Suhrkamp-Querelen: Schadensersatz an den eigenen Verlag

Neue Runde im Streit um Suhrkamp: In Berlin unterlag Verlagschefin Ulla Berkéwicz vor Gericht dem Minderheitsgesellschafter Hans Barlach - der will sie aus dem Unternehmen drängen. Nun muss die Verlegerin ihrem eigenen Verlag Schadensersatz zahlen.

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Suhrkamp-Chefin Ulla Berkéwicz: Einmaliges Verlagsprofil

Hamburg/Berlin - Im gerichtlichen Streit um den Suhrkamp-Verlag hat der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach einen Punktsieg errungen. Auf seinen Antrag hin verpflichtete das Landgericht Berlin am Montag die Firmenchefin Ulla Unseld-Berkéwicz und ihre zwei Mit-Geschäftsführer, knapp 282.500 Euro Schadensersatz an den Verlag zu zahlen. Barlach hatte der Geschäftsführung vorgeworfen, durch die Anmietung von Event-Räumen im Haus der Verlegerin Privates und Geschäftliches unzulässig vermischt und dem Verlag geschadet zu haben.

Zudem erklärte das Gericht die Entlastung der Geschäftsführung durch die Gesellschafterversammlung im Jahr 2011 für nichtig. Die Gründe der Entscheidung lagen zunächst nicht vor. Ulla Unseld-Berkéwicz ist über eine Familienstiftung mit 61 Prozent am Suhrkamp Verlag beteiligt, der Hamburger Medienunternehmer Barlach hält die restlichen 39 Prozent. Er will in mehreren Verfahren eine Ablösung der Firmenchefin erreichen.

Bereits zuvor hatte Barlach dem Magazin "Focus" gesagt, er habe große Lust, den Verlag zu führen. Vor dem Landgericht Frankfurt versucht der Medienunternehmer derzeit, die Auflösung der Verlagsgesellschaft zu erstreiten, um alle Anteile zu übernehmen. Eine Entscheidung will das Gericht am 13. Februar 2013 verkünden. Suhrkamp-Rechtsanwalt Peter Raue gibt sich im Vorfeld zuversichtlich: "Wir glauben, dass der Auflösungsantrag von Herrn Barlach keinen Erfolg hat, weil ihm jede Substanz fehlt."

Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der seine Bücher bis 2008 bei Suhrkamp veröffentlicht hat, hätte mit einem Ende des Verlags wenig Probleme, wie er der "Bild am Sonntag" sagte. "Ich glaube nicht, dass es ein großer Verlust wäre, wenn dieser Verlag verschwinden würde."

Eine Aussage, angesichts derer fraglich ist, ob sich der einstmals als Literaturpapst bezeichnete Kritiker in den vergangen Monaten überhaupt mit dem Verlag beschäftigt hat.

Das Suhrkamp-Programm ist so stark wie lange nicht: Autoren wie Anna Katharina Hahn ("Am schwarzen Berg"), David Reybrouck ("Kongo"), Ulf Erdmann Ziegler ("Nichts Weißes") und J. J. Sullivan ("Pulphead") tragen zu einem Profil bei, das einmalig ist in der deutschen Verlagslandschaft.

Mit Rainald Goetz' "Johann Holtrop" und Tuvia Tenenboms "Allein unter Deutschen" hat Suhrkamp zudem zwei der zuletzt meistdiskutierten Titel im Programm.

sha/dpa

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