Taschenbuch-Bestseller Method Acting beim Thrillerschreiben

Allein und wehrlos in der Dunkelheit - die Kanadierin Joy Fielding hat aus diesem Urangst-Szenario ein Buch gemacht. Ihr Thriller "Im Koma" steigt in dieser Woche auf Platz vier der SPIEGEL-ONLINE-Taschenbuch-Bestsellerliste ein.


Das Spiel mit Urängsten ist ihr Element. Schon als Zwölfjährige habe sie ein Fernsehdrehbuch geschrieben, erzählte die 1945 geborene Joy Fielding einmal - über eine Zwölfjährige, die ihre Eltern umbringt. Das Drehbuch wurde abgelehnt, aber ihre Eltern hatten schlaflose Nächte. Wahr oder gut erfunden?

Gut erfunden sind jedenfalls die Szenarien in ihren Psycho-Thrillern. So wie das von der wohlhabenden und glücklich verheirateten Casey in "Im Koma", die sich nach einem Autounfall im Wachkoma wiederfindet. Casey ist blind und artikulationsunfähig, aber nicht taub. Aus den Gesprächen in ihrem Zimmer erfährt sie, dass der mysteriöse Unfall kein Unfall war und ein guter Freund in ihrer Nähe kein Freund ist, sondern ein Mörder, der auf die nächste Gelegenheit zum Zuschlagen lauert.

In den USA landete Joy Fielding mit "Still Life" (so der Originaltitel von "Im Koma") auf der "New York Times"-Bestsellerliste, genau wie mit ihren 16 davor veröffentlichten Thrillern auch. Dabei hätte die Kanadierin nach ihrem Anglistikstudium in Toronto die Schriftstellerei fast an den Nagel gehängt. Da zog Joy Tepperman, wie sie damals noch hieß, nach Hollywood, um Karriere als Schauspielerin zu machen. Deren Höhepunkt blieb aber ein Auftritt in der Westernserie "Rauchende Colts" und "ein Kuss von Elvis Presley", wie Fielding auf ihrer Website schreibt.

In den Siebzigern kehrte sie deshalb zum literarischen Spiel mit den Urängsten zurück und machte düstere Plots mit weiblichen Hauptfiguren zu ihrem Markenzeichen. Dabei immerhin helfe ihr die Erfahrung als Schauspielerin sehr, erklärt die Autorin. Ihre Hauptfiguren entwickele sie genauso wie eine Darstellerin beim Method Acting ihre Rollen. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto und Palm Beach/Florida. In den USA kommt Ende Februar ihr neuer Psychothriller "Now You See Her" in die Buchläden.

David Wengenroth, buchreport

Buchtipp

Joy Fielding:
Im Koma

Übersetzt von Kristian Lutze.

Goldmann Wilhelm; 415 Seiten; 9,99 Euro.

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insgesamt 1302 Beiträge
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Seite 1
BerSie, 13.08.2008
1. Gegen den Tag
Ob lesende Hund, sprechende Kugelblitze, oder das Michelson-Morley-Experiment... seltsam ist die Faszination des neuen Pynchon, der mich immer mehr in den Bann zieht! PS Wär ja schön, wenn hier auch Sachbuchbesprechungen toleriert würden!
joachim durrang 13.08.2008
2. bücher
ich lese hauptsächlich meine eigenen texte
kurzundknapp, 13.08.2008
3.
Zitat von joachim durrangich lese hauptsächlich meine eigenen texte
Wow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
BerSie, 13.08.2008
4.
Zitat von kurzundknappWow, besser als Goethe, Shakespeare und Benn? Glückwunsch....
Was der wohl textet, wenn keiner zukuckt?:-)
Muffin Man, 13.08.2008
5.
Unter den Neuerscheinungen sind es in letzter Zeit nur zweie gewesen, die meine Neugier soweit geweckt habe, das Portemonnaie zu zücken: Muriel Barberys "Die Eleganz des Igels (http://www.dtv.de/eleganz_des_igels/index.html)", eine möglicherweise interessante Gegenüberstellung zweier Außenseiterpositionen, ich hab's allerdings wegen eines höheren Stapels älterer Bücher, die ich noch vorher lesen will, kaum angerührt... und Cornelius Medveis "Mr. Thundermug (http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=22701)", dessen Story allerdings ziemlich simpel ist - naja, DAS ist's ja auch, was Lesepublikum und Lektoren verlangen...
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