"Tarzan vom Prenzlauer Berg" DDR-Autor Adolf Endler gestorben

Er war eine treibende Kraft in der literarischen Untergrund-Bewegung der DDR und wurde als potentieller Unruhestifter bespitzelt: der Lyriker und Prosa-Autor Adolf Endler. Jetzt ist der Schriftsteller 78-jährig verstorben.


Berlin - Endler starb am Sonntag nach langer schwerer Krankheit, teilte der Wallstein Verlag in Göttingen am Montag mit.

Untergrund-Schriftsteller Endler: heiter-sarkastische Betrachtungen
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Untergrund-Schriftsteller Endler: heiter-sarkastische Betrachtungen

Der Lyriker, Essayist und Prosa-Autor machte vor allem als Teil der oppositionellen Literaturszene am Prenzlauer Berg im Ostteil Berlins auf sich aufmerksam.

1955 war der in Düsseldorf geborene Jungkommunist freiwillig nach Ost-Berlin übergesiedelt. Er hatte im Westen für die Weltfestspiele der Jugend geworben, ein in den vierziger Jahren ins Leben gerufenes und vor allem von linksgerichteten Gruppen besuchtes Jugendtreffen. Der bundesdeutsche Verfassungsschutz klagte ihn daraufhin wegen "Staatsgefährdung" an - für Endler Anlass, seiner alten Heimat mit gerade mal 25 Jahren den Rücken zu kehren.

Endler identifizierte sich mit der DDR, was Kritikern zufolge bereits seine frühen Werke erkennen ließen. Sogar ein "Gedicht zur Begrüßung der Mauer" will er geschrieben haben. Doch schon Mitte der Sechziger verabschiedete sich der Schriftsteller von den idyllischen Vorstellungen des Lebens und Schaffens in der Deutschen Demokratischen Republik. Er schrieb zum Teil scharfe Polemiken gegen das harmonisierende Sozialismusbild seiner Zeitgenossen und geriet als Außenseiter und Unruhestifter bald ins Visier der Stasi.

1979 wurde Endler als einer von neun Autoren aus dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen. Die SED wollte an ihnen eine Exempel statuieren und der ihrer Meinung nach überhand nehmenden Meinungsmacht der Literaten Einhalt gebieten. Für Autoren entsprach ein solcher Ausschluss seinerzeit nahezu einem Publikationsverbot, so dass Adolf Endler bis in die achtziger Jahre vornehmlich in Untergrundzeitschriften veröffentlichte.

In Westdeutschland gelangt er nach der Wende zu spätem Ruhm: In den Neunzigern wurde sein Erinnerungsband "Tarzan am Prenzlauer Berg" veröffentlicht, benannt nach einem der Pseudonyme, unter denen Endler zu DDR-Zeiten Texte verfasst hatte.

Zuletzt erschienen sein autobiografisches Buch "Nebbich. Eine deutsche Karriere", heiter-sarkastische Betrachtungen aus einem untergegangenen Staat, sowie sein Gedichtband "Krähenüberkrächzte Rolltreppe" und die Lästerrede "Nächtlicher Besucher, in seine Schranken gewiesen".

In seiner fast 50-jährigen Laufbahn als Dichter und Schriftsteller wurde Endler mit wichtigen Literaturpreisen geehrt, darunter dem Brüder-Grimm-Preis und dem Peter-Huchel-Preis.

can/rox/dpa



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