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Sondermann 2010 Ärmelschonerfeeling und Knollennasenchaos

5. Teil: Gerhard Haderer: "Jahrbuch 2"

Der politische Cartoon ist das vergänglichste aller Witzbildchen. Meist ist er schon in der Woche darauf überholt, häufig im Jahr danach kaum noch verständlich. Das und sein ihm naturgemäß innewohnender Zwang zur Aussage, zur "Botschaft", oft zu Lasten der Qualität, machen ihn zur am häufigsten übersehenen Form des Comic.

Überlebt den Witzverfall dank seiner Zeichentechnik: "Jahrbuch 2" von Gerhard HadererZur Großansicht
Haderer

Überlebt den Witzverfall dank seiner Zeichentechnik: "Jahrbuch 2" von Gerhard Haderer

Auch Haderers politische Karikaturen gehören zum vergänglichkeitsanfälligen Material. Dennoch hat der Österreicher es geschafft, zu den wenigen politischen Karikaturisten aufzusteigen, deren Name eine eigene Marke ist. Haderers Bilder erhalten als Buchausgaben und Kalender über den Tag hinaus Bestand. Sein bekanntestes Werk ist vermutlich "Das Leben des Jesus". Mit der zynischen Persiflage auf religiöse Klischees hatte Haderer 2002 eine Welle des Protestes von Seiten der katholischen Kirche ausgelöst.

Ursache für Haderers Erfolg ist vermutlich vor allem sein photorealistischer Stil, der ihn grafisch von vielen seiner Kollegen unterscheidet. Die Karikatur, selbst wenn sie inhaltlich bereits veraltet sein sollte, wird bei Haderer zum Blickfang.

Dieser Stil rettet auch die seit 2008 erscheinenden Jahrbücher des Zeichners vor dem Zahn der Zeit. Weil die Konvolute keine thematische Auswahl treffen, sondern jeweils fast das gesamte Jahresschaffen Haderers zeigen, sind sie besonders stark vom Witzverfall gefährdet. Aus deutscher Sicht besonders schwierig: Haderers Lieblingsthema, die österreichische Politik. Aber auch die gezeichneten Anmerkungen zu deutscher und internationaler Politik setzen schnell Staub an.

Es empfiehlt sich also, die Jahrbücher möglichst rechtzeitig nach Erscheinen zu lesen. Andererseits sind sie, selbst wenn manche Pointe mit zeitlichem Abstand wirkungslos verpufft oder unverständlich bleibt, dank Haderers Zeichentechnik noch eine faszinierende, durchaus über das Jahr hinaus gültige Lektüre.


Gerhard Haderer: " Jahrbuch 2", Ueberreuter, 100 S.; 14,95 Euro.

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insgesamt 2 Beiträge
dave3000 01.09.2010
..sind Perscheid und Manfred Deix (auch wenn der hier nicht erwähnt wird). Grüße, Dave
..sind Perscheid und Manfred Deix (auch wenn der hier nicht erwähnt wird). Grüße, Dave
HeinrichLöwe 02.09.2010
Liebe Spiegel-Mitarbeiter, Spiegel-Online ist ja bekanntlich sehr in der Comic-Szene engagiert. Vielleicht findet mein bescheidener Wunsch darum Beachtung. Könnte im Print-Spiegel nicht regelmäßig ein Comic erscheinen? Könnte [...]
Liebe Spiegel-Mitarbeiter, Spiegel-Online ist ja bekanntlich sehr in der Comic-Szene engagiert. Vielleicht findet mein bescheidener Wunsch darum Beachtung. Könnte im Print-Spiegel nicht regelmäßig ein Comic erscheinen? Könnte von mir aus auch ganz hinten im Heft sein.
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