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Aufruf gegen Barlach: Prominente Suhrkamp-Autoren drohen mit Abwanderung

Suhrkamp: Aufruhr der Autoren Fotos
DPA

Es wäre ein beispielloser Exodus - und wohl das Ende von Suhrkamp: Über 180 Autoren, darunter Größen wie Hans Magnus Enzensberger und Peter Sloterdijk, drohen, den Verlag zu verlassen. Sie fordern die Entmachtung des Gesellschafters Hans Barlach.

Hamburg - Die Warnung ist klar und deutlich: In einem Aufruf haben sich über 180, zum Teil namhafte Suhrkamp-Autoren gegen den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach gewandt und zudem die Gläubiger des Unternehmens aufgefordert, den Sanierungsplan für den Verlag zu akzeptieren.

In dem Schreiben, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, drohen die Schriftsteller mit ihrer Abwanderung für den Fall, dass der Einfluss Barlachs nicht - wie vom Sanierungsplan vorgesehen - beschnitten wird: Man könne sich eine weitere Zusammenarbeit mit einem Verlag, in dem Hans Barlach maßgeblichen Einfluss ausübe, nicht vorstellen.

Die Unterzeichner rufen deshalb dazu auf, in der Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zuzustimmen. Dann würde Suhrkamp in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, der Einfluss des Minderheitsgesellschafters wäre deutlich geringer.

Zu den Unterzeichnern des Aufrufs gehören mit Hans Magnus Enzensberger, Alexander Kluge und Peter Sloterdijk drei der gewichtigsten Figuren des bundesdeutschen Geisteslebens. Unterschrieben haben weiterhin die Büchnerpreisträger Durs Grünbein und Sibylle Lewitscharoff sowie Uwe Tellkamp, der dem Verlag mit "Der Turm" einen seiner seltenen Bestseller bescherte. Außerdem der Philosoph George Steiner. Er war es, der einst den Begriff "Suhrkamp-Kultur" prägte.

Von besonderem Gewicht dürfte zudem die Unterschrift von Erben weltbekannter Schriftsteller wie Thomas Bernhard oder Hermann Hesse sein. Mit ihren Werken erwirtschaftet der Verlag einen wichtigen Teil seines Umsatzes. Und Barlach hatte öffentlich gefordert, sich stärker auf die Verwertung der Backlist zu konzentrieren.

Sollten alle Unterzeichner den Verlag tatsächlich verlassen - es wäre das Ende des Suhrkamp Verlags, wie man ihn bislang kannte.

Dort tobt seit Monaten ein Machtkampf um die weitere Ausrichtung des Hauses. Hintergrund sind massive Antipathien zwischen den beteiligten Parteien: auf der einen Seite die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz, auf der anderen die Medienholding um Hans Barlach.

Zuletzt hatte Hans Barlach einen Etappensieg errungen: Das Landgericht Frankfurt am Main hatte Mitte September mit einer einstweiligen Verfügung vorerst verhindert, dass die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz der Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft zustimmt. Dagegen wollte die Stiftung Berufung einlegen.

In Frankfurt am Main soll es nun 13. November zum nächsten Showdown kommen: Dann verhandelt die Kammer über konkurrierende Anträge Barlachs und seiner Kontrahentin Unseld-Berkéwicz, sich wechselseitig aus der Verlagsgesellschaft auszuschließen.

Zudem droht Barlach die Zwangsvollstreckung: In einem Schreiben, das unter anderem SPIEGEL ONLINE zuging, kündigte der Anwalt des Schweizer Unternehmers Andreas Reinhart an, seine Forderungen bei Barlach einzutreiben. Barlach hatte Reinharts Suhrkamp-Anteil übernommen und schuldet ihm dafür 6,7 Millionen Schweizer Franken.

sha

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Aufruf? Ein Anruf.
brut_dargent 26.09.2013
Hatte heute das Vergnügen, mit einer Dame am Empfang von Suhrkamp zu plauschen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, das der Verlag in Berlin seinen Sitz hat, aber freundlich geht DEFINITIV anders. Vielleicht ist der Minderheitsgesellschafter einer von denen hier? http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/karriere-von-psychopathen-wie-man-mit-gestoerten-bossen-umgeht-a-924052.html#js-article-comments-box-pager
2. Das ist Erpressung.
Observer 26.09.2013
Nun gelten in der meinungsbildenden Branche andere Gesetzmäßigkeiten, aber hier wird eindeutig zuviel verlangt. Wohin kämen wir, wenn ein paar Schriftsteller das HGB (bzw. AktG etc.) aushebeln könnten???
3. Verkaufen
Europa! 26.09.2013
Zitat von sysopDPAEs wäre ein beispielloser Exodus - und wohl das Ende von Suhrkamp: Über 180 Autoren, darunter Größen wie Hans Magnus Enzensberger und Peter Sloterdijk, drohen, den Verlag zu verlassen. Sie fordern die Entmachtung des Gesellschafters Hans Barlach. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-autorenaufruf-von-enzensberger-sloterdijk-gegen-barlach-a-924702.html
Barlach sollte seinen verrückten Plan, den Suhrkamp-Verlag unter seine Kontrolle zu bringen, endlich aufgeben und seine Anteile an die Wella-Erben verkaufen. Damit könnte er sich - mit etwas Glück - vielleicht noch vor dem endgültigen moralischen und finanziellen Bankrott retten.
4. Konkursrecht
TheGossip 26.09.2013
Wenn ich das richtig sehe, wird die merkwürdige Entmachtung eines Minderheitsgesellschafters durch ein Konkursverfahren gestoppt werden. Die Literaten sollen sich bei der abgesetzten Geschäftsführerin bedanken, aber diese Herrschaften lesen keine Verträge und erst Recht keine Gesetze, oder?
5. Suhrkamp-Verlag
Nachtheinigte 26.09.2013
Zitat von sysopDPAEs wäre ein beispielloser Exodus - und wohl das Ende von Suhrkamp: Über 180 Autoren, darunter Größen wie Hans Magnus Enzensberger und Peter Sloterdijk, drohen, den Verlag zu verlassen. Sie fordern die Entmachtung des Gesellschafters Hans Barlach. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-autorenaufruf-von-enzensberger-sloterdijk-gegen-barlach-a-924702.html
Man erkennt, es ist schon Stück aus dem Tollhaus, was das Recht dem Herrn Barlach überhaupt ermöglicht. Aus purer Profitgier (er sollte besser sein Geld bei einer Investment-Bank anlegen) und grenzenlosem Geltungsbedürfnis, geht er für seine Interessen geht alles vor, was im Wege steht. Und solche Leute schützt noch das Gesetz.
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Suhrkamp: Umwandlung in Aktiengesellschaft geplant

Suhrkamp
Chronologie des Machtkampfs
Im Suhrkamp Verlag schwelt seit Jahren ein Kampf zwischen den Gesellschaftern. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält heute 61 Prozent der Anteile, der Unternehmer Hans Barlach den Rest. Inzwischen geht es um die Existenz des traditionsreichen Verlags, der 2010 von seinem langjährigen Stammsitz in Frankfurt am Main nach Berlin zog.
2014
24. Oktober: In einem endgültigen Beschluss vom 20. Oktober weist das Landgericht die Beschwerde schließlich zurück. Es gibt damit grünes Licht für das Sanierungskonzept von Unseld-Berkéwicz.

21. Juli: Der Bundesgerichtshof teilt mit, er habe die beiden Entscheidungen der Vorinstanz aufgehoben, das Landgericht müsse neu über die Zulässigkeit der Beschwerde befinden.

30. Januar: Barlach legt Beschwerde gegen das Sanierungskonzept ein, die im Februar und im April in zwei Entscheidungen vom Landgericht zurückgewiesen wird.

15. Januar: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg billigt die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft. Die Kammer bestätigt damit die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan.
2013
13. November: Unseld-Berkéwicz und Barlach scheitern mit dem Versuch, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt weist zwei entsprechende Klagen zurück, stellt jedoch fest, dass beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlags begangen hätten.

22. Oktober: Eine zweite Gläubigerversammlung entscheidet über den Insolvenzplan, der diese Umwandlung vorsieht.

12. Oktober: Barlach kündigt an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

3. Oktober: Das Oberlandesgericht Frankfurt hebt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf.

1. Oktober: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

26. September: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren drohen Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er «maßgeblichen Einfluss» auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

10. September: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen.

6. August: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

27. Mai: Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

24. April: Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz kassiert eine weitere Niederlage: Das Landgericht Frankfurt am Main gibt einer Klage der Medienholding AG des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, strittig waren Informationsrechte und Gesellschafterbeschlüsse.

20. März: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilt die von der Suhrkamp-Chefin geführte Familienstiftung zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Bilanzgewinn von 2010 und die Erlöse aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

13. Februar: Das Landgericht Frankfurt am Main vertagt das Verfahren. Es verweist auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen und bestimmt den 25. September als weiteren möglichen Verhandlungstermin.

8. Februar: Barlach beharrt als Voraussetzung für einen Kompromiss auf dem Rückzug der Geschäftsführung.

24. Januar: Die Suhrkamp-Chefin lehnt einen Rücktritt ab.

10. Januar: In einem Appell ergreifen mehr als 70 renommierte Autoren Partei für Verlegerin Unseld-Berkéwicz.

4. Januar: Mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp Verlags fordern eine gütliche Lösung im Gesellschafterstreit.
2012
30. Dezember: Barlach verlangt für eine Mediation den Rückzug der Familienstiftung aus der Geschäftsführung.

17. Dezember: Es wird bekannt, dass der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann nach dem Wunsch der Familienstiftung im Streit vermitteln soll. Barlach lehnt ihn als Mediator aber ab. Suhrkamp zeigt sich trotzdem weiter gesprächsbereit.

15. Dezember: Renommierte Suhrkamp-Autoren wie Uwe Tellkamp stellen sich hinter Unseld-Berkéwicz und drohen mit einem Wechsel des Verlags, falls Barlach dort die Macht bekommt.

13. Dezember: Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung.

10. Dezember: Ulla Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit einen entsprechenden Beschluss der Gesellschafterversammlung vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Die Verlegerin soll wegen der Anmietung von Räumen im Privathaus auch 282.500 Euro Schadensersatz an den Verlag zahlen. Sie legt Berufung ein.

5. Dezember: Die zerstrittenen Gesellschafter verlangen vor einer Handelskammer des Landgerichts Frankfurt am Main, sich gegenseitig auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, verlangt Barlach.
2011
Barlach verklagt die Geschäftsführung unter anderem, weil sie Firmengelder veruntreut haben soll. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen.
2009
Joachim Unseld verkauft seine Beteiligung am Verlag. Sein 20-Prozent-Anteil geht zu gleichen Teilen an die Familienstiftung und Barlachs Medienholding. 2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Berlin.
2006
Der Medienunternehmer Hans Barlach kauft den 29-Prozent-Anteil des Schweizers Andreas Reinhart gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker Claus Grossner. Das Geschäft wird gegen den Willen der Verlagschefin ausgehandelt.
2002
Nach dem Tod von Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld gehen seine Anteile (51 Prozent) an eine Familienstiftung. Diese leitet seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz. 20 Prozent des Verlags gehören Unselds Sohn Joachim, der Rest (29 Prozent) dem Schweizer Investor Andreas Reinhart. 2003: Unseld-Berkéwicz übernimmt die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.

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