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Spider-Man als Afro-Amerikaner: Back in black

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Spider-Man ist tot! Zumindest in einer Nebenreihe der populären Comic-Serie. Peter Parkers Nachfolger als Superheld im Spinnendress ist ein junger Afroamerikaner - eine clever kalkulierte - und kontrovers diskutierte Entscheidung des amerikanischen Marvel-Verlags.

Spiderman als Afroamerikaner: Back in Black Fotos
AP/ Marvel Comics

Wenn dieser Tage die aktuelle Ausgabe von "Ultimate Comics: Spider-Man" in den amerikanischen Comicshops liegt, wird sie in eine schwarze Tüte eingeschweißt sein. Hintergrund: der Leser soll vom Inhalt überrascht werden. Aber die Tüte hat noch eine andere Symbolik. Der neue Spider-Man - der in diesem Heft seinen ersten Auftritt hat - ist schwarz.

Er heißt Miles Morales und ist zur Hälfte Afroamerikaner, zur Hälfte Hispano-Amerikaner. Über seinen Hintergrund ist derzeit wenig bekannt, ebenso über seine Motivation. Bisher kursieren nur einzelne Bilder von ihm. Klar ist aber, dass er Peter Parker, den bisherigen Spider-Man, in der Serie ersetzen wird. Denn Peter Parker ist tot, im vorherigen Heft im Kampf mit dem Green Goblin gestorben. Morales trägt Parkers Kostüm und dessen signifikante Spinnen-Maske.

Bereits im Mai spekulierte Rich Johnston, notorisches Klatschmaul der amerikanischen Comicszene, auf seiner Website Bleedingcool.com über einen möglichen schwarzen Spider-Man. Zu diesem Zeitpunkt lief in den Comicheften bereits der Mehrteiler "Death of Spider-Man". Und Marvel-Autor und -Vordenker Brian Michael Bendis, der die Skripte für diese Comichefte verfasste, ist nicht eben für seine Zimperlichkeit im Umgang mit legendären Figuren bekannt.

Der spektakuläre Personalwechsel betrifft allerdings die Serie "Ultimate Comics: Spider-Man", eine alternative Neuerzählung der klassischen Spider-Man-Stoffe, die seit 2000 läuft. 160 Hefte sind seitdem erschienen, das letzte, Nummer 160, schildert den Tod der Titelfigur. Mit dem neuen Spider-Man beginnt nun auch die Nummerierung der Serie wieder von vorn. In der regulären Heftserie "Amazing Spider-Man", die aktuell auf die 700. Ausgabe zusteuert, ist Ur-Spinnenmann Peter Parker nach wie vor am Leben und in Aktion.

Dennoch sorgte der Wechsel der Figur im "Ultimate"-Universum noch vor Erscheinen des aktuellen Hefts für einigen Wirbel in der Comic-Szene, vor allem wegen der Hautfarbe des neuen Helden. "Wieso muss alles politisch korrekt sein", fragt ein Leser im Kommentarbereich der Zeitung "USA Today", die als erste von dem Austausch berichtet hatte. Deutlich wütender ein anderer: "Schämt euch, Marvel Comics! Das ist entwürdigend!" Die Äußerungen reichen von absurd bis offen rassistisch: "Ein Schwarzer unter der Maske sieht einfach nicht richtig aus", wütet ein Leser.

Neues Publikum, neuer Erfolg?

Dabei folgt die Entscheidung Marvels einem Trend, der in den vergangenen Jahren vor allem im Kino zu beobachten war. Der Superagent Nick Fury, Chef der übernationalen Behörde S.H.I.E.L.D., ist in den Comics ein grimmiger weißer Soldat. In den Marvel-Verfilmungen wird er vom Afroamerikaner Samuel L. Jackson gespielt, zu sehen ist er in beiden "Iron Man"-Filmen und demnächst in "Captain America". In der Verfilmung des "Thor"-Comics war der Ase Heimdall, ein Bewohner Asgards, als Schwarzer zu sehen, ebenfalls im Gegensatz zu den Comics.

Miles Morales ist beileibe auch nicht der erste alternative Spider-Man. Bereits in den neunziger Jahren versuchte Marvel, Peter Parker durch dessen Klon Ben Reilly zu ersetzen. Das scheiterte jedoch am Widerwillen der Leser und nicht zuletzt daran, dass die neue Figur der alten viel zu ähnlich war, so dass der Sinn des Austausches nicht erkennbar war.

Signifikanter war die von 1992 bis 1996 erschienene Serie "Spider-Man 2099". Dabei handelt es sich um eine Zukunftsvision, in der der Latino Miguel O'Hara das Spinnenkostüm trägt. Obwohl die Serie recht erfolgreich war, wurde sie 1996 eingestellt, weil sich Marvel zu diesem Zeitpunkt in massiven finanziellen Schwierigkeiten befand und zu drastischen Sparmaßnahmen gezwungen war. Afroamerikanische Superhelden wie "Black Panther", "Power Man" Luke Cage oder den "Avenger" Falcon gibt es bereits seit den späten sechziger Jahren.

Woher rührt also die Aufregung über den neuen, schwarzen Helden? Superhelden treffen in den USA einen patriotischen Nerv. Sie sind neben dem Western das einzige originär amerikanische Genre, die Helden in der Regel Vertreter eines als uramerikanisch empfundenen Lebensstils. Wie Westernhelden sind sie zumeist männlich und weiß. Als vor einigen Monaten DC-Held Superman in dessen Heftreihe bekannt gab, seine amerikanische Staatsbürgerschaft ablegen zu wollen, da er sich als globaler Bürger sehe, sorgte das für einen landesweiten Aufschrei.

