Plagiatsverdacht Blogger werfen Philosophen Zizek Ideenklau vor

Er ist einer der bekanntesten Denker der Gegenwart, nun wird Slavoj Zizek einer akademischen Todsünde bezichtigt: Der Linksintellektuelle soll für eine Buchrezension mehrere Passagen bei einem rechtskonservativen Magazin geklaut haben.

Kulturtheoretiker Slavoj Žižek im Jahr 2012: "Keinesfalls Ideen geklaut"
Corbis

Kulturtheoretiker Slavoj Žižek im Jahr 2012: "Keinesfalls Ideen geklaut"


Hamburg - Dem slowenischen Starphilosophen Slavoj Žižek wird vorgeworfen, in einer Kritik aus dem Jahr 2006 plagiiert zu haben. Der US-Journalist Steve Sailer und ein Blogger namens Deogolwulf veröffentlichten die entsprechenden Passagen auf ihren Internetseiten. Dort stellen sie das Original und das vermeintliche Plagiat einander gegenüber.

Žižek hatte vor acht Jahren in einem Text für die renommierte Zeitschrift "Critical Enquiry", die von der Universität Chicago verlegt wird, ein Werk des amerikanischen Psychologen Kevin B. MacDonald rezensiert. In dem Aufsatz mit dem Namen"A Plea for a Return to Différance (with a Minor Pro Domo Sua)" fasst Žižek unter anderem den Inhalt des untersuchten Buches zusammen. In dieser Passage entdeckten die beiden Blogger wortwörtliche Übereinstimmungen mit einer anderen Rezension. Das Werk MacDonalds ("The Culture of Critique: An Evolutionary Analysis of Jewish Involvement in Twentieth-Century Intellectual and Political Movements") war 1999 bereits von der rechtskonservativen Zeitschrift "The American Renaissance" rezensiert worden - mit stellenweise identischen Worten.

Zu den Vorwürfen nahm der nach eigenem Bekenntnis "altmodische Marxist" in einer nun bei dem Blog "Critical Theory" veröffentlichten E-Mail Stellung: Er habe die verdächtigten Passagen damals von einem Freund zugesandt bekommen, der ihm versichert habe, dass er die Textstücke bedenkenlos nutzen könne. Dass der Freund seinerseits aus dem Werk eines anderen Rezensenten abgeschrieben hatte, darüber sei Žižek sich nicht im Klaren gewesen. Dafür entschuldigte er sich in der Mail. Er stritt jedoch ab, plagiiert zu haben: Bei den entsprechenden Stellen handele es sich nur um die Zusammenfassung des Buches, das er rezensieren sollte, erklärt Žižek. Deshalb habe er keinesfalls jemandes "Ideen geklaut", sondern nur eine inhaltliche Zusammenfassung übernommen.

Anders sieht das der Chefredakteur der "Critical Enquiry", in der die Rezension des Philosophen erschienen war: "Hätten wir gewusst, dass Žižek plagiiert, hätten wir ihn gebeten, die illegalen Stellen zu entfernen", sagte James Williams.

Dem populären, jedoch auch umstrittenen slowenischen Denker werfen die beiden Blogger nun eine generell unwissenschaftliche Arbeitsweise vor, und das amerikanische Online-Magazin "Slate" fragt sich, ob Slavoj Žižeks Texte überhaupt gegengelesen werden.

Die fraglichen Stellen aus der acht Jahre alten Rezension waren den beiden aufmerksamen Bloggern Deogolwulf und Sailer angeblich bei einer stilistischen Analyse aufgefallen: Die Sätze seien viel zu klar, um aus Žižeks Feder stammen zu können.

cri

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