Taschenbuch-Bestseller Papa, Mama, Gaga

Die Werberin Nina Puri und die Journalistin Susanne Kaloff haben sich lange über Eltern gewundert. Nach der Geburt ihrer eigenen Kinder wurde ihnen einiges klarer: Ihr Buch "Elternkrankheiten" ist in dieser Woche in die Bestsellerliste eingestiegen – auf Platz zwölf.


Früher, als Mutter, Vater, Kinder und Großeltern häufig noch unter einem Dach lebten, übernahm die ganze Familie die Erziehung des Nachwuchses. Fragen der Kleinen – und Großen – wurden nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Selbst Abwegiges wurde aufgeklärt. So konnte sich etwa die Enkelin beim Großvater erkundigen, warum "der liebe Gott" keinen richtigen Namen hat: "Er hat sogar einen Vor- und Nachnamen und heißt Ernst Groß", mochte die Antwort lauten: "Denn in der Bibel steht: 'Wenn du mich anrufst, dann rufe mich mit Ernst an, denn mein Name ist groß.'"

Cover von "Elternkrankheiten": Lexikon für verhaltensauffällige Eltern

Cover von "Elternkrankheiten": Lexikon für verhaltensauffällige Eltern

Heute steht eine unübersehbare Vielzahl von Ratgebern den Eltern zur Verfügung, pädagogisch wertvoll, umfassend und mit abwaschbarem Einband. Doch im Buch der Mütter Nina Puri (zwei Kinder) und Susanne Kaloff (ein Kind) stehen nicht die Sprösslinge im Mittelpunkt, sondern die verhaltensauffälligen Eltern.

Rund 150 Elternkrankheiten haben die beiden in ihrem Ratgeber mit dem Untertitel "Geschickt vorbeugen, messerscharf erkennen, erfolglos behandeln" aufgelistet, von A wie "Abnabelung" über L wie "Läuseschock", S wie "Stilldemenz" und T wie "Toter Hose" bis Z wie "Zwergfell" (Symptom: Auch wirklich doofe Kinderwitze werden mit schallendem Gelächter quittiert).

Die Lexikon-Aufbereitung hat für unter Schlafmangel leidende Eltern den unschätzbaren Vorteil, sich die Inhalte häppchenweise zuführen zu können. Vielleicht summen sie dann im Halbschlaf auch ein Lied über die Turbulenzen der Elternschaft, das Puri und Kaloff eigens getextet haben. Hier die erste Strophe:

"Bin immer und ewig am Rotiern Gebückt, in der Hocke, auf allen Viern Hab weder Sex noch Kitaplatz Aber Flecken auf'm Hemd und Bauchansatz"

Therapieangebote sucht der Leser jedoch meist vergeblich. Anliegen des Buches ist es, Eltern auf humorvolle Weise beizustehen. So beruhigen die Autorinnen damit, dass sich viele "Krankheiten" von selbst legen: "Spätestens in der Pubertät wird es dem Kind peinlich, wenn die Mutter immer noch überall dabei ist – in der Martinsfest-Bastelgruppe, als Klassenausflugsbegleitung, hinter der Kuchentheke beim Weihnachtsbasar. Das ist dann ein geeigneter Zeitpunkt, die Krankheit zu überwinden." Sogar die Wahnvorstellung, das eigene Kind sei hochbegabt, schwäche sich im Laufe der Jahre ab. Puri: "Spätestens dann, wenn der Sohn nach 37 Semestern Deutsch auf Lehramt eine Hausmeisterstelle annimmt."

Aber trotz teils über Jahre hinweg anhaltender Krankheitssymptome plädieren Puri und Kaloff vehement für die nachhaltige Infektion mit dem Bazillus Kinderwunsch. Für Kaloff sind die kleinen Racker die größte Prüfung im Leben, der sich jeder stellen sollte. "Außerdem kriegt man ja so viel zurück", pflichtet Puri bei. Kaloff: "Im Zweifel ein zahnloses Lächeln."

Helge Rehbein, buchreport


Nina Puri/Susanne Kaloff: Elternkrankheiten, Knaur, 12,95 Euro



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