Streit um Comic-Rechte Supermans späte Rache

Er kämpft für Gerechtigkeit und bringt seinen Eigentümern Millionen: Comic-Held Superman. Ein US-Gericht hat jetzt den Erben von Superman-Schöpfer Jerry Siegel die Hälfte des Copyrights an der Figur zugesprochen - und damit einige lukrativen Filmprojekte in Gefahr gebracht.


In den Comics kämpft Superman für Gerechtigkeit, Wahrheit und den amerikanischen Lebensstil. Zwei ganz realen Menschen aber konnte er keine Gerechtigkeit beschaffen: Jerry Siegel und Joe Shuster, seinen beiden geistigen Vätern. Hierzu brauchte es erst einen jahrelangen Prozess, der nun wenigstens mit einem Teilsieg endete. Jerry Siegels Erben erhalten 50 Prozent an allen Copyrights der Figur Superman. Siegel selbst starb 1996. Bis Mittwoch galten Time Warner respektive deren Tochter DC Comics als Eigentümer des blauroten Helden.

Szene aus "Action Comics" #1 von 1938: Supermans erster Auftritt
DC Comics

Szene aus "Action Comics" #1 von 1938: Supermans erster Auftritt

Die praktischen Konsequenzen sind vor allem monetärer Natur. Rückwirkend bis 1999 steht Siegels Erben die Hälfte aller Einnahmen zu, die durch Superman erzielt wurden. Nicht wenig Geld, immerhin spielte allein Bryan Singers "Superman"-Film von 2006 rund 200 Millionen Dollar allein an den US-Kinokassen ein. Von den Tantiemen der Comic-Hefte und -Bücher natürlich ganz zu schweigen.

Auf die Verwendung der Figur Superman in den Medien hat das spektakuläre Urteil allerdings keinen Einfluss - vorerst. Mit nur 50 Prozent Copyright an der Figur können die Siegels die Pläne von DC Comics und Time Warner nicht blockieren. Aber deutlich verkomplizieren. Schließlich muss Time Warner ab jetzt mit weniger Gewinn kalkulieren. Das könnte sowohl das geplante "Superman"-Sequel ins Schlingern bringen, das Regisseur Singer nächstes Jahr in die Kinos bringen will, als auch den ohnehin schon vom Pech verfolgten Film über die Comic-Adaption "Justice League of America", in dem Superman neben Batman und anderen Heldenikonen gegen kosmische Gefahren antreten soll.

Mit der Gerichtsentscheidung endet die Geschichte eines jahrzehntelangen Tauziehens, die 1937 begann. 130 Dollar zahlte DC Comics in jenem Jahr den beiden aufstrebenden Comic-Künstlern Joe Siegel und Jerry Shuster für eine Kurzgeschichte, die sie einfach "Superman" nannten. Darin ging es um ein Alien vom Planeten Krypton, das aussah wie ein Mensch, einen roten Umhang trug und Verbrecher bekämpfte. In einer Auflage von 200.000 Stück kam die erste Ausgabe von "Action Comics" dann am 18. April 1938 an den Kiosk. Die Auflage reichte kaum aus, um die Nachfrage zu decken.

Billiger wurde eine gute Idee selten verkauft. Siegel und Shuster hatten nicht nur wie nebenher das Genre der Superhelden erfunden, was innerhalb weniger Monate Dutzende Nachahmer auf den Plan rief, Figuren wie Batman und Wonder Woman erzeugte und bis heute floriert. Superman selbst wurde über Nacht zur millionenschweren Marke. Nicht nur weitere Comic-Hefte und -Ableger zum bis heute erscheinenden "Action Comics" folgten, auch Merchandising, Hörspiele und Filme erzeugen kräftige Umsätze.

DC Comics begründete sein Comic-Imperium mit Superman. Der Gerechtigkeitskämpfer wurde zum inoffiziellen Maskottchen des Verlages, der heute noch wöchentlich Dutzende neuer Superhelden-Comics veröffentlicht. Für Supermans geistige Väter zahlte sich die Idee jedoch nicht aus. Sie arbeiteten noch einige Jahre für die Firma, ehe sie sich im Streit vom Verlag trennten. Danach konnten sie nie wieder in der Branche Fuß fassen. Erst 1978 bewilligte DC den beiden eine Art Ehrenrente. Zwei Jahre zuvor war ein US-Gesetz in Kraft getreten, das es Erben ermöglicht, unter bestimmten Umständen Rechte an Kreativleistungen einzuklagen. Eigentümer der Figur Superman bleibt allerdings auch nach diesem Urteil Time Warner.

Perfidie des amerikanischen Urheberrechts: Die Nachlassverwalter des 1992 verstorbenen Joe Shuster müssen noch bis 2013 warten, ehe ihnen die anderen fünfzig Prozent von Superman zufallen. Dann allerdings muss sich DC warm anziehen, denn dann könnten die anderen 50 Prozent der Verwertungsrechte fällig sein. Die müssten sie sich von den Erben Joe Siegels und Jerry Shusters zurückkaufen. Für fraglos mehr als 130 Dollar.



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