Taschenbuch-Bestseller Auf alle Felle spannend

Du blödes Schaf! Spätestens nach der Lektüre von Leonie Swanns tierischem Krimi "Glennkill" wird man diese Schmähung ad acta legen. In ihrem Romandebüt suchen wollige Vierbeiner einen Mörder.


Eines Morgens liegt der Schäfer George Glenn leblos im irischen Gras, ein Spaten ragt aus seiner Brust. Die Schafe von George sind entsetzt: Wer kann den alten Mann umgebracht haben? Und warum? Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, beginnt, sich für den Fall zu interessieren. Glücklicherweise hat George den Schafen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Unerbittlich verfolgen sie die Spur des Täters. Zwischen Weide und Dorfkirche, Steilklippen und Schäferwagen warten ungeahnte Abenteuer auf Miss Maple und ihre Herde – bis es ihnen tatsächlich gelingt, den rätselhaften Tod ihres Hirten aufzuklären.

Swann-Bestseller: Klassische Beutetiere kennen die Täter-Opfer Problematik

Swann-Bestseller: Klassische Beutetiere kennen die Täter-Opfer Problematik

Den ersten längeren Kontakt zu Schafen hatte die Münchnerin Swann – ein Pseudonym, mit dem sie ihre öffentliche Rolle als Autorin von ihrem Privatleben trennt – während ihres Studiums auf der Grünen Insel, wo auch ihr Roman spielt. "So richtig viel wusste ich zunächst nicht über sie", erinnert sie sich. Schafe hielt sie generell für dumme Tiere, die nur grasen und blöken können.

Doch bei längerer Beobachtung fiel ihr auf, dass sie die zotteligen Wolllieferanten unterschätzte: "Sie sind vielleicht keine Geistesgrößen, aber sie sind hartnäckig, praktisch und manchmal sogar ziemlich verwegen." Als klassische Beutetiere, so Swann, kennen sie die Krimi-Grundproblematik von Opfer und Täter, Fressen und Gefressenwerden sehr gut und verstehen sich als Herdentiere gut auf Teamarbeit. Für die 32-Jährige Gründe genug, es einmal mit "Detektiv-Schafen" zu versuchen.

Selbstverständlich unterhaltsam

Mit Erfolg: Im Hardcover (ebenfalls bei Goldmann erschienen) wurde "Glennkill" bislang 320.000-mal verkauft, der Titel besetzt Platz 3 der SPIEGEL-Jahresbestsellerliste 2006. Lizenzen wurden in 23 Länder abgegeben. Die erste Lizenz ging nach Großbritannien – eine äußerst rare Ehrung für ein Krimi-Debüt. Swann glaubt, den Nerv der englischen Leser getroffen zu haben, den sie durch ihre Lektüreerfahrungen im Studium kennen gelernt hat: "Mir gefällt die Selbstverständlichkeit, mit der englische Autoren rein unterhaltende Texte schreiben".

Leonie Swann lebt in Berlin und trägt sich mit einer Fortsetzung des Krimis. Außerdem arbeitet sie noch an einem Projekt, das in Richtung Fantastik geht. Swann: "Fantasy-Romane finde ich toll. Gerne würde ich einen eigenen Kosmos schaffen."

Helge Rehbein, Buchreport


Leonie Swann: "Glennkill", Goldmann, 8,95 Euro



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