Suhrkamp-Querelen Barlach will vorerst auf Millionenausschüttung verzichten

Vordergründig geht es um zwei Millionen Euro, eigentlich aber um die Macht bei Suhrkamp: Miteigner Hans Barlach will nach Informationen des SPIEGEL vorerst auf eine ihm zustehende Gewinnausschüttung verzichten - um so das drohende Insolvenzverfahren abzuwenden.

DPA

Im Kampf um den Suhrkamp Verlag gibt es eine neue Volte: Der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach und seine Medienholding AG (die 39 Prozent an dem Unternehmen halten) haben nach Informationen des SPIEGEL am Mittwoch einen sogenannten Rangrücktritt erklärt. Dieser bezieht sich auf die Ausschüttung von 2,2 Millionen Euro, die das Frankfurter Landgericht Barlach und der Medienholding im März zugesprochen hatte.

Die drohende Auszahlung dieser Summe war einer der Gründe, weshalb der Suhrkamp Verlag Ende Mai ein Schutzschirmverfahren beantragt hatte und sich somit unter die Verwaltung eines Insolvenzverwalters stellte.

Wenn dieses Geld an die Medienholding AG ausgezahlt wird, so argumentierten die amtierenden Geschäftsführer des Suhrkamp Verlags Ende Mai, muss auch die Familienstiftung mit einer Zahlung bedacht werden, die ihrem 61-prozentigen Anteil am Suhrkamp Verlag entspricht; insgesamt wäre dann eine Gewinnausschüttung von rund 5,5 Euro Millionen allein für das Jahr 2010 fällig gewesen. Damit aber wäre der Verlag, so die Geschäftsführung, bilanziell überschuldet gewesen.

Barlach und der Verwaltungsrat der Medienholding erwarten nun, dass auch die Familienstiftung und ihre Vorsitzende Ulla Unseld-Berkéwicz auf die Ausschüttung vorläufig verzichtet, die ihr nach dem Frankfurter Urteil zustünde. Und dass das Schutzschirmverfahren abgewendet werden kann.

Carl Ulrich Mayer, Verwaltungsratsmitglied der Medienholding sagt: "Wir möchten mit dem Rangrücktritt signalisieren, dass wir Interesse haben, am Fortbestand des Unternehmens. Und wir möchten die Gespräche mit Ulla Unseld-Berkéwicz wieder aufnehmen." Aus Sicht der Medienholding ist das verständlich. Wenn das Schutzschirmverfahren eröffnet werden sollte, wird sich der Einfluss des Minderheitengesellschafters voraussichtlich deutlich reduzieren.

Aus Sicht des Suhrkamp Verlags kommt dieser Schritt aber zu spät. "Wir gehen davon aus, dass die Erklärung der Medienholding das Schutzschirmverfahren nicht tangiert. Außerdem bleibt sie hinter dem zurück, was der Verlag im Mai als notwendige Maßnahmen definiert hat", sagt Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil.

Hans Barlach dagegen weist daraufhin, dass seit Eröffnung des Schutzschirmverfahrens auf beiden Seiten "Kohorten von Beratern und Anwälten" beschäftigt seien. Beiden Gesellschaftern entstünden hohe Kosten, Kapital, das im Suhrkamp Verlag "weitaus sinnvoller" investiert werden könnte.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hobbysechs00 19.06.2013
1. da dachte ich mir schon vor jahren als der umzug nach
Berlin anstand, dass die Haupt anteils eignerin ungeeignet ist , eine solche Geschäfts Führung zu leisten. Eine glänzende Fassade ist nicht alles was ein Verlag braucht. Und die Geschäfts Führung mit Anwälten ist genau so daneben .
hobbysechs00 19.06.2013
2. da dachte ich mir schon vor jahren als der umzug nach
Berlin anstand, dass die Haupt anteils eignerin ungeeignet ist , eine solche Geschäfts Führung zu leisten. Eine glänzende Fassade ist nicht alles was ein Verlag braucht. Und die Geschäfts Führung mit Anwälten ist genau so daneben .
carolian 19.06.2013
3. Was für ein Gezerre, wie bei Hempels unterm Sofa.
Es geht um Belletristik und Kultur und solche Barbaren verlegen die. Es geht nur um Macht und Rechthaberei. Lieber lässt man den Lande pleite gehen, als die Macht den anderen zu überlassen. Die geschäftsführende Gesellschafterin Ulla Unseld-Berkéwicz hat den Verlag nicht aufgebaut, aber schafft es schon nach 10 Jahren, ihn in de Pleite zu treiben. Trotz guter Geschäfte.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.