Traditionsverlag Gericht eröffnet Insolvenzverfahren für Suhrkamp

Nächster Akt im Drama um den Verlag Suhrkamp: Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat das Insolvenzverfahren für das Traditionshaus eröffnet. Seit Monaten tobt der Machtkampf zwischen Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz und dem umstrittenen Medieninvestor Hans Barlach.

DPA

Hamburg/Berlin - Für den traditionsreichen Suhrkamp-Verlag ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die zuständige Richterin Mechthild Wenzel vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigte der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Tageszeitung "Die Welt". Sie habe das Verfahren über das Vermögen der Suhrkamp KG am Dienstagabend eröffnet, so Wenzel.

Der "Welt" zufolge hatte der Sachwalter Rolf Rattunde einen Insolvenzplan vorgelegt, mit dem die Zukunft des Unternehmens gesichert werden soll. Wie der Verlag mittlerweile bestätigte, sieht der Plan die Umwandlung von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft vor. Damit würde der Minderheitsgesellschafter Hans Barlach voraussichtlich seine zahlreichen Sonderrechte verlieren.

In einer Pressemitteilung äußerte eine Verlagssprecherin die Hoffnung: "Durch die Änderung der Rechtsform wird der insolvenzauslösende Gesellschafterstreit das operative Geschäft des Verlags nicht länger beeinträchtigen können." Zukünftig werde ein Vorstand - kontrolliert von einem durch die Aktionäre gewählten Aufsichtsrat - eigenverantwortlich handeln.

Darüber hinaus sehe der Insolvenzplan vor, dass der Insel Verlag, der operativ vollständig von Suhrkamp abhängig ist, Tochtergesellschaft des Verlags wird.

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Verlagsgeschichte: Die Suhrkamp-Kultur
Ende Mai hatte der Verlag ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Danach haben die Beteiligten bis zu drei Monate Zeit, Sanierungsvorschläge zu unterbreiten. Die Einleitung des Insolvenzverfahrens kommt infolgedessen nicht unerwartet. Sie ist der juristisch folgerichtige Schritt, um das Überleben des bedeutendsten Literaturverlags der Bundesrepublik zu sichern - trotz des lang anhaltenden Machtkampfs zwischen Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz und dem umstrittenen Medieninvestor Hans Barlach.

sha/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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AndreBauer 07.08.2013
1. dem Einen Leid
dem Anderen sein Freud
hansulrich47 07.08.2013
2. Ob Suhrkamp 'muss' ist fraglich!
Das ist doch nur ein Versuch den bösen Gegner in die Knie zu zwingen! Aber velleich kauft der die Konkursmasse???
Mertrager 07.08.2013
3. umstriien
Also wenn Herr Barlach ein "umstrittener Medieninvestor" ist, dann muß man Frau Unseld-Berkéwicz eine "umstrittene Verlagschefin" nennen. Sonst hat das eine nicht belegbare Tendenz.
founder 07.08.2013
4. Ein Symbol für den "Ich muss alles sofort haben grenzenlosen Gier Kapitalimus"
Diese Gier wird ja gepredigt. Ich werde regelmäßig am Telefon von Marketingmenschen heimgesucht. Kaufen Sie diese Aktie! Die können es nicht verstehen, wie man länger als ein paar Monate eine Aktie halten kann. Schnell kaufen und verkaufen, so lernt man es doch heute. Diese Insolvenz ist ein weiterer Beweis dafür, dass dieser extrem Kurzsichtigen Gier Kapitalismus nicht funkioniert, nicht funktionieren kann.
michi234 07.08.2013
5. eilmeldung
weniger qualitativ lassen sich seiten nicht füllen
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