Buch über die Musikindustrie, und landeten mit dem Amok-Golfer-Roman "Coma" einen Bestseller. Nun sind Sie bei Jesus angelangt. Wie kamen Sie auf das Thema?

Niven: Eigentlich wollte ich ein Drehbuch aus der Geschichte machen. Mir kam vor fünf Jahren die Idee, als ich den Schauspieler Owen Wilson sah. Der war mein Phantasie-Jesus, als Gott hatte ich George Clooney, als Teufel Danny DeVito im Kopf; die Handlung fiel mir schnell zu. Aber nach dreißig, vierzig Manuskriptseiten ging mir auf, dass der Film völlig unbezahlbar wäre. Die ganzen Himmelsszenen würden ein Vermögen kosten, dazu die, nun ja, für Amerikaner gewöhnungsbedürftige Handlung. Kein Hollywood-Studio würde da Millionen lockermachen. Also legte ich den Entwurf zur Seite und machte später einen Roman daraus.



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Seite 1
deb2006, 31.08.2011
1. .
Zitat von sysopJesus als Kiffer und*Castingshow-Kandidat?*Der*US-Verlag lehnte ab,*der britische wollte, dass*John Niven*alle Mohammed-Gags streicht:*Die Religionssatire*"Gott bewahre"*wird viele Feinde finden.*Im Interview*spricht der*Autor über die amerikanische Glaubensindustrie und debile Gameshows. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,782134,00.html
Schon Wahnsinn. Da verpasst sich jemand einen Maulkorb wegen dem faschistischen Islam - und SPON hakt nicht nach. Ist ja ganz verstaendlich, bloss nicht auffallen. Der vollkommene Irrsinn!
aeronaut79 31.08.2011
2. Satire
Ich bin für ein Kritik- und Satireverbot für das Thema Islam. Dann können wir alle viel friedlicher mit eingewanderten Moslems leben.
testthewest 31.08.2011
3.
Zitat von sysopJesus als Kiffer und*Castingshow-Kandidat?*Der*US-Verlag lehnte ab,*der britische wollte, dass*John Niven*alle Mohammed-Gags streicht:*Die Religionssatire*"Gott bewahre"*wird viele Feinde finden.*Im Interview*spricht der*Autor über die amerikanische Glaubensindustrie und debile Gameshows. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,782134,00.html
"Da muss ich mich tatsächlich zurückhalten, auch in diesem Gespräch. Hätte ich das über Mohammed geschrieben, was ich in meinem Buch über Jesus sage, würde ich wohl täglich Todesdrohungen bekommen." Soweit sind wir schon. Und es gibt immernoch Leute die meinen es wäre alles grundlose Hetze, wenn man sagt die Ideologie "Islam" ist der Feind der Freiheit und damit unser Feind.
octavianus 31.08.2011
4. Ein Koran kompatibles Buch
Zitat von sysopJesus als Kiffer und*Castingshow-Kandidat?*Der*US-Verlag lehnte ab,*der britische wollte, dass*John Niven*alle Mohammed-Gags streicht:*Die Religionssatire*"Gott bewahre"*wird viele Feinde finden.*Im Interview*spricht der*Autor über die amerikanische Glaubensindustrie und debile Gameshows. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,782134,00.html
Gott sei Dank besinnen sich die westlichen Intellektuellen und schreiben Koran gemäß!
sappelkopp 31.08.2011
5. Ich werde...
...dass Buch auf jeden Fall zunächst mal lesen; nach dem Interview habe ich richtig Lust dazu. Dann habe ich sicher auch eine Meinung.
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