Taschenbuch-Bestseller Laudo, laudas, laudat...

...laudamus, laudatis, laudant: Generationen von Gymnasiasten mussten sich mit lateinischer Grammatik plagen. Dass die Sprache Spaß machen kann, beweist der Altphilologe Wilfried Stroh. Sein Buch "Latein ist tot, es lebe Latein!" startet auf der Taschenbuch-Bestsellerliste gerade richtig durch.


"Latein ist immer nur so tot, wie wir es sein lassen", sagt Wilfried Stroh. Und der 68-jährige Altphilologe lässt es alles andere als tot sein. Er ist zwar schon seit 2005 emeritiert, leitet an der Münchner Uni aber nach wie vor Lateinkolloquien, in höchst lebendiger Art und Weise. Er spricht Latein wie andere Englisch oder Französisch, hat in der Sprache sogar schon gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf und gegen den Münchner Flughafen protestiert.

Stroh-Cover: Englisch kann jeder, aber Latein?

Stroh-Cover: Englisch kann jeder, aber Latein?

Stroh, der in der bayerischen Landeshauptstadt fast 30 Jahre lang ordentlicher Professor war und in Freising wohnt, hat als Lehrpraktikant erstmals die Lebendigkeit der lateinischen Sprache bewiesen. Er stand vor einer Schulklasse, die es unter Kontrolle zu bekommen galt. Als "Valahfridus" auf einmal die lateinische Konversation begann, war die Klasse voll bei der Sache.

In seinem Buch "Latein ist tot, es lebe Latein. Kleine Geschichte einer großen Sprache" berichtet der Cicero-Fan von den Ursprüngen des Lateinischen, seinem Siegeszug im römischen Imperium, seinem Niedergang und seiner Karriere als Sprache der Wissenschaft. Nicht unerwähnt bleibt in dem Buch auch, dass Latein im wahrsten Sinne des Wortes bereichernd sein kann: Mit guten Lateinkenntnissen hat man angeblich die besten Chancen, bei "Wer wird Millionär?" zu gewinnen. Nebenbei werden auch lateinische Redewendungen für den gepflegten Smalltalk vermittelt.

Die Zahl der Schüler, die Latein lernen, steigt: 2006 waren es bundesweit 808.000 und damit 31 Prozent mehr als noch sechs Jahre zuvor. Mit Dozenten wie Wilfried Stroh ist das kein Wunder. Die Lateiner können ihm danken. "Keine Schuld ist dringender als die, Dank zu sagen", meinte schon Cicero.

Ingo Schiweck, "Buchreport"


Wilfried Stroh: "Latein ist tot, es lebe Latein! Kleine Geschichte einer großen Sprache", List Verlag, 414 Seiten, 9,95 Euro



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