Niederlage für Ulla Unseld-Berkéwicz: Gericht stoppt Suhrkamp-Sanierung

Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz: "Gesellschaftliche Treuepflicht" Zur Großansicht
DPA

Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz: "Gesellschaftliche Treuepflicht"

Neue Wendung im Suhrkamp-Drama: Die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz darf einer Umwandlung des Verlags in eine AG vorerst nicht zustimmen. Damit folgt das Landgericht Frankfurt dem Minderheitseigner Hans Barlach. Die Stiftung will in Berufung gehen.

Hamburg/Frankfurt am Main - Neues Hindernis auf dem Weg zur Sanierung des Suhrkamp Verlags: Das Landgericht Frankfurt am Main hat am Dienstagabend mit einer einstweiligen Verfügung vorerst verhindert, dass die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz der Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft zustimmt.

Damit folgt das Gericht einem Eilantrag des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach. Der wiederum war mit dem Rechtsmittel gegen ein Urteil des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg vorgegangen. Dieses hatte dem Insolvenzplan für den Suhrkamp-Verlag zugestimmt. Gemäß des Plans soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach, der mit der Verlagschefin seit Jahren zerstritten ist, würde durch den Sanierungsplan weitreichende Mitspracherechte verlieren.

Das Landgericht folgt nun seiner Argumentation: Der Insolvenzplan sei einseitig auf die Belange der Familienstiftung ausgerichtet, kritisierte die Kammervorsitzende Claudia Müller-Eising. Die Stiftung habe damit ihre "gesellschaftliche Treuepflicht" gegenüber der Medienholding Barlachs verletzt. Dieser müsse infolge einer Umwandlung in eine AG außerdem mit erheblichen steuerlichen Nachteilen rechnen.

Stefan Richter, Vertreter der Unseld-Stiftung, kündigte an, in Berufung zu gehen: "Die Familienstiftung hält das Urteil für falsch."

Die Suhrkamp-Pressesprecherin Tanja Postpischil äußerte die Zuversicht, den Insolvenzplan dennoch wie vorgesehen umsetzen zu können. Man gehe davon aus, dass die Mehrheit der Stimmberechtigten sich für den Insolvenzplan entscheiden werde.

Fotostrecke

11  Bilder
Verlagsgeschichte: Die Suhrkamp-Kultur
Barlach will der Familienstiftung unter Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft untersagen lassen. Der Stiftung soll verboten werden, auf der Gläubigerversammlung für den Sanierungsplan zu stimmen.

Die Familienstiftung von Unseld-Berkéwicz hält 61 Prozent, Barlach gehören 39 Prozent.

Die Barlach-Anwälte argumentieren, eine Zustimmung der Familienstiftung verstoße gegen "die gesellschaftsrechtlichen Treuepflichten". Außerdem falle bei einer Aktiengesellschaft eine zusätzliche Steuerlast von jeweils zwei Millionen Euro für jeden der bisherigen Gesellschafter an.

sha/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Trauerspiel
THINK 10.09.2013
Zitat von sysopDPANeue Wendung im Suhrkamp-Drama: Die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz darf einer Umwandlung des Verlags in eine AG vorerst nicht zustimmen. Damit folgt das Landgericht Frankfurt dem Minderheitseigner Hans Barlach. Die Stiftung will in Berufung gehen. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-verfuegung-des-landgerichts-frankfurt-gibt-barlach-recht-a-921524.html
Den Hauptbeteiligten kann man überzeugend jegliche Intelligenz absprechen. Für die beteiligten Juristen ist das Suhrkamp-Drama sicher eine Goldgrube.
2. Nun aber Schluss!
pjgudelius 10.09.2013
Du lieber Himmel! Worüber streiten die Dame und der Herr? Um den Suhrkamp-Verlag wohl kaum. Eher um das eigene Ego. Wäre es denn so schlimm, wenn es Suhrkamp nicht mehr gäbe? Sind da nicht noch ein paar andere ehrenwerte und verdienstvolle Verlage? Die Suhrkamp-Autoren würden wohl kaum heimatlos. Vorschlag an Sie, genädige Frau und an Sie, sehr geehrter Herr: Machen Sie, was sie wollen, nur keine Bücher mehr. Peter Gudelius
3.
dwg 10.09.2013
Zitat von sysopDPANeue Wendung im Suhrkamp-Drama: Die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz darf einer Umwandlung des Verlags in eine AG vorerst nicht zustimmen. Damit folgt das Landgericht Frankfurt dem Minderheitseigner Hans Barlach. Die Stiftung will in Berufung gehen. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-verfuegung-des-landgerichts-frankfurt-gibt-barlach-recht-a-921524.html
Nun, man muss Herrn Barlach nicht mögen, aber fast alles, was Frau Unseld-Berkéwicz bisher an seltsamen Winkelzügen bis hin zum völlig missbräuchlichen Einsatz des "Schutzschirmverfahrens" angewandt hat, konnte einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Wenn man sich dann noch die Vergangenheit des "weißen Ritters", der Wella Erben, anschaut, wird es völlig kurios.
4. Unglaublich
Europa! 10.09.2013
Zitat von sysopDPANeue Wendung im Suhrkamp-Drama: Die Familienstiftung um Ulla Unseld-Berkéwicz darf einer Umwandlung des Verlags in eine AG vorerst nicht zustimmen. Damit folgt das Landgericht Frankfurt dem Minderheitseigner Hans Barlach. Die Stiftung will in Berufung gehen. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/suhrkamp-verfuegung-des-landgerichts-frankfurt-gibt-barlach-recht-a-921524.html
Dass es dem Hasardeur Barlach mit Hilfe einer unverständigen Frankfurter Richterin immer wieder gelingt, den Geschäftsbetrieb des Suhrkamp-Verlags zu stören, ist ein Skandal. Die Autoren und Leser dürfen erwarten, dass die Gerichte diesen Mann endlich ruhigstellen.
5. Umsetzung der Gerichtsbeschluesse
Malshandir 10.09.2013
Ich denke, es zeigt sich immer mehr, dass diese Dame unfaehig ist. Sie verschleudert Firmengelder in den Prozessen. Es ist ein Machtkampf und die Gerichte zeigen, dass diese Frau verloren hat. Irgendwo muss man auch mal dazwischen hauen und dieser Dame das handwerk verbieten. Die Loesung waere ein unabhaengiger Geschaeftsfuehrer.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Literatur
RSS
alles zum Thema Suhrkamp
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 23 Kommentare
Fotostrecke
Suhrkamp: Umwandlung in Aktiengesellschaft geplant

Suhrkamp
Chronologie des Machtkampfs
Im Suhrkamp Verlag schwelt seit Jahren ein Kampf zwischen den Gesellschaftern. Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz hält heute 61 Prozent der Anteile, der Unternehmer Hans Barlach den Rest. Inzwischen geht es um die Existenz des traditionsreichen Verlags, der 2010 von seinem langjährigen Stammsitz in Frankfurt am Main nach Berlin zog.
2014
24. Oktober: In einem endgültigen Beschluss vom 20. Oktober weist das Landgericht die Beschwerde schließlich zurück. Es gibt damit grünes Licht für das Sanierungskonzept von Unseld-Berkéwicz

21. Juli: Der Bundesgerichtshof teilt mit, er habe die beiden Entscheidungen der Vorinstanz aufgehoben, das Landgericht müsse neu über die Zulässigkeit der Beschwerde befinden.

30. Januar: Barlach legt Beschwerde gegen das Sanierungskonzept ein, die im Februar und im April in zwei Entscheidungen vom Landgericht zurückgewiesen wird.

15. Januar: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg billigt die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft. Die Kammer bestätigt damit die Zustimmung der Gläubiger zum Insolvenzplan.
2013
13. November: Unseld-Berkéwicz und Barlach scheitern mit dem Versuch, sich gegenseitig als Gesellschafter des Verlags auszuschließen. Das Landgericht Frankfurt weist zwei entsprechende Klagen zurück, stellt jedoch fest, dass beide Seiten erhebliche Treuepflichtverletzungen zum Nachteil des Verlags begangen hätten.

22. Oktober: Eine zweite Gläubigerversammlung entscheidet über den Insolvenzplan, der diese Umwandlung vorsieht.

12. Oktober: Barlach kündigt an, auf Schadenersatz zu klagen, sollte der Verlag wirklich in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden.

3. Oktober: Das Oberlandesgericht Frankfurt hebt die Entscheidung vorläufig auf, nach der Unseld-Berkéwicz nicht über den Insolvenzplan abstimmen darf.

1. Oktober: Eine erste Gläubigerversammlung votiert weitgehend einvernehmlich für die Fortsetzung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung.

26. September: Fast 200 renommierte Suhrkamp-Autoren drohen Barlach mit einem Ausstieg aus dem Verlag, sollte er «maßgeblichen Einfluss» auf das Haus behalten - u.a. Sibylle Lewitscharoff, Hans Magnus Enzensberger, Durs Grünbein und Uwe Tellkamp.

10. September: Das Landgericht Frankfurt verbietet der Verlegerin in einer einstweiligen Verfügung, bei der Gläubigerversammlung ihrem eigenen Insolvenzplan zuzustimmen.

6. August: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet das Insolvenzverfahren. Auf Vorschlag von Unseld-Berkéwicz soll der Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Barlach verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte.

27. Mai: Der Verlag beantragt eine Unternehmenssanierung nach dem neuen Insolvenzrecht. Das sogenannte Schutzschirmverfahren soll verhindern, dass Gewinne an die Anteilseigner ausgezahlt werden.

24. April: Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz kassiert eine weitere Niederlage: Das Landgericht Frankfurt am Main gibt einer Klage der Medienholding AG des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach statt, strittig waren Informationsrechte und Gesellschafterbeschlüsse.

20. März: Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilt die von der Suhrkamp-Chefin geführte Familienstiftung zur Zahlung von knapp 2,2 Millionen Euro an Barlach. Es geht um den Bilanzgewinn von 2010 und die Erlöse aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs.

13. Februar: Das Landgericht Frankfurt am Main vertagt das Verfahren. Es verweist auf die außergerichtlichen Vermittlungsbemühungen und bestimmt den 25. September als weiteren möglichen Verhandlungstermin.

8. Februar: Barlach beharrt als Voraussetzung für einen Kompromiss auf dem Rückzug der Geschäftsführung.

24. Januar: Die Suhrkamp-Chefin lehnt einen Rücktritt ab.

10. Januar: In einem Appell ergreifen mehr als 70 renommierte Autoren Partei für Verlegerin Unseld-Berkéwicz.

4. Januar: Mehr als 160 Wissenschaftsautoren des Suhrkamp Verlags fordern eine gütliche Lösung im Gesellschafterstreit.
2012
30. Dezember: Barlach verlangt für eine Mediation den Rückzug der Familienstiftung aus der Geschäftsführung.

17. Dezember: Es wird bekannt, dass der frühere Kulturstaatsminister Michael Naumann nach dem Wunsch der Familienstiftung im Streit vermitteln soll. Barlach lehnt ihn als Mediator aber ab. Suhrkamp zeigt sich trotzdem weiter gesprächsbereit.

15. Dezember: Renommierte Suhrkamp-Autoren wie Uwe Tellkamp stellen sich hinter Unseld-Berkéwicz und drohen mit einem Wechsel des Verlags, falls Barlach dort die Macht bekommt.

13. Dezember: Barlach verlangt eine neue Geschäftsführung.

10. Dezember: Ulla Unseld-Berkéwicz wird per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin des Suhrkamp Verlags abberufen. Das Landgericht Berlin setzt damit einen entsprechenden Beschluss der Gesellschafterversammlung vom November 2011 rückwirkend in Kraft. Die Verlegerin soll wegen der Anmietung von Räumen im Privathaus auch 282.500 Euro Schadensersatz an den Verlag zahlen. Sie legt Berufung ein.

5. Dezember: Die zerstrittenen Gesellschafter verlangen vor einer Handelskammer des Landgerichts Frankfurt am Main, sich gegenseitig auszuschließen. Sollte es dazu nicht kommen, müsse der Verlag aufgelöst werden, verlangt Barlach.
2011
Barlach verklagt die Geschäftsführung unter anderem, weil sie Firmengelder veruntreut haben soll. Er wirft Unseld-Berkéwicz vor, mit Geld des Verlags in ihrem Privathaus im Berliner Stadtteil Nikolassee Räume für Lesungen und Autoren zu mieten, ohne ihn als Mitgesellschafter vorher zu fragen.
2009
Joachim Unseld verkauft seine Beteiligung am Verlag. Sein 20-Prozent-Anteil geht zu gleichen Teilen an die Familienstiftung und Barlachs Medienholding. 2010: Der Verlag verlegt seinen Sitz von Frankfurt am Main nach Berlin.
2006
Der Medienunternehmer Hans Barlach kauft den 29-Prozent-Anteil des Schweizers Andreas Reinhart gemeinsam mit dem Hamburger Investmentbanker Claus Grossner. Das Geschäft wird gegen den Willen der Verlagschefin ausgehandelt.
2002
Nach dem Tod von Suhrkamp-Leiter Siegfried Unseld gehen seine Anteile (51 Prozent) an eine Familienstiftung. Diese leitet seine Witwe Ulla Unseld-Berkéwicz. 20 Prozent des Verlags gehören Unselds Sohn Joachim, der Rest (29 Prozent) dem Schweizer Investor Andreas Reinhart. 2003: Unseld-Berkéwicz übernimmt die Geschäftsführung. Es gibt auf vielen Ebenen Streit um Kompetenzen.