Dass der weiße Peter Parker trotzdem, und möglicherweise gegen den Widerstand von Teilen des Publikums, durch Miles Morales ersetzt wird, hat vor allem wirtschaftliche Hintergründe. Während die "Ultimate"-Comics zu Beginn überaus erfolgreich waren - regelmäßig verkauften sie bis zu doppelt so viele Exemplare wie die regulären "Spider-Man"-Comics - sind die Zahlen zuletzt ins Bodenlose gestürzt. Kaum ein Drittel der einstigen Käuferschaft ist verblieben. Ursache ist eine chaotische Abfolge neuer Zeichner, ein neues Nummerierungssystem, das eingeführt und schnell wieder abgeschafft wurde, und eine drastische Preiserhöhung.

Der radikale Schnitt, den Marvel an der einstigen Geldkuh nun vollführt, ist also vor allem eine Flucht nach vorn in der Hoffnung, den ehemaligen Bestseller durch die Eroberung neuer, multiethnischer Leserschichten wieder zu alter Größe zu führen. Das bestverkaufte Comic-Heft der vergangenen zehn Jahre war immerhin jenes, in dem Spider-Man dem aktuellen Präsidenten Barack Obama die Hand schüttelte. Vielleicht braucht Amerika ja wirklich mehr afroamerikanische Helden?

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1. titel
barlog 03.08.2011
Zitat von sysopSpider-Man ist tot! Zumindest in einer Nebenreihe der populären Comic-Serie. Peter Parkers Nachfolger als Superheld im Spinnendress ist ein junger Afroamerikaner - eine clever kalkulierte - und*kontrovers diskutierte*Entscheidung des amerikanischen Marvel-Verlags. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,778202,00.html
Denkbar wäre auch eine Spider-Man-Variante für den asiatischen Markt mit untertassengroßen Glitzeraugen. . ..
2. ...
A-Schindler, 03.08.2011
Zitat von sysopSpider-Man ist tot! Zumindest in einer Nebenreihe der populären Comic-Serie. Peter Parkers Nachfolger als Superheld im Spinnendress ist ein junger Afroamerikaner - eine clever kalkulierte - und*kontrovers diskutierte*Entscheidung des amerikanischen Marvel-Verlags. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,778202,00.html
Man hätte die Serie Auslaufen lassen sollen und ein neuen Helden kreieren sollen statt unter ein alten Namen ein neuen Helden einzuführen. Das ist als ob in Asterix und Obelix der Asterix demnächst ein Farbiger würde, oder wie bei der britischen Agenten Serie "007" wo der Agent sein 50 Jahren nicht altert, anders als die anderen Figuren der Serie. Aber die Amis machen in der Sicht eh´ was sie wollen. Da ändert sich in einer Serie der Zeichenstiel. Die Hauptfiguren sind mal Weiß, mal Asiatisch und dann Farbige, je nachdem was Grade in ist. Ein Glück das ich eher auf Manga stehe, da gibt es solch ein Schwachsinn nicht.
3. Titelverweigerer
Indigo76 03.08.2011
Zitat von A-SchindlerMan hätte die Serie Auslaufen lassen sollen und ein neuen Helden kreieren sollen statt unter ein alten Namen ein neuen Helden einzuführen. Das ist als ob in Asterix und Obelix der Asterix demnächst ein Farbiger würde, oder wie bei der britischen Agenten Serie "007" wo der Agent sein 50 Jahren nicht altert, anders als die anderen Figuren der Serie. Aber die Amis machen in der Sicht eh´ was sie wollen. Da ändert sich in einer Serie der Zeichenstiel. Die Hauptfiguren sind mal Weiß, mal Asiatisch und dann Farbige, je nachdem was Grade in ist. Ein Glück das ich eher auf Manga stehe, da gibt es solch ein Schwachsinn nicht.
James Bond ist da ein gutes Stichwort. Man denke an den CIA-Agenten Felix Leiter. Der wurde von diversen weißen Schauspielern verköpert, bevor er in dem Gegenbond "sag niemals nie" plötzlich erschwarzte. Danach wurde er wieder weiß. In den neuen Bonds mit Daniel Craig in der Titelrolle, ist er wieder ein Schwarzer. Der Gute sollte dringend mal zu einem Hautarzt!
4. Was ist eigentlich ein Afroamerikaner?
Paul von Arnheim 03.08.2011
Samuel L. Jackson ist jedenfalls keiner, denn Afroamerikaner sind in Afrika geboren und zumindest zeitweilig dort aufgewachsen, bevor sie den Kontinent gewechselt haben. Die Hautfarbe kann kein Kriterium sein, denn es gibt reichlich weißhäutige Afrikaner. Und dass kein Mensch auf die Idee käme, einen weißen irischstämmigen US-Amerikaner als Euroamerikaner zu bezeichnen, zeigt den latenten Rassismus auf, der zu dieser überflüssigen Sprachregelung geführt hat. Die Bezeichnung "Afroamerikaner" für einen stärker pigmentierten US-Amerikaner ist also genauso sinnvoll wie die Bezeichnung "Familienvater", wobei letzterer manchmal noch vom "Familienoberhaupt" getoppt wird.
5. Mutig, kontrovers, innovativ... NICHT!
Bundeskanzler Ackermann 03.08.2011
Auch dieser Einfall wird nach ein paar schlecht verkauften Heften (also noch schlechter, als normal schon) wieder im Giftschrank der gescheiterten Ideen verschwinden. Mutig wäre es gewesen, die Serie nach 300 Jahren endlich mal zu beenden und was frisches, neues zu starten anstatt nen anderen Typ in die selben Klamotten zu stecken. Allerdings muss man Marvel insofern in Schutz nehmen, als dass es neue Serien am comic-markt (
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