Hamburg – Die Einnahmen aus dem jüngsten Buch Günter Grass', "Beim Häuten der Zwiebel", sollten vollständig an Opfer des NS-Regimes in Polen gegeben werden, schlägt Erika Steinbach (CDU) in der "Bild"-Zeitung vor. Grass' überraschendes Geständnis seiner Zugehörigkeit zur Waffen-SS komme zwar "dem Verkauf seines neuen Buches zugute", beschädige aber das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen. "Als Geste der Versöhnung sollte er die Einnahmen aus dem Verkauf seines Buches komplett für die Opfer des Nationalsozialismus in Polen spenden", so Steinbach, die selbst wegen ihres Zentrums für Vertriebene in Polen erheblich in der Kritik steht.
Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok forderte Grass auf, auf die geplante Verleihung des "Internationalen Brückepreises der Europastadt Görlitz" zu verzichten. Brok sagte der "Bild"-Zeitung: "Ich finde, Grass muss auf diesen Preis verzichten. Auch die Jury sollte über die Verleihung noch einmal nachdenken."
Der CDU-Politiker begründete seine Aufforderung mit Äußerungen von Grass in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in Bezug auf die "Spießigkeit" und den "katholischen Mief" der Adenauer-Ära. "Dabei hat gerade Adenauer die Freiheit und die Einigung Europas wie kaum ein anderer vorangetrieben. Das sollte Grass bedenken, ehe er eine solche europäische Ehrung annimmt", sagte Brok.
Nach Informationen der "Bild"-Zeitung will das aus Deutschen und Polen zusammengesetzte Komitee des "Brückepreises" jetzt auf einer Sondersitzung am 5. September erneut über die für November geplante Verleihung beraten.
asc/dpa
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