Menschen meiner Generation haben Stefan Heym in bester Erinnerung: als Schriftsteller, dessen Werke in der DDR mit großem Interesse gelesen wurde, als herausragenden und daher kritischen politischen Intellektuellen in der DDR und in den ersten Jahren des gesamtdeutschen Staates.
Es gibt unterschiedliche Typen von politischen Intellektuellen. Da ist zum einen der Parteiintellektuelle, dem es nicht ausschließlich um die politische Stellungnahme zu politischen Entwicklungen geht, sondern der dabei immer auch das Handeln seiner politischen Partei mit bedenkt, der zum Beispiel auch aus der Rolle als Politiker spricht. Kautsky, Lenin oder Gramsci stehen regelmäßig für diesen Typ.
Ein anderer Typus findet sein Vorbild beispielsweise in Heinrich Heine. Nicht weniger politisch, lehnt er jedoch die zu enge Verbindung mit einer bestimmten Gruppierung ab. Heines Auseinandersetzung mit Börne zeugt davon. Dieser Typ des Intellektuellen handelt sich mit allen Seiten Ärger ein, aber hat einen außerordentlichen Vorteil: Er tendiert nicht so schnell zum Opportunismus.
Gerade in den staatssozialistischen Ländern bedurfte es des politischen Intellektuellen, der sich von der herrschenden Linie nicht beeindrucken ließ, der aber auch von anderen nicht vereinnahmt werden wollte. Diese Intellektuellen waren Garant dafür, dass nicht Geistlosigkeit das öffentliche Leben beherrschte. Das hat den kritischen Sozialisten Stefan Heym für viele, auch für mich, so wichtig gemacht.
Auch nach der Wende blieb Heym Sozialist. Ich erinnere mich noch an den Aufruf "Für unser Land", den er zusammen mit der jüngst verstorbenen Christa Wolf verfasste. Er wurde 1994 von meiner damaligen Partei, der PDS, als Kandidat für den Wahlkampf um ein Bundestagsdirektmandat nominiert. Stefan Heym konnte den Wahlkreis für sich gewinnen.
Wäre Stefan Heym, der als Offizier der US-Truppen aktiv an der Befreiung Deutschlands teilnahm, nicht in Bundestag gewählt worden, wäre ein anderer Alterspräsident geworden: Alfred Dregger, der in den letzten Kriegswochen immer noch an den "Endsieg" glaubte. Als Alterspräsident eröffnete Stefan Heym den 13. Deutschen Bundestag. Einige Reaktionen waren beschämend und gehässig. Bis dahin war es üblich, dem Alterspräsidenten Respekt zu zollen, den Stefan Heym besonders verdient hätte. Er wurde ihm aber von der CDU/CSU-Fraktion verweigert. Heym war sein ganzes Leben hindurch widerständig. Dem widerstand er auch.
Im Jahr 2013 nähert sich der 100. Geburtstag von Stefan Heym. Ich hoffe, dass dies auch die Heym-Rezeption beleben wird.
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