Suhrkamp-Autoren in Aufruhr: Wenn Hänschen zum Satan wird

Dichter statt Richter: Im juristischen Streit um Suhrkamp ergreifen die Autoren das Wort. Auf SPIEGEL ONLINE verwahren sich Friederike Mayröcker, Volker Braun, Thomas Meinecke und Thomas Rosenlöcher gegen die Entmachtung von Ulla Berkéwicz. In der "Zeit" hat Peter Handke gar den Leibhaftigen gesichtet.

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Ulla Berkéwicz vor Unseld-Porträt: Bedroht vom "Abgrundbösen"

Hamburg - "Angst und Schrecken" in der Berliner Pappelallee: Seit das Berliner Landgericht am 10. Dezember 2012 Ulla Berkéwicz als Suhrkamp-Geschäftsführerin abberufen hat, ergreifen die Schriftsteller des in Prenzlauer Berg ansässigen Verlags Partei für sie, die als Witwe des langjährigen Verlegers Siegfried Unseld die Tradition des Hauses symbolisiert - und ebenso häufig gegen Hans Barlach, der als Minderheitseigner die Ablösung von Berkéwicz betreibt. Bei SPIEGEL ONLINE äußern sich nun die Suhrkamp-Autoren Friederike Mayröcker, Volker Braun, Thomas Meinecke und Thomas Rosenlöcher.

In Anspielung auf Hans Barlach schreibt Thomas Meinecke von "bedrohlichen Gestalten, die Angst und Schrecken" zu verbreiten trachten - er gewänne so den Eindruck einer drohenden feindlichen Übernahme. Deshalb seine Solidaritätserklärung: "Ich möchte meine Bücher gern weiterhin unter der bisherigen Leitung des Verlags veröffentlichen."

Was aber stünde auf dem Spiel, wenn Barlach sich im Machtkampf gegen Berkéwicz tatsächlich durchsetzen könnte? Suhrkamp, so der Schriftsteller Volker Braun, wäre "dem Zugriff des Kapitals ausgesetzt". Es drohte, so der Lyriker Thomas Rosenlöcher "geistige Verflachung". Auf dem Spiel stünde, so die Wiener Dichterin Friederike Mayröcker "der bedeutendste Verlag der westlichen Welt".

Auch Peter Handke, seit Mitte der Sechziger bei Suhrkamp, äußert sich zum Streit um den Verlag. In einem Beitrag für die "Zeit" schreibt er über Barlach: "Da handelt ein von Grund böser, ein Abgrundböser. Ein Unhold." Barlach sei "prall des bösen Willens", das geltende Recht schöpfe er "satanisch unermüdlich aus - nimmermüde wie eben nur ein Satan."

Bei so viel Dämonisierung müsste sich Hans Barlach fast geschmeichelt fühlen. Immerhin nimmt man ihn nun ernst. Im Gespräch mit der "FAZ" hatte er sich kürzlich noch beklagt, bei Suhrkamp als "Hänschen" abgetan zu werden.

Die Unseld-Familienstiftung, über deren Mehrheitsanteil bei Suhrkamp Ulla Berkéwicz gebietet, hatte derweil ihrem Konkurrenten ein Vermittlungsangebot unterbreitet: Der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann sollte als Mediator schlichten.

Dass Barlach dies nun, wie die dpa meldet, abgelehnt hat, scheint nachvollziehbar. Attestierte ihm Naumann doch kurz zuvor in "Cicero" indirekt, nicht die Spur einer Ahnung vom Verlagsgeschäft zu haben. Barlach bezeichnet dies als"einseitige Krawall-Stellungnahmen" und schreibt: "Damit machen Sie sich selbst als Mediator ungeeignet. Sie kennen nur das Mantra der bisherigen Geschäftsführung, man verkörpere den Geist und sei damit so wunderbar erfolgreich. Wenn es keine Leute gäbe wie Sie, die diese Ammenmärchen kritiklos verbreiten würden, dann hätten wir uns viele Prozesse ersparen können."

sha/dpa

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