Suhrkamp-Tochter Insel Verlag meldet Insolvenz an

Ein Traditionsverlag im Strudel der Suhrkamp-Querelen: Das Tochterunternehmen Insel hat Insolvenz angemeldet.

Insel-Bücherei: Lieblingsobjekt des jungen Vorkriegsbürgertums
Insel Verlag

Insel-Bücherei: Lieblingsobjekt des jungen Vorkriegsbürgertums


Berlin - Infolge des Insolvenzverfahrens bei Suhrkamp hat auch der Insel Verlag Insolvenz angemeldet. Der Schritt sei eine rechtlich zwingende Folge des Antrags, den Suhrkamp Ende Mai gestellt hatte, sagte Verlagssprecherin Tanja Postpischil und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Die Welt".

Das Geschäft des Insel Verlags, in dem neben der traditionsreichen Insel-Bücherei mit Werken wie denen Rainer Maria Rilkes, auch Sachbücher wie Pola Kinskis "Kindermund" und außerdem Unterhaltungsromane veröffentlicht werden, laufe normal weiter. Suhrkamp und Insel seien eng verflochten, so dass der Insolvenzantrag für Insel unausweichlich gewesen sei, sagte Postpischil.

Suhrkamp hatte ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg beantragt. Der Verlag sollte nach einem Gerichtsurteil 2,2 Millionen Euro als Gewinnausschüttung an den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach auszahlen. Mit dem Schutzschirm war die Auszahlungspflicht zunächst ausgesetzt worden. Barlach hat inzwischen auf eine Ausschüttung verzichtet, allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Die von der Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz angeführte Familienstiftung und Barlach streiten seit Jahren über die Führung des Traditionshauses, das durch Querelen bedroht ist.

kha/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Friedberger 02.07.2013
1. Rilke???
Von diesem Autor - einst eine Säule der 'Insel' und ein ungebrochen boomender Autor der Weltliteratur - hat sich dieses Verlagskonglomerat schon lange verabschiedet. Die Insel hat keine große Rilke-Ausgabe mehr. Die Rilke-Leser werden den aktuellen Ruinen in Berlin keine Tränen nachschicken.
AndyDaWiz 02.07.2013
2. es ist wie immer
alle glauben, Unternehmen koenne man endlos melken. Und dann macht es UPS und das Unternehmen ist weg. Nur Banken und der Staat drucken sich das Geld selber, sonst niemand.
Widerpart 02.07.2013
3.
Ach, was werden sie jetzt Krokodilstränen vergießen, all die Autoren des Suhrkamp-Verlages, die der Verlegerwitwe Ulla Unseld-Berkéwicz rührselige Ergebenheitsadressen schickten, als der von Peter Handke zum "Satan" erkorene Minderheitsgesellschafter Hans Barlach auf seine, inzwischen gerichtlich bestätigten Ansprüche pochte. Gewiss - Barlach ist besonders inniger Beziehungen zu anspruchsvoller Literatur kaum verdächtig und schielt wohl eher nach dem prallen Euter der Melkkuh Backlist. Doch auch die von ihren Gegnern als "Hexe" geschmähte Verlagschefin verfügt augenscheinlich über nur ein sehr begrenztes literarisches Gespür. Denn es gehört schon eine Portion Hybris dazu, kraft der Stellung als Verlegerin die eigenen, eher mittelprächtig verfassten Texte als Suhrkamp-Bücher drucken zu lassen. Und was hätte wohl der allem esoterischen Schnickschnack abholde Hausautor Hermann Hesse zu dem mystischen Geraune der ehemaligen Schauspielerin gesagt? Ulla Unseld-Berkéwicz indes glaubte, den ihr missliebigen Barlach durch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren aus dem Suhrkamp-Verlag manövrieren zu können. Dass sie aber damit auch den Leuchtturm der deutschen Literaturlandschaft, den Insel-Verlag, zum Einsturz bringen könnte, das hatte die offenbar von Rachegelüsten gepeinigte Verlegerin glatt übersehen. Wie werden sie nun barmen um den unnötig in die Insolvenz getriebenen Insel-Verlag, all jene Autoren, die dem Charme der Unseld-Witwe erlegen waren und darüber die eigenen geistigen Ansprüche vergessen haben. Vielleicht mag sich der eine oder andere düpierte Suhrkamp-Autor in Gryphius-Nachfolge ja nun aufschwingen zur Trauerode "Insel-Gedanken".
hennerm 03.07.2013
4.
@Widerpart Danke für diesen guten und überaus zutreffenden Kommentar. Unseld-Berkéwicz hatte leider nie das Format, die Größe und die Chuzpe ein solches Urgestein wie den Suhrkamp-Verlag zu führen. Bei der ihr eigenen verzerrten Wahrnehmung ihres Selbst, belegt durch ihren Umzug nach Berlin, um die nicht vorhandene Größe äußerlich durch Weltstadtgebammel zu sublimieren. Auch die Veröffentlichung ihrer eigenen überaus dilettierenden Literaturversuche, sprechen Bände. Da kann so ein kleiner Gift-Zwerg wie Barlach schnell zum Stolperstein werden, ein Tritt gegen die tönernen Füße genügt. Und so ist es.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.