"Star Trek"-Star Quinto Faszinierend, dieser Spock

Zachary Quinto ist der coolste Jungstar im Hollywood-Kosmos. In der Fernsehserie "Heroes" lehrte er Mitspieler und Publikum das Fürchten - im neuen "Star Trek"-Film spielt er den legendären Mr. Spock. Eine Besetzung von geradezu vulkanischer Logik.

Von Roland Huschke


Acht Jahre hatte er sich in Hollywood nun schon durchgeschlagen, kellnernd und in Kleinstrollen, bevor Zachary Quinto 2006 das erste Interview seines Lebens gab. Ein Lokalreporter aus seiner Geburtsstadt Pittsburgh witterte damals, dass dem Mimen diese neue, in den USA schwer gehypte Superhelden-Serie "Heroes" zum Durchbruch verhelfen könnte.



Immerhin hatte Quinto den schillernden Part des Finsterlings Sylar ergattert, der seine Opfer mit einem Schnitt durch die Schädeldecke ihrer grauen Zellen entledigte - und dabei so sardonisch schmunzelte, dass "Heroes"-Fan Steven Spielberg seinen Kindern bald erschrocken das Einschalten verbot.

Von solch prominenten Zuschauern ahnte Quinto freilich noch nichts, als der Reporter am Ende des Gesprächs nach künftigen Wunschrollen fragte. Der Schauspieler grübelte einen Moment, erinnerte sich an das Branchengerücht einer Neuverfilmung von "Star Trek", in der ein junges Ensemble im Raumschiff Enterprise auf Erstmission gehen sollte und empfahl sich mit einer lakonischen Antwort für eine der legendärsten Figuren der Populärkultur: "Die Rolle des Mr. Spock wäre cool."

Kurs auf Spock

"Nein, das war keine Bewerbung", sagt Quinto, 31, und wiegelt ab. "Ich träumte nur laut und hatte keine Ahnung, dass die Antwort so lange von den Medien aufgegriffen würde, bis es wie eine Kampagne in eigener Sache klang."

Für die Neubesetzung des spitzohrigen Vulkaniers, der seit Jahrzehnten untrennbar mit Leonard Nimoys Pokerface verbunden ist, war dann tatsächlich nie ein anderer Kandidat im Gespräch. Zachary Quinto wurde von Regisseur J.J. Abrams ("Mission Impossible: 3", "Lost") vor jedem anderen Mitglied der Enterprise-Crew als erstes und wichtigstes Gesicht der erhofften Franchise-Wiederbelebung präsentiert.

Eine enorm wichtige Entscheidung im Rahmen einer 150-Millionen-Dollar-Investition des finanzierenden Paramount-Studios, die Neugier wecken und Vertrauen aufbauen musste. Unisono schließlich begrüßt gar vom harten Kern jener "Star Trek"-Jünger, die mindestens über Grundkenntnisse in Klingonisch verfügen und alles in Sachen Science Fiction ernst nehmen wie eine Herzattacke.

Wenn man Nimoys Darstellung vor Augen und Quinto gelegentlich in "Heroes" gesehen hat, mutet die Besetzung dieses Mr. Spock für das 21. Jahrhundert allerdings von geradezu vulkanischer Logik an.

Der Sohn italienisch-irischer Eltern ähnelt dem Vorgänger mit seinen dunklen, stechenden Hypnose-Augen und hohen Wangenknochen physiognomisch so sehr, dass die beiden Verwandte sein könnten - und Nimoy, den Quinto schon mal "Lenny" nennt, reicht die Flamme im neuen "Star Trek" gern persönlich in einem Gastauftritt weiter.

Außerdem ist auch Quinto ein Meister des schauspielerischen Minimalismus. Schon die erste und beste Staffel von "Heroes" verstand er als rätselhaft-unweltlicher Schurke allein mit einer strategisch gehobenen Augenbraue zu dominieren. Charisma kann man nicht spielen.

Doch dass auch Shooting Stars nur so gut sein können wie das Material, dass ihnen Autoren auf den Leib schreiben, wurde im weiteren Verlauf der Serie deutlich, als Quintos Bösewicht sein Gewissen entdecken musste und prompt so langweilig wurde wie die Idealisten neben ihm.

Die "Star Trek"-Autoren jedoch holen nun in knapp zwei Stunden mehr aus Mr. Spock heraus, als es Nimoy in seinen gesammelten Kinowerken vergönnt war. Als Sohn eines Vulkaniers und einer irdischen Mutter (zu jung besetzt: Winona Ryder) wird Spocks gewohnt selbstkontrollierte Fassade sehenswert erschüttert, wenn er Gefühle wie Liebe, Verlustschmerz oder Ehrgeiz zu verstehen versucht.

Schlitzohrige Ironie

Mehr analytische Komplexität als "Star Trek" hatten andere Klassiker-Revivals der jüngeren Vergangenheit wie James Bond oder Batman auch nicht zu bieten - und Quinto trägt als Spock das Gros der psychologischen Last, während Captain Kirk vornehmlich als Draufgänger gezeichnet und mit dem Mädchenschwarm Chris Pine besetzt wurde. Kurzum: Kirk mag auch im neuen "Star Trek" die Brücke der Enterprise gehören. Spock aber kommandiert klar die Leinwand.

Es ist immer elektrisierend, einem Star bei seiner Entstehung zusehen zu können. Als Quinto während der "Star Trek"-Werbetournee in Berlin haltmachte, genoss er die letzten Tage der Ruhe vor dem Sturm sichtlich. Mit perfekt sitzendem Anzug und einer millimetergenau gelegten Frisur wirkt der hochgewachsene Schauspieler eher wie ein Model als ein Repräsentant eines Science-Fiction-Franchise.

Obwohl Quinto zuvor die Berliner Nacht zum Tage gemacht hatte, waren seine Antworten messerscharf formuliert und funkelten mit subtilem Sarkasmus: "Meine Karriere ist eine Über-Nacht-Erfolgsgeschichte, die acht Jahre dauerte", sagte er. Oder: "Es wäre logisch, demnächst einen Vampir zu spielen, nachdem ich wegen der angeklebten Spock-Ohren lernen musste, auf dem Rücken zu schlafen."

Natürlich läuft Quinto Gefahr, von einer Figur wie Spock vereinnahmt zu werden, zumal der Dreh einer Fortsetzung im Frühjahr 2010 bereits avisiert ist.

"Sicher", sagt er, "es gibt keine Garantie, dass ich nicht in 20 Jahren bei Fan-Conventions Autogramme gebe und den bedauerlichen Weg eines Mark Hamill gehe, der sein 'Star Wars'-Alter Ego nie los geworden ist." Aber bange sei ihm nicht. "Ich bin nicht in die Schauspielarena getreten, um von Glück abhängig zu sein oder mich in einer Nische einzurichten, sondern weil ich etwas erreichen möchte."

Die tragende Rolle im "Star Trek"-Kosmos betrachtet Quinto als "gewaltige Chance", die ihm Türen öffnen soll, "auch wenn ich aus vertraglichen Verpflichtungen zunächst keine Rollen außerhalb des Sci-fi-Genres annehmen kann. Doch die Zeit wird kommen."

Um es mit Mr. Spock zu sagen: Das erscheint logisch.

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 08.05.2009
1. Wieviele noch?
Und nocht ein Thread. Nach #1 Neuer "Star Trek"-Film: Die beste Pyjamaparty im All (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=7056) Und #2 Regisseur Abrams: "Bei Star Trek lag die Latte niedrig" (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=7086)
viribus, 08.05.2009
2. weniger Hype bitte
Erst einmal abwarten. Am besten ins Kino gehen und sich danach selbst ein Urteil bilden. Mir persönlich kommt die ganze Crew ein bisschen zu jung und zu gelackt daher: OC California trifft Raumpatrouille Orion...
rosomak, 08.05.2009
3. Weier im Pyama
Ich persöhnilch finde, dass "Star Trek" mehr zur Emanzipation von Homosexuellen beigetragen hat, als jeder andere Film!
BenutzernameVergessen 08.05.2009
4. Trek is Back
J.J. Abrams Star Trek ist das beste was dem Franchise passieren konnte. Wie "Khan" von 1982 gibt der Film der Enterprise genug Schub für eine neue Trilogie, und am Ende auch neue Spin-Off TV-Serien, die dann allerdings auch im neuen Orciversum angesiedelt sein werden.
Nellodee 08.05.2009
5. Faszinierend
Hatte Quinto seit den ersten Gerüchten als perfekte Spock-Neu-Inkarnation verbucht. und lag offenbar richtig. Geniales Casting-Glück, hoffentlich ergeht es ihm wirklich anders als Mark Hamill. Aber da habe ich wenig Sorgen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.