Suhrkamp Schutzschirmverfahren soll Existenz sichern

Ungewöhnlicher Schritt bei der Rettung des Suhrkamp Verlags: Die Geschäftsführung hat ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Nach dieser Art der Insolvenz bleibt der Verlag handlungs- und zahlungsfähig, aber die Gewinnausschüttung wird vorerst gestoppt.

Berliner Verlagszentrale von Suhrkamp: Rettung durchs Schutzschirmverfahren?
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Berliner Verlagszentrale von Suhrkamp: Rettung durchs Schutzschirmverfahren?


Berlin - Mit einer besonderen Art des Insolvenzverfahrens, dem sogenannten Schutzschirmverfahren, will der Suhrkamp Verlag sein Überleben sichern. Die Geschäftsführung habe am Montag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf ein Verfahren nach dem "Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen" eingereicht. Damit will der Traditionsverlag verhindern, dass sein Gewinn an die zerstrittenen Anteilseigner ausgeschüttet wird. Nur so sei der Bestand des Hauses zu sichern. Dem Antrag sei vom Gericht bereits stattgegeben worden, sagte Suhrkamp-Sprecherin Tanja Postpischil.

Um den Verlag tobt seit Jahren ein erbitterter Machtkampf zwischen den Gesellschaftern. Die Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent der Anteile, der Medienunternehmer Hans Barlach den Rest.

Der Schritt sei die Konsequenz aus dem Urteil des Landgerichts Frankfurt vom 20. März, heißt es in einer Mitteilung des Verlags. Danach müssten Forderungen der Gesellschafter gegenüber dem Verlag in Höhe von rund 8,2 Mio. Euro in den Bilanzen berücksichtigt werden. Die Gesellschafter hätten sich nicht über die Ausschüttung der Gewinne einigen können. Das Frankfurter Gericht hatte entschieden, dass Suhrkamp knapp 2,2 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn des Jahres 2010 an seinen Minderheitsgesellschafter Barlach zahlen muss.

"Stabiler finanzieller und rechtlicher Rahmen"

Durch das jetzt beantragte Verfahren müsse der Gewinn nicht ausgeschüttet werden, der Verlag werde so in seiner Existenz geschützt, so Suhrkamp. Das Schutzschirmverfahren sei kein klassisches Insolvenzverfahren. Damit bleibe der Verlag uneingeschränkt handlungs- und zahlungsfähig. Mitarbeiterverträge seien durch die Antragstellung nicht betroffen, Autorenverträge blieben bestehen, erklärte Suhrkamp.

Für den Erhalt des Verlags wichtige Entscheidungen werden nun nicht mehr von den zerstrittenen Gesellschaftern getroffen, sondern von dem vom Gericht bestellten Sachwalter Rolf Rattunde von der auf Insolvenzen spezialisierten Kanzlei Leonhardt Rechtsanwälte (Berlin).

"Die Geschäftsführung des Verlags ist der Überzeugung, dass innerhalb dieses Verfahrens ein stabiler finanzieller und rechtlicher Rahmen für die Fortführung des Verlags gefunden werden kann", heißt es in der Suhrkamp-Erklärung. "Sie geht davon aus, dass das Verfahren innerhalb weniger Monate erfolgreich abgeschlossen sein wird."

hpi/dpa



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