Wichtigste deutsche Kulturauszeichnung Swetlana Alexijewitsch erhält Friedenspreis des Buchhandels

Tschernobyl, der Afghanistan-Krieg und der Zusammenbruch der Sowjetunion: In ihren Werken verknüpft Swetlana Alexijewitsch unzählige Erinnerungsfetzen zu einem vielstimmigen Ganzen. Jetzt wird die Weißrussin mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt.

Swetlana Alexijewitsch: "Bild aus tausend Stimmen"
Ekko von Schwichow

Swetlana Alexijewitsch: "Bild aus tausend Stimmen"


Hamburg/Frankfurt am Main - Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch erhält 2013 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Dies teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main mit.

In der Begründung heißt es: "Mit den Berichten über Tschernobyl, über den sowjetischen Afghanistan-Krieg und über die unerfüllten Hoffnungen auf ein freiheitliches Land nach dem Auseinanderbrechen des Sowjetimperiums lässt sie in existentiellen Enttäuschungen spürbar werden." Swetlana Alexijewitsch habe durch die Komposition ihrer Interviews, die auch die Grundlage ihres im August in deutscher Übersetzung erscheinenden Buches "Secondhand-Zeit" bilden, zu einer eigenen literarischen Gattung gefunden.

Alexijewitsch wurde 1948 im westukrainischen Iwano-Frankiwsk als Tochter einer Ukrainerin und eines Weißrussen geboren. Sie studierte Journalistik an der Universität Minsk und arbeitete danach zunächst als Lehrerin und dann als Reporterin und Redakteurin für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.

Auf Deutsch erschienen seit 1985 unter anderem die Werke "Die letzten Zeugen. Kinder im Zweiten Weltkrieg", "Zinkjungen. Afghanistan und die Folgen" und "Tschernobyl. Eine Chronik der Zukunft".

Ihr literarisches Verfahren erläuterte Swetlana Alexijewitsch 1998 anlässlich der Verleihung des Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung: "Aus tausend Stimmen, Episoden unseres Alltags und Daseins, aus Worten und aus dem, was sich hinter ihnen und zwischen den Zeilen verbirgt, setzte ich zusammen - nein, nicht eine Realität (denn die Realität ist unerkennbar), sondern eine Vorstellung, ein Bild."

Swetlana Alexijewitsch lebt im weißrussischen Minsk. Immer wieder geriet sie im Laufe ihres Schaffens in Konflikt mit der Obrigkeit und den Zensurbehörden. In Weißrussland sind ihre Bücher seit der Machtübernahme Lukaschenkos verboten.

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gilt als wichtigster Kulturpreis der Bundesrepublik. Er wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben und ist mit einem Preisgeld von 25.000 Euro dotiert. Er wird anlässlich der Frankfurter Buchmesse am 13. Oktober bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

2012 war der chinesische Autor Liao Yiwu mit dem Friedenspreis ausgezeichnet worden.

sha



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