Suhrkamp-Insolvenzverfahren Wella-Erben strecken Autorenhonorare vor

Das Insolvenzverfahren des Suhrkamp-Verlags ist eröffnet. Heißt das, die Autoren bekommen kein Geld mehr? Offenbar nicht: Das Ehepaar Ströher zahlt die Honorare. Pikant daran: Die Wella-Erben sind an einem Einstieg in den Verlag interessiert.

Regenbogenfarbene Suhrkamp-Buchrückenreihe: "Elegante Lösung"
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Berlin/Hamburg - Schön für die Schriftsteller, aber ist diese Leihgabe hilfreich für das Verfahren? Die Darmstädter Unternehmerfamilie Ströher hat sich bereit erklärt, offene Autorenhonorare des insolventen Suhrkamp Verlags vorübergehend zu bezahlen. Der Verlag werde diese Zwischenfinanzierung dann an die Firma der Familie Ströher zurückerstatten, sobald es das Verfahren zulasse, sagte Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil am Montag auf Anfrage. Sie bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Schon vergangene Woche hatte Postpischil bestätigt, dass die Wella-Erbin Sylvia Ströher und ihr Mann Ulrich an einem Einstieg an Suhrkamp interessiert sind. Der Wella-Konzern war 2003 für 6,5 Milliarden Euro an Procter & Gamble verkauft worden. Das Ehepaar selbst soll dabei 1,6 Milliarden Euro bekommen haben. Bisher waren sie vor allem als Kunstsammler aufgefallen.

Doch die Ströhers sind nicht die einzigen Interessenten: Am Freitag hatte auch der Deutsche Taschenbuch Verlag (dtv) in München offiziell sein Interesse an einer Beteiligung bekundet. Gesellschafter von dtv sind die Verlagsunternehmen Ganske Gruppe (Hoffmann und Campe), C.H. Beck, Hanser und die Verlagsgruppe Oetinger.

Vergangene Woche hatte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg auf Antrag von Suhrkamp das Insolvenzverfahren über den Verlag eröffnet. Aus rechtlichen Gründen dürften bis zum Stichtag der Antragstellung aufgelaufene Forderungen erst bezahlt werden, wenn der Insolvenzplan verabschiedet und umgesetzt sei, so Postpischil. Die mit der Familie Ströher vereinbarte Lösung ermögliche es, den Autoren ihre Honorare dennoch zum gewohnten Zeitpunkt zu zahlen. Der "FAZ" gegenüber sprach sie von einer "eleganten Lösung".

Welche Konsequenzen diese Lösung jedoch für die Abstimmung über den Insolvenzplan hat, ist noch nicht abzusehen. Wer das Angebot annimmt, kann jedenfalls nicht mehr in der Gläubigerversammlung über die geplante Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft mitentscheiden. Seine Forderungen wären dann erfüllt, er wäre kein Gläubiger mehr.

Die Entscheidung über die neue Verlagsform soll voraussichtlich im Oktober fallen. Zu dem Insolvenzverfahren war es nach dem jahrelangen Streit zwischen Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz, die 61 Prozent der Verlagsanteile hält, und dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach (39 Prozent) gekommen.

Barlach wiederum prüft inzwischen gegen Teile des seit 2012 gültigen Insolvenzrechts Klage beim Verfassungsgericht einzureichen, wie "Focus" berichtet. Die Einleitung des Insolvenzverfahrens wurde als Versuch der Verlagsleitung interpretiert, die Macht des missliebigen Gesellschafters Barlach einzuschränken.

feb/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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carolian 12.08.2013
1. Damit haben sie die Autoren
Denn Kunst geht nach Geld. Wer die Autoren hat, braucht nicht mehr Suhrkamp. Der kann sich auch Ströbelkamp nennen und es würde klappen. Weil bekannt ist, dass dieser Verlag pünktlich zahlt und nicht unterschlägt. Mit der Insolvenz sind die Verträge mit den Autoren ausgelöst und sie können beliebig wechseln. Schwing Dich auf das fliehende Pferd, Walser.
schlumpf515 12.08.2013
2. optional
Und das pikante daran ist jetzt was? Das reiche Menschen nicht einfach selbstlos Geld verschenken? Oder das Kaufinteressenten versuchen den Laden am Laufen zu halten? So lange alle mit genügend Geld die Chance haben das an die Autoren zu verteilen, ist da nichts pikantes dran.
rabenkrähe 12.08.2013
3. nene
Zitat von sysopDPADas Insolvenzverfahren des Suhrkamp-Verlags ist eröffnet. Heißt das, die Autoren bekommen kein Geld mehr? Offenbar nicht: Das Ehepaar Ströher zahlt die Honorare. Pikant daran: Die Wella-Erben sind an einem Einstieg in den Verlag interessiert. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-insolvenz-wella-erben-stroeher-zahlen-autorenhonorare-a-916102.html
.......... Der Fall Suhrkamp steht, abgesehen von den eigenen Dummheiten, symbolisch für eine tragische Entwicklung in unserer Wirtschaftsgesellschaft: Einmal den immer möchtiger werdenden Investoren, denen es natürlich nur um Rendite geht, und zum anderen um den irrwitzigen Einfluß der Industrie per Werbung und PR. Wo eigentlich haben die nicht mehr die Finger drin, außer in der Rüstungsindustrie natürlich, die ja von ganz anderen nicht minder scham- und verantwortungslos gesponsort wird. rabenkrähe
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