Stefan Heym Tod doch kein Unglücksfall

Jetzt hat Israels staatliches Verkehrsbüro dementiert, dass der Tod des Schriftstellers Stefan Heym am 16. Dezember in Jerusalem durch einen tragischen Unfall erfolgte. Die Todesursache sei Herzversagen gewesen.


Stefan Heym
DDP

Stefan Heym

Frankfurt/Jerusalem - Der 88-jährige Berliner Schriftsteller war in Jerusalem gestorben, wo er sich anlässlich einer Heinrich-Heine-Tagung aufgehalten hatte. Heym hielt sich damals im Sheraton Moria Hotel auf, das seitdem offenbar um seinen Ruf fürchtet. Denn zunächst hatten einzelne Zeitungsreporter berichtet, Heym sei auf Grund eines tragischen Unglücksfalls in einem Salzwasserpool ums Leben gekommen. Er sei ausgerutscht und in den Pool gestürzt und habe dabei die giftige Lauge geschluckt. Auch SPIEGEL ONLINE hatte in einer Meldung auf entsprechende Zeitungsberichte verwiesen.

Inzwischen liegt der Redaktion ein Schreiben des Staatlichen Israelischen Verkehrsbüros vor. Dessen Direktor, Yoram Gilady, versichert darin, dass kein Unfall geschehen sei. Heym habe sich zunächst nach einem Schmerzanfall, den er in einem Whirlpool erlitten habe, etwas ausgeruht und sei dann in ein Themalbecken gestiegen. Dort habe er eine zweite Schmerzattacke erlitten. Von einem Sturz könne aber keine Rede sein, auch nicht von einer Vergiftung durch eine "Salz- und Schwefellauge" des Toten Meeres. Richtig sei, dass das Becken mit Wasser des Toten Meere gefüllt war, aber das Baden darin sei "weniger gefährlich als das Baden in anderem salzhaltigen Wasser". Auch dem zuständigen Hotelarzt seien in den letzten zehn Jahren keine Vergiftungsfälle bekannt geworden.

Erfolglose Wiederbelebungsmaßnahmen

Der Facharzt Romeo Bukacha sei viereinhalb Minuten nach dem Schmerzanfall vor Ort gewesen, nicht 20 Minuten später, wie ein Zeitungsreporter berichtet habe. Zuvor habe ein herbeigerufener Wachmann Wiederbelebungsmaßnahmen vorgenommen. Heym habe aber bereits vor seiner Reise über Herzprobleme geklagt und deswegen täglich mehrere Tabletten eingenommen. Das heilsame und mineralhaltige Wasser habe daher "sicher nicht" zum Tod des herzkranken Schriftstellers beigetragen, "dessen Tod wir sehr bedauern", so Gilady. Dies habe auch "die Diagnose des erfahrenen Heilarztes Romeo Bukacha" gezeigt.

Die Beisetzung Stefan Heyms war bereits in der Woche nach seinem Tod auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee erfolgt, zu den Trauergästen zählte unter anderen der Bundeskanzler. Sowohl Heyms Verlag, gute Freunde als auch die Berlin-Brandenburger Akademie der Künste planen in den kommenden Wochen noch eine weitere Gedenkveranstaltung. Ihr genauer Termin steht aber noch nicht fest.

Holger Kulick



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.