Taschenbuch-Bestseller Mit der Wurst kamen die Bücher

Ihre ersten Romane ließ Nele Neuhaus auf eigene Kosten drucken, lagerte die Bücher in ihrer Garage und bot sie persönlich den Buchhändlern an. Mittlerweile ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen. Mit "Wer Wind sät" steht sie jetzt auf Platz eins der Taschenbuch-Bestsellerliste.


Es ist gerade einmal sechs Jahre her, dass Nele Neuhaus ihr erstes Buch bei einem Book-on-Demand-Verlag in Druck gab. Auflage: 500 Exemplare. Die Startauflage ihres aktuellen Werks: 150.000 Stück, weitere 100.000 sind bereits im Druck. "Wer Wind sät" ist ihr fünfter Taunuskrimi, auch die vier Vorgängertitel sind allesamt unter den Top 50 der SPIEGEL-Bestsellerliste vertreten und bringen es auf eine Gesamtauflage von über einer Million verkauften Büchern.

Bis zum Bestsellerruhm war es allerdings ein mühsamer Weg für die 43-Jährige, die mit Mann und Hund in Kelkheim am Taunus lebt: Nachdem Buchverlage auf ihre Manuskript-Einsendungen mit höflichen Absageschreiben geantwortet hatten, veröffentlichte sie im Selbstverlag, bot ihre Regionalkrimis Buchhändlern der Umgebung an und organisierte Lesungen.

Nebenbei arbeitete sie in der Fleischfabrik ihres Mannes, der für ihre schriftstellerischen Ambitionen kein Verständnis aufbrachte. Doch die Nachfrage nach den nächsten Krimis wuchs stetig. Um die Auslieferung bewältigen zu können, packten die Fahrer des Familienbetriebs bei ihren Touren Bücherkartons ein. "Die Buchhändler wussten dann: Wenn der Wurstlieferant kommt, dann kommen die Bücher von der Neuhaus", erinnert sich die Autorin.

Schließlich wurde Ullstein auf sie aufmerksam, nachdem ein Vertreter des Verlags erfuhr, dass sich "Mordsfreunde", das Buch einer unbekannten Schriftstellerin, im Weihnachtsgeschäft 2007 besser verkauft hatte als "Harry Potter". Das Lokalkolorit ihrer Bücher steht offenbar auch einem internationalen Erfolg nicht im Wege: "Schneewittchen muss sterben", ihr vierter Krimi, wurde in 15 Länder verkauft. "Wer Wind sät" bleibt diesem regionalen Konzept treu: Diesmal sorgt ein geplanter Windpark im Taunus für mörderische Umtriebe, die das Ermittlerduo Bodenstein/Kirchhoff beschäftigen.

Till Spielmann, buchreport

Buchtipp

Nele Neuhaus:
Wer Wind sät.

Ullstein; 558 Seiten; 14,99 Euro.

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Herzbubi 31.05.2011
1. Der Lokalkolorit aus dem Taunus steht einem internationalen Erfolg nicht im Wege
Zitat von sysopIhre ersten Romane ließ Nele Neuhaus auf eigene Kosten drucken, lagerte die Bücher in ihrer Garage und bot sie persönlich den Buchhändlern an. Mittlerweile ist sie eine der erfolgreichsten deutschen Krimiautorinnen. Mit "Wer Wind sät" steht sie*jetzt auf Platz*eins der Taschenbuch-Bestsellerliste. http://www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,764366,00.html
Das der Lokalkolorit ihrer Bücher eher ein Erfolgsfaktor auch international bedeutet liegt auf der Hand. Nur der Hamburger Spiegel wundert sich. Es sollte sich bis in den abgeschiedenen Norden herum gesprochen haben das im Taunus, im Rhein Main Gebiet sich eine internationale Metropole befindet. Besuchen Sie die doch mal die Frankfurter Buchmesse und schauen sich das internationale und kulturelle Angebot dieser Region an: Sie werden sich wundern.
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