Taschenbuch-Bestseller: Später Ruhm eines rauschhaften Romans

Mehr als 60 Jahre nach der Erstveröffentlichung erfährt "Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada weltweit eine Renaissance. Die neu aufgelegte Taschenbuch-Ausgabe erobert nun auch in Deutschland Platz 13 der SPIEGEL-ONLINE-Belletristik-Bestsellerliste.

Der Anfang wurde 2009 in England gemacht. Über die britischen Inseln und die USA schwappte die Welle im vergangenen Jahr auch bis nach Deutschland. Mehr als 60 Jahre hat es gedauert, bis aus Hans Falladas Roman "Jeder stirbt für sich allein" ein weltweiter Bestseller wurde, übersetzt in über 30 Sprachen, darunter auch Französisch, Niederländisch, sogar Hebräisch und Norwegisch.

Fallada schreibt das Buch 1946 innerhalb von nur dreieinhalb Wochen. Noch vor der Veröffentlichung Anfang des folgenden Jahres stirbt er. 1975 wird der Stoff mit Hildegard Knef und Carl Raddatz in den Hauptrollen verfilmt, dann ist es lange Zeit ruhig um die Geschichte eines Berliner Ehepaars, das den Nationalsozialisten Widerstand leistete, nachdem ihr Sohn in Hitlers Krieg gefallen war. Auf handgeschriebenen Karten formulieren sie ihre Botschaften und verteilen diese in Berlin. Doch während das Ehepaar noch vom Erfolg ihrer Mission träumt, ist Kommissar Escherich den beiden schon längst auf der Spur.

Das Buch beruht auf einer wahren Begebenheit. Ab 1940 legten Otto und Elise Hampel zwei Jahre lang rund 200 Karten in ungelenkem Deutsch mit Forderungen wie "Deutsche Männer und Frauen Wir müssen an uns selbst glauben! Nicht dem Schurken Hitler" in Treppenhäusern, Telefonzellen und U-Bahnhöfen aus. Der Lyriker und spätere DDR-Kulturminister Johannes R. Becher gab Fallada die Gestapo-Akte des Falls und bat ihn, daraus einen Roman zu schreiben. Der Schriftsteller lehnte zunächst ab, weil er lieber über "etwas Erfreuliches schreiben möchte" und nicht "mit mahnendem Zeigefinger erinnern".

Doch Becher hat gute Argumente: Er sorgt für eine Wohnung, Lebensmittel und Morphium, ohne das Fallada zu jener Zeit nicht mehr leben konnte. In einem rauschhaften Zustand tippte er 36 Schreibmaschinenseiten pro Tag. Ergebnis: ein Meisterwerk.

Christina Reinke, buchreport

Buchtipp

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Literatur
RSS
alles zum Thema Literatur
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